Neuer Fußball-WM-Experte des ZDF:Streich: "Eine Aufgabe, der ich mich stelle"
von Christoph Ruf
Alles nur nicht "authentisch": Die ZDF-Doku "Echt" stellt den neuen ZDF-WM-Experten und ehemaligen Freiburg-Trainer Christian Streich vor.
Wird bei der WM 2026 als Experte für das ZDF aktiv sein: Christian Streich (Archivbild)
Quelle: dpaChristian Streich blickt oft gequält drein, wenn ihn wieder jemand "authentisch" nennt. Der studierte Germanist mag das Wort so wenig wie Fußball-Anglizismen à la "performen".
Und doch ist es das Attribut, das offenbar den meisten Menschen zuerst zu dem Mann einfällt, der 29 Jahre als Trainer beim SC Freiburg gearbeitet hat. Und der beim Eröffnungsspiel am 11. Juni seinen ersten Einsatz als Fußball-Experte im ZDF-WM-Team haben wird.
Löw über Streich: "Liebenswerter Leuchtturm"
"Authentisch", nennt ihn dann auch nur Ex-Nationalspieler Per Mertesacker in der 20-minütigen ZDF-Doku "Echt", die sich dem 60-Jährigen entlang thematischer Schlagworte wie "Emotionen", "Haltung" oder "Zweifel" nähert.
Gleich zu Beginn schildert der "liebenswerte Leuchtturm" (Joachim Löw), wie es zu der außergewöhnlichen Verbundenheit zu seinem SC Freiburg kam.
Streich spielte beim SC noch vor 2.000 Fans
Dem gehört er bereits als Spieler an, als Präsident Achim Stocker noch die eigene Kaffeemaschine rüber in den Mini-Presseraum brachte, wenn zwei Journalisten wissen wollten, was vor den spärlich besuchten Spielen gegen Union Solingen oder Blau-Weiß 90 Berlin so anlag.
Dass auf so jemandem die "Verantwortung" (ein weiteres Schlagwort) als Trainer schwer lastet, ist klar. Streich hatte stets Angst, dass bei einem Abstieg Stellen auf der Geschäftsstelle gestrichen werden könnten. Und er kannte dort jeden Mitarbeiter.
"Habe mir oft zu viel Druck gemacht"
Zumal, und auch hier ist Streich entwaffnend ehrlich, ihn sein Naturell zu jemandem macht, der Situationen oft als existenziell belastend empfand, wo andere noch gelassen geblieben wären.
Das ZDF-WM-Team darf sich über einen Neuzugang freuen. Christian Streich wird bei der WM 2026 das Experten-Team mit seinen Analysen aus Trainersicht bereichern.
12.05.2026 | 0:19 min"Ich habe mir zu viel Druck gemacht, aber das kann man nicht immer steuern - weil ich nicht dieser Typ war, der immer nur positiv denkt, der gezweifelt hat an den eigenen Entscheidungen."
Streich hat sich nie weggeduckt
Den meisten Fußballfreunden - SC-Fans ausgenommen - ist Streich wohl vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil er in einer klaren, unverstellten Sprache zu Themen Stellung nahm, bei denen sich viele andere wegduck(t)en.
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Sei es bei Statements gegen die AfD ("Jeder in diesem Land ist dazu aufgerufen aufzustehen"). Oder wenn er vor denen warnte, "die sich unrechtmäßig an ihm bereichern oder es ausbeuten."
Trotz aller Skepsis: bei der WM dabei
Da stellt sich natürlich die Frage, warum jemand, der eine solch klare Haltung zur Kommerzialisierung des Fußballs hat, nun künftig von dieser WM berichtet - und sich erklärtermaßen auch auf das Turnier an sich freut.
Streich wäre nicht Streich, wenn er sich das nicht in aller Gründlichkeit selbst gefragt hätte. Er führt das Recht kleinerer Fußballnationen an, ein paar Krümel vom riesigen Kuchen zu ergattern, der ab Juni verteilt wird.
"Das Spiel ist zu groß"
Vor allem aber ist der Fußball-Enthusiast überzeugt davon, dass auch US-Präsident Donald Trump und die FIFA den Kern des Sports, den er so liebt, nicht zerstören können.
"Vor 25 Jahren habe ich gedacht, dass dieses Spiel all das, was auf es einwirkt, nicht überleben wird", sagt er. "Dass sich irgendwann mehr Menschen abwenden werden. Heute glaube ich, das wird nicht passieren, das Spiel ist zu groß."
Fachlichkeit ohne Fach-Chinesisch
Er selbst hat sich vorgenommen, den Zuschauern die Spiele mit der gleichen Ernsthaftigkeit zu präsentieren, wie er es bei seinen Spielern praktiziert hat. Nur eben nicht im Fach-Chinesisch rund um "abkippende Sechser" und "polyvalente Spieler".
"Die Leute gehen den ganzen Tag arbeiten, die können nicht den ganzen Tag Fußball gucken wie wir das immer gemacht haben. Das hinzukriegen, ist eine Aufgabe, die ich mir stelle."
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