Argentinien nach WM-Niederlage: Zwei weinende Lionels

Argentinien nach WM-Niederlage:Zwei weinende Lionels

von Frank Hellmann, New Jersey

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Weltstar Messi und Trainer Scaloni weinen nach Argentiniens Enttäuschung hemmungslos. Letztlich ist die Fixierung auf eine Figur dem Titelverteidiger auf die Füße gefallen.

Weltmeister 2026, Spanien, Ferran Torres jubelt mit Pokal

Im WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien passiert lange nicht viel. Erst in der Verlängerung erlöst Ferran Torres die stärkeren Spanier.

20.07.2026 | 12:47 min

Es könnten als Fußballer vielleicht die schwierigsten Schritte seines Lebens gewesen sein. Mit verheulten Augen spazierte Lionel Messi um 18:45 Uhr vom Rasen des New York New Jersey Stadions, noch bevor das große Feuerwerk über dem Meadowland Sports Complex nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien (0:1 n.V.) zündete.

Zuvor hatte der argentinische Nationalheilige genug Tränen auf dem Rasen vor den Augen der Weltöffentlichkeit vergossen. Der 39-Jährige weinte wie ein kleines Kind, dem der Herzenswunsch abgeschlagen worden war. Statt der Krönungsmesse zum Mythos hatte Messi nichts dagegen ausrichten können, dass die Titelverteidigung der "Albiceleste" missriet.

Messis Traum zerplatzt

Der Traum von der Titelverteidigung ist für Lionel Messi geplatzt. Sein womöglich letzter Tanz auf der größten Fußball-Bühne ist zu Ende. Was bleibt: Etliche Rekorde des Ausnahmekönners.

20.07.2026 | 1:06 min

Wie schon im WM-Finale 2014 gegen Deutschland war es ihm auch in diesem Endspiel gegen Spanien nicht vergönnt, nach dem Goldpokal zu greifen. Dasselbe Resultat, ein 0:1 nach Verlängerung. Natürlich, der WM-Titel 2022, gegen Frankreich errungen im Elfmeterschießen, wird für immer bleiben. Doch die Ikone hatte bei seiner letzten WM mehr gewollt.

Der spanische Nationalspieler Ferran Torres erzielt das 1:0 für Spanien im WM-Finale gegen Argentinien in der Verlängerung

Lange passiert nicht viel im WM-Finale 2026. In der Verlängerung bringt Ferran Torres die Iberer dann verdient in Führung.

20.07.2026 | 1:52 min

Lionel Scaloni räumt nach Weinkrampf das Podium

Dasselbe galt für seinen Trainer Lionel Scaloni. Zunächst analysierte der Coach noch einigermaßen gefasst die Leistung seines am Ende entkräfteten Ensembles, das über sieben Spiele so viele Widerstände überwinden musste, dass es im Finale schlicht nicht mehr reichte. "So weit zu kommen, erfordert eine enorme Anstrengung", erklärte Scaloni.

Wir zeigen Größe im Sieg und müssen sie auch in der Niederlage zeigen.

Lionel Scaloni, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft

Doch im Laufe der Pressekonferenz erlitt der 48-Jährige einen Weinkrampf. "Es ist so schmerzhaft, es tut mir leid", sagte Scaloni, der unter anerkennendem Beifall vieler Journalisten das Podium räumte.

Ähnlich war es Messi auf dem Platz gegangen, der weder die riesige Nachbildung der WM-Trophäe noch den echten Goldpokal eines Blickes würdigte. FIFA-Boss Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump hatten zuvor zwar ein paar Worte des Trostes an den Weltstar gesprochen, doch es half nichts: Selbst die Aufmunterungen der himmelblauen Fankurve schienen beim Kapitän nicht mehr anzukommen.

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19.07.2026 | 5:00 min

Spanier dominieren einen langen Showdown

Ähnlich wie Diego Armando Maradona im WM-Finale 1990 von Rom an den besseren Deutschen scheiterte, dominierten nun die Spanier in New Jersey einen langen, zähen Showdown.

Natürlich besaß die Gelb-Rote Karte gegen Enzo Fernandez (90. +4) entscheidenden Charakter, aber selbst bis dahin hatte Argentinien keinen einzigen Schuss aufs Gehäuse von Unai Simon zustande gebracht.

Vielleicht kann der Referee die erste Gelbe Karte vermeiden, aber das ist keine Entschuldigung.

Lionel Scaloni, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft

Dasselbe gelte für die verletzungsbedingten Auswechslungen seiner Verteidiger. Vor allem brachte sein Team im Angriff erschreckend wenig zustande.

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20.07.2026 | 4:58 min

Lionel Messi verweigerte die Arbeit gegen den Ball

Auch Messi hatte sich im spanischen Spinnennetz ein ums andere Mal verfangen. Die Ikone hatte bis zum Finale acht der 18 Tore geschossen, war an 15 in der Entstehung beteiligt. Allein 99 der 113 argentinischen Torchancen liefen bis zum Finale über ihn.

Und doch im wichtigsten Spiel des Turniers hatte die Nummer zehn in 120 Minuten plus Nachspielzeit magere 54 Ballkontakte, die kaum Ertrag brachten. Und weil der Anführer sich in seinem 207. Länderspiel hartnäckig weigerte, in Unterzahl vielleicht angemessene Arbeit gegen den Ball zu verrichten, fiel Argentinien die Messi-Fixierung auf die Füße.

Lionel Messi hatte bereits mit einem emotionalen Post bei Instagram am Vorabend des Spiels die Spekulationen angeheizt. "Danke an jeden meiner Mitspieler, an das Trainerteam und an alle Menschen, die jeden Tag dafür arbeiten, dass diese Nationalmannschaft eine Familie bleibt", schrieb der Kapitän der Albiceleste. Dazu veröffentlichte Messi ein Bild des gesamten Teams, auf dem alle Spieler, Betreuer, der Trainerstab und alle, "die zum Erfolg beitragen", zu sehen sind. Er schrieb: "Ganz egal, was im Finale passiert - dieses Team hat bereits Geschichte geschrieben, die wir niemals vergessen werden und die niemand auslöschen kann."


Als der bis dahin überragende Torwart Emiliano Martinez von Ferran Torres überwunden wurde (106.), entstand bald danach ein Wimmelbild himmelblauer Enttäuschung. Mit Messi im Mittelpunkt der Trauergemeinde. "Der letzte Tango", wie ihm sein deutscher Ausrüster auf die Schuhe gepinselt hatte, sollte gar nicht erst zur Aufführung kommen - der neue Weltmeister nahm ihm über weite Strecken die Option, überhaupt einen Tanzpartner zu finden.

Abgesehen von zwei Ecken ganz am Ende, nach denen Giuliano Simeone verzog. Es sollten die einzigen Torschüsse Argentiniens nach einem enttäuschenden Auftritt sein. Zurück blieben zwei weinende Lionels.

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