Iran-Krieg, Menschenrechte, Einreise:Vor WM in den USA: Panikmache oder berechtigte Sorgen?
von Ralf Lorenzen
Wen lassen die US-Behörden einreisen? Was müssen Besucher befürchten? Wie wirkt sich der Iran-Krieg aus? Drei Wochen vor Beginn der WM sind noch viele Fragen offen.
Vor dem Start der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gibt es viel Gesprächsstoff. Im Mittelpunkt unter anderem: US-Präsident Donald Trump.
19.05.2026 | 1:45 minEs ist nicht neu, dass eine Fußballweltmeisterschaft von Diskussionen über die Lage der Menschenrechte im Gastgeberland überlagert wird. "Fußball ja, Folter nein" lautete der Slogan einer Kampagne von Amnesty International während der WM in Argentinien 1978, während der WM in Russland 2018 standen inhaftierte Oppositionelle und die Annexion der Krim im Fokus, in Katar 2022 die Rechte von Minderheiten sowie die Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter.
WM-Novum: Krieg zwischen Gastgeber und Gast
Neu ist, dass mit dem aktuellen Gastgeberland USA die am längsten bestehende Demokratie der Welt in der Kritik steht, Einwanderer unmenschlich zu behandeln, die Meinungsfreiheit zu behindern und willkürliche Einreisebeschränkungen zu verhängen.
Neu ist vor allem auch, dass sich das Gastgeberland in einem Krieg mit einem Teilnehmerland befindet. US-Präsident Donald Trump hatte die daraus resultierenden Bedenken weiter geschürt, als er der iranischen Mannschaft davon abriet, tatsächlich zu kommen.
Ich halte es wirklich nicht für angemessen, dass sie dort sind, im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit.
Donald Trump, US-Präsident, im März
US-Außenminister Rubio erklärte zwar, die Spieler seien willkommen, Einschränkungen könnten sich allerdings für Begleitpersonen ergeben, die Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden hätten.
Positives Gespräch zwischen FIFA und Iran
Nachdem mehreren iranischen Fußballfunktionären im Vorfeld der WM-Auslosung im Dezember US-Visa verweigert wurden und mindestens einer von den kanadischen Behörden auf dem Weg zum FIFA-Kongress im April zurückgewiesen wurde, verlangte Iran in der Visa-Frage Garantien.
Joseph Blatter wirkt, als sei er noch lange nicht fertig. Der 90-Jährige rechnet mit seinem alten Arbeitgeber ab: dem Weltfußballverband FIFA. Dabei kennt er keine Zurückhaltung.
10.05.2026 | 43:52 minEin Treffen zu diesem Thema von FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström mit Vertretern des iranischen Fußballverbandes am vergangenen Samstag in Istanbul bezeichneten beide Seiten laut einer Mitteilung der FIFA als positiv.
Neben der Unklarheit über die weitere Entwicklung des Konflikts zwischen den USA und Iran sorgen auch die innenpolitischen Vorgänge in den USA, aber auch in Mexiko, weiter für Unsicherheit. Aktuell sei womöglich die "schlimmste Zeit für die Menschenrechte in den Vereinigten Staaten, vielleicht seit der Bürgerrechtsbewegung", sagte Jamil Dakwar, Menschenrechtsexperte der American Civil Liberties Union (Aclu).
Menschenrechtler warnen vor staatlicher Gewalt
Die ACLU und ein Bündnis aus 120 Menschenrechtsgruppen hat einen Reiseratgeber herausgegeben, in dem vor "gewaltsamer und verfassungswidriger Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen, einschließlich Racial Profiling", der Unterdrückung der Meinungsfreiheit, invasiven Kontrollen und dem "ernsthaften Risiko grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung und in einigen Fällen des Todes in Einwanderungshafteinrichtungen oder in Gewahrsam" gewarnt wird.
Die US-Regierung hat im Jahr 2025 mehr als 500.000 Menschen aus den USA abgeschoben - sechsmal so viele Menschen, wie das WM-Finale im MetLife Stadium verfolgen werden.
Steve Cockburn, Amnesty International
"Trotz der hohen Zahl von Verhaftungen und Abschiebungen haben weder die FIFA noch die US-Behörden Garantien dafür gegeben, dass Fans und lokale Gemeinschaften vor Racial Profiling, wahllosen Razzien oder unrechtmäßigen Inhaftierungen und Abschiebungen sicher sind." Andere Quellen wie die "New York Times" oder das Deportation Data Project kommen jedoch auf in etwa halb so viele Abschiebezahlen.
Die FIFA preist die WM 2026 als "großartiges" Event an. Doch Visa-Probleme, hohe Preise und die US-Politik trüben die Vorfreude. Fans und Tourismus leiden, denn viele können sich die Teilnahme kaum leisten.
12.05.2026 | 2:37 minGroßes Sicherheitsaufgebot in Mexiko
Vertreter der US-Tourismusbranche warfen den Verfassern des Ratgebers vor, den Lebensunterhalt von Beschäftigten zu gefährden. Es gebe berechtigte Bedenken wegen der US-Einreisepolitik, aber hier werde übertrieben, kritisierte der Präsident der U.S. Travel Association, Geoff Freeman.
Im Co-Gastgeberland Mexiko ist die Gewaltwelle zwischen den Drogenkartellen nach der Tötung eines mächtigen Drogenbosses zwar inzwischen abgeebbt. Die Regierung setzt dennoch 100.000 Sicherheitskräfte, darunter 20.000 Soldaten, ein, um die Sicherheit der WM-Besucher zu gewährleisten.
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