Handball-EM: Eine Final-Niederlage wie ein kleiner Sieg

Handball: Wolffs Weltklasse reicht nicht:Eine Final-Niederlage wie ein kleiner Sieg

von Erik Eggers

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Die deutschen Handballer leisten im EM-Finale großen Widerstand gegen Dänemark, verlieren am Ende aber deutlich mit 27:34. Und blicken schon auf die Heim-WM 2027.

Rune Dahmke, Torhüter Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Miro Schluroff betrachten die Silbermedaille.

EM-Silber - sieht doch nicht mal schlecht aus: Rune Dahmke, Torhüter Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Miro Schluroff (von links).

Quelle: Sina Schuldt/dpa

Andreas Wolff konnte, als ihm am Sonntagabend um 20:04 Uhr die Silbermedaille umgehängt wurde, schon wieder lächeln. Der Keeper der deutschen Handballer hatte einmal mehr überragend gehalten und den Weltmeister aus Dänemark im Finale der EM mit seinen 15 teils spektakulären Paraden ins Wanken gebracht.

Dänemarks Mathias Gidsel setzt sich im Duell gegen Deutschlands Renars Uscins (r) durch.

Großer Kampf, ohne Happy End: Deutschlands Handballer verlangen den favorisierten Dänen im Finale alles ab. Erst in der Schlussphase wird es deutlich, und die Gastgeber siegen 34:27.

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Für den großen Coup reichte diese Weltklasseleistung aber nicht. Am Ende zogen die favorisierten Dänen, angetrieben von 15.000 Fans in der Jyske Bank Boxen zu Herning, doch davon und siegten mit 34:27 (17:15) gegen eine kampfstarke deutsche Mannschaft.

Der Blick auf die Heim-WM 2027

Einige Paraden und einige Tore hätten gefehlt, so kurz und bündig war die Erklärung des Keepers vom THW Kiel. "Aber ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft", sagte der Torwart und blickte einige Minuten schon auf den nächsten Höhepunkt, die WM im eigenen Land 2027:

Darauf darf sich schon jeder Handballfan freuen. Vielleicht schlagen wir Dänemark zu Hause. Vielleicht schlagen wir sie in zwei Jahren.

Torwart Andreas Wolff

Der Torwart hatte, das unterstrich seine Körpersprache, fest an eine Titelchance geglaubt. Immer wieder trieb der 34-Jährige sein Team gegen die Dänen, die aus seiner Sicht "beste Mannschaft vielleicht der Geschichte", nach vorn.

Wolffs akrobatische Rettungstat

Zehn Minuten vor Abpfiff brachte er den Weltmeister zum Nachdenken, als er, ins leere Tor zurückeilend, einen Wurf von Welthandballer Mathias Gidsel von der Mittellinie mit einer gehechteten Parade abwehrte.

Da stand es 26:24 für Dänemark, das plötzlich ratlos wirkte und an Wolffs spektakulären Paraden zu verzweifeln schien. Und doch rastete Wolff danach aus, weil Lukas Mertens den Abpraller nicht erwischte und Dänemark wieder in Ballbesitz kam.

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Es war eine Szene, in der das Spiel hätte kippen können. "Uns hat manchmal das Momentum gefehlt", klagte Rechtsaußen Lukas Zerbe. "Aber ich freue mich einfach nur, welches Turnier wir hier gespielt haben."

Das Momentum fehlt

Sogar bis zur 55. Minute blieb das junge deutsche Team noch in Schlagdistanz - trotz des fanatischen Publikums, das auch die montenegrinischen Referees manchmal beeindruckte.

Auch wenn anfangs Julian Köster im Rückraum brilliert hatte, und dann auch Marko Grgic in der Schlussphase der Partie mit wuchtigen Toren aus dem Rückraum erneut andeutete, welches Potenzial er hat: Diesmal war die deutsche Offensive nicht durchschlagskräftig genug.

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Dänen nehmen Juri Knorr aus dem Spiel

Sie scheiterte nun immer wieder an der dänischen Deckung, die weit herausrückte, um dem deutschen Spielmacher Juri Knorr das Anlauftempo zu nehmen.

Die deutsche Defensive ihrerseits, die auf zuletzt überragenden Mittelblocker Justus Fischer (Infekt) verzichten musste, konnte die Stars im dänischen Rückraum nicht oft genug bremsen, insbesondere den unwiderstehlichen Halblinken Simon Pytlick, mit acht Treffern bester Schütze des Endspiels.

Simon Pytlick überragt bei Dänemark

In der zweiten Halbzeit ging in vielen Szenen der Ball zu oft an die Dänen, ob nun nach Abprallern oder nach Schiedsrichterpfiffen. "Oft sind es Kleinigkeiten, die entscheiden", sagte Gislason lakonisch:

Der Ausfall von Fischer hat uns schwer getroffen.

Bundestrainer Alfred Gislason

Zumal auch Abwehrspezialist Tom Kiesler, der sich nach einem Infekt zurückgemeldet hatte, in der 14. Minute nach einem Foul an Gidsel zurecht mit Rot vom Platz musste.

Nach dem EM-Finale legt Bundeskanzler Friedrich Merz in der Teamkabine seine rechte Hand auf die lienke Schulter vom Torhüter Andreas Wolff.
Quelle: Guido Bergmann / Bundesregierung / dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz bei X: "Was für ein Finale, was für eine starke Europameisterschaft. Ihr habt gekämpft, Nervenstärke und Teamgeist gezeigt. Wir sind stolz auf euch."

Bundestrainer Alfred Gislason: "Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von unseren Jungs. Das Ergebnis ist mit Sicherheit zu hoch."

Kapitän Johannes Golla: "Ich bin stolz auf die Leistung, auf das ganze Turnier. Wir haben uns auch heute nicht aufgegeben. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen."

Teammanager Benjamin Chatton: "Wir sind heute enttäuscht, aber morgen wird der Hunger noch größer sein, die Dänen zu schlagen. Wir haben ein hervorragendes Turnier gespielt. Ich bin überzeugt, dass es ein weiterer Schritt in der Entwicklung sein wird."


"Wir haben Dänemark lange Zeit ein enges Match geboten", sagte Gislason, der seinem Kollegen Nikolaj Jacobsen fair gratulierte. "Aber es war nicht genug heute." Er hoffe, dass der Abstand zu den überragenden Dänen in Zukunft noch geringer werde.

Wolff jedenfalls glaubt fest an weitere dramatische Duelle gegen die Skandinavier, die nun alle großen Titel des Welthandballs halten. "Ich glaube, dass wir noch viele Finals gegen Dänemark spielen werden."

Über dieses Thema berichtete "sportstudio live" am 01.02.2026 ab 17:30 Uhr.
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