Zwei Jahre nach Teillegalisierung:Experten: Cannabis-Schwarzmarkt wird langsam zurückgedrängt
von Jan Henrich
Forscher haben den zweiten Zwischenbericht zu den Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung vorgelegt. Sie verzeichnen viele positive, aber auch einige bedenkliche Entwicklungen.
Wie wirkt sich die Teillegalisierung von Cannabis aus?
Quelle: dpaEs sei ein "Scheißgesetz", hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) noch im Oktober vergangenen Jahres über die von der Ampel-Koalition beschlossene Cannabis-Teillegalisierung gesagt. Seit dem 1. April 2024 ist unter anderem der Besitz und Anbau begrenzter Mengen Cannabis in Deutschland erlaubt.
Welche Auswirkungen das hat, überprüft eine gesetzlich beauftragte Forschergruppe. Sie hat nun ihren zweiten Zwischenbericht vorgelegt und verzeichnet darin positive Effekte, vor allem mit Blick auf den Schwarzmarkt. In einigen Bereichen gebe es allerdings Nachbesserungsbedarf.
Cannabis: Legale Bezugsquellen wachsen
Unter anderem mittels Abwasseruntersuchungen lasse sich feststellen, dass der Konsum von Cannabis trotz Teillegalisierung nicht angestiegen sei, so die Studie. Gleichzeitig würden legale Bezugsquellen, wie der Eigenanbau oder Medizinalcannabis von Online-Apotheken, wachsen. Das führe laut Forschergruppe zu einer "sukzessiven Verdrängung des Schwarzmarktes".
Für eine abschließende Bewertung, welche Auswirkungen die Entwicklung auf die organisierte Kriminalität hat, sei es allerdings noch zu früh, so Kriminologe Jörg Kinzig, der an der Studie beteiligt ist.
Bei der Erforschung der cannabisbezogenen Kriminalität stehen wir noch ziemlich am Anfang.
Jörg Kinzig, Institut für Kriminologie Tübingen
Ermittlungsverfahren auf diesem Gebiet würden häufig mehrere Jahre dauern, sagt der Kriminologe, deshalb sei das Wissen darüber noch begrenzt. Die Untersuchungen der Forschergruppe sollen noch bis April 2028 andauern, erst danach wird voraussichtlich ein Abschlussbericht vorliegen.
Konsum unter Jugendlichen stabil bis "leicht rückläufig"
Ursprünglich hatte die Politik mit dem Cannabisgesetz auch einen stärkeren Jugendschutz beabsichtigt. Die Daten der Studie zeigen nun, dass der Konsum von Cannabis unter Jugendlichen seit der Teillegalisierung "stabil oder sogar leicht rückläufig" ist.
Tendenziell hätten 15- bis 17-Jährige mittlerweile auch ein höheres Risikobewusstsein gegenüber den Gefahren durch Cannabiskonsum. Allerdings würden Jugendliche, die Cannabis konsumieren, seit der Reform seltener Frühinterventions- und Beratungsangebote in Anspruch nehmen. In diesem Bereich gebe es Nachbesserungsbedarf, so die Expertengruppe.
Internetportale dürfen nicht für ärztliche Behandlungen mit medizinischem Cannabis werben. Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente sei in Deutschland grundsätzlich verboten.
26.03.2026 | 1:22 minAls Problem sehen die Forscher zudem, dass medizinisches Cannabis von Online-Plattformen häufig einen sehr hohen THC-Gehalt habe. Hierbei bestehe ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen.
Teillegalisierung erschwert Ermittlungsarbeit der Polizei
Ebenfalls bedenklich sei, dass die Ermittlungsarbeit und die Verfolgung von Cannabis-Straftaten seit der Teillegalisierung erschwert seien. Das gehe aus einer Befragung von über 2.000 Polizisten hervor. Aus Sicht der Praxis sei es schwerer geworden, Akteure, die verbotenen Cannabis-Handel betreiben, "zur Rechenschaft zu ziehen", so die Forschergruppe.
Das BKA warnt vor steigender Bedrohung durch organisierte Kriminalität. Innenminister Dobrindt sieht ein "massives Drogenproblem" – und kritisiert das Cannabis-Gesetz scharf.
24.10.2025 | 2:47 minProbleme bei Ermittlungsarbeiten durch die Cannabis-Freigabe hatte zuletzt auch BKA-Chef Holger Münch ausgemacht. Es sei schwer, "den Kleindealer noch zu erkennen, wenn der Besitz von 25 Gramm in der Tasche und 50 Gramm zu Hause erlaubt ist", so Münch gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur.
Richtervereinigung sieht deutliche Entlastungen
Aus Sicht der Neuen Richtervereinigung (NRV) ist die Cannabis-Teillegalisierung insgesamt allerdings positiv zu bewerten. Die Reform habe zu einer "erheblichen Entlastung" bei der Arbeit von Gerichten und Staatsanwaltschaften geführt, so Simon Pschorr, Staatsanwalt und Fachgruppensprecher der NRV.
Es gibt aus unserer Sicht keinen Anlass, das Gesetz zurückzudrehen.
Simon Pschorr, Deutsche Richtervereinigung
Pschorr ist der Überzeugung, dass die Politik die legalen, staatlich kontrollierten Bezugsquellen für Cannabis weiter ausbauen müsse. Damit lasse sich der verbleibende Schwarzmarkt am besten bekämpfen, so der Jurist.
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