Eröffnung des German House of Soccer:DFB in New York: Zwischen Applaus und politischem Streit
von Frank Hellmann, New York
Bei der Eröffnung des "German House of Soccer" herrscht gute Stimmung. DFB-Boss Bernd Neuendorf und Oke Göttlich sprechen aber auch die heiklen WM-Themen an.
Das German House of Soccer in Manhattan, New York, ist Anlaufstelle und Museum für Fans aus aller Welt während der WM 2026.
Quelle: IMAGOErst donnernder Applaus, dann laute Sprechchöre: Als Rudi Völler die Bühne im "German House of Soccer" betrat, gerieten viele der 350 Besucher in Wallung. Der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) taugt immer und überall als verbindendes Element - und rückte bei der offiziellen Eröffnung am Freitagabend in New York mal wieder in den Blickpunkt. Sein Versprechen an die Fans vor dem Auftakt gegen den WM-Novizen Curacao (Sonntag, 19 Uhr, TV: ARD): "Die Mannschaft brennt. Wir werden am Sonntag ein richtig gutes Spiel zeigen, davon bin ich überzeugt.“
Er ist populär wie kaum ein anderer deutscher Fußballer: Rudi Völler, gefeiert als Stürmer, Trainer oder Manager. Selbst Ausraster verzeiht man ihm. "Terra X History" zeigt ein Porträt.
07.06.2026 | 44:36 minFan-Treff mitten in New York
Tags zuvor hatte sich Völler gemeinsam DFB-Präsident Bernd Neuendorf das Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt gesehen - und fühlte sich unweigerlich an seinen zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich gegen Argentinien im WM-Finale 1986 im Aztekenstadion erinnert. Nach einer kurzen Nacht ging es direkt nach New York, wo bis zum 11. Juli der Komplex Chelsea Industrial an der 28th Street für Begegnung und Begeisterung bei Fußball-Anhängern sorgen soll.
Dass längst nicht allein deutsche Fans gekommen waren, sondern auch viele US-Amerikaner - teilweise gelockt von DFB-Partnern mit geschäftlichen Verbindungen - zeigte sich beim lauten Jubel bei der Live-Übertragung mit dem Torreigen der US-Boys. Da störte es nicht, dass deutsches Bier aus Plastikbechern stolze zehn Dollar kostete. Das ist in New York in einer Sportsbar oft noch teurer.
Demut bei Bernd Neuendorf vor der K.o.-Runde
Die Stimmung auf den 2.000 Quadratmetern in einem für Kunst und Kultur bekannten Areal von Manhattan wird auch vom Abschneiden der DFB-Elf abhängen, wobei DFB-Präsident Bernd Neuendorf optimistisch klang: "Es kommt jetzt darauf an, dass wir die Vorrunde gut überstehen, gute Ergebnisse haben." Doch es wäre "vermessen, jetzt zu sagen, wir räumen die schweren Gegner danach alle mal eben aus dem Weg und stehen im Halbfinale."
Auf Nachfrage stellte sich der Verbandsboss auch den sportpolitischen Themen. Dass rund 500 Fans des zweiten deutschen Gegners Elfenbeinküste die Einreise verweigert wurde, kritisierte Neuendorf: "Da dürfen sie davon ausgehen, dass ich mich um diese Sachen kümmere. Man muss immer vom Ende denken: Was ist erfolgsversprechend? Manchmal ist es besser hinter den Kulissen zu reden. Das tue ich auch hier."
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Grundsätzlich sei es problematisch, sagte der Ex-Politiker, "wenn Menschen pauschal als Gruppe abgewiesen werden". Laut Neuendorf, der Mitglied im Fifa-Council ist, brauche es "Fingerspitzengefühl und Diplomatie". Nur wenn schon Fifa-Präsident Gianni Infantino keine Handhabe gegen die restriktive US-Einreisepolitik hat, wird auch der DFB-Chef hier kaum eine Kehrtwende bewegen.
Oke Göttlich trifft in New York die Aktivisten
Vor ihm hatte Oke Göttlich als DFB-Vizepräsident und Oberhaupt des FC St. Pauli verraten, die Aktivisten Ryan Warren und Nia Alvarez-Mapp der Organisationen "Hands Off NYC" getroffen zu haben. Eine stadtweite Bewegung, die sich gegen die massive Präsenz der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der WM wehrt.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Rudi Völler besuchen Bildungsprojekte in Mexiko-Stadt. Die Hilfe erreicht Kinder dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird.
13.06.2026 | 2:11 minDer Hamburger warb einerseits für eine differenzierte Betrachtung: "Wenn wir anfangen, die Welt nur Schwarz-Weiß zu betrachten, sollten wir aufhören." Andererseits müsse man kritisch hinterfragen, "wenn eine Regierung mit einem faschistischen Migrationsinstrumentarium namens ICE agiert." Er sei in die USA gereist, um zu erfahren, "was passiert hier wirklich". Das sei auch deshalb wichtig, wenn sich der DFB für die Ausrichtung der WM 2038 oder 2042 bewerbe, wie Göttlich bestätigte.
Die beiden vom DFB als Botschafter auserkorenen Jürgen Klinsmann und Ann-Katrin Berger waren nur kurz per Video zu sehen. Der frühere US-Nationaltrainer Klinsmann zog den Stadionbesuch in Los Angeles des Gastgebers vor, die deutsche Nationaltorhüterin Berger bekommt am 28. Juni die Bühne zum Talk für sich alleine, weil sie als Keeperin des Gotham FC im Großraum New York und New Jersey zuhause ist. Als ihre ikonische Parade vom EM-Viertelfinale gegen Frankreich über die Leinwand flackerte, brandete übrigens auch donnernder Applaus auf.
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