Ankündigung des US-Präsidenten:Kann Trump so einfach US-Truppen aus Deutschland abziehen?
von Kevin Schubert
US-Präsident Donald Trump bringt wieder einmal einen Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland ins Spiel. Aber ist das realistisch? Ein Überblick.
US-Präsident Trump hat erneut mit dem Abzug in Deutschland stationierter Soldaten gedroht. Hintergrund ist die Kritik von Bundeskanzler Merz am Vorgehen der USA im Iran-Krieg.
30.04.2026 | 0:26 minDie USA prüfen aktuell eine potenzielle Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Das hat der US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform "Truth Social" verkündet. "Eine Entscheidung soll in Kürze getroffen werden", sagt Trump.
Doch wie ernst meint der US-Präsident das? Wie wichtig sind die US-Soldaten in Deutschland für das US-Militär? Könnten sie so einfach reduziert werden? Und was würde das für Deutschland heißen? ZDFheute mit einem Überblick.
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump US-Soldaten aus Deutschland abziehen will. Bereits während seiner ersten Amtszeit plante er den Abzug von fast 10.000 US-Soldaten.
Damals warf Trump Deutschland wiederholt vor, seinen Nato-Verpflichtungen nicht nachzukommen und zu wenig für die Verteidigung auszugeben. Der US-Kongress verhinderte, dass Trump die Pläne während seiner Amtszeit umsetzen konnte.
Niedrige Verteidigungsausgaben spielen längst keine Rolle mehr: Erst diese Woche lobte der Staatssekretär des US-Verteidigungsministeriums, Elbridge Colby, die neue deutsche Militärstrategie. Das Papier, das den Aufbau der größten konventionellen Streitmacht Europas zum Ziel hat, zeige "einen klaren Weg nach vorn".
Diesmal dürfte Trumps Ankündigung andere Gründe haben:
- Der US-Präsident hat Deutschland und andere Nato-Verbündete seit Beginn des Iran-Kriegs immer wieder dafür kritisiert, dass sie keine Marineschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus entsandt hätten.
- Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am Montag bei einem Auftritt in einer Schule gesagt, die Amerikaner seien in Iran "ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen" und von einer Demütigung der USA durch die iranische Staatsführung gesprochen.
Mit Material von AP, dpa und Reuters.
So viele Truppen haben die USA in Deutschland stationiert
Ende 2025 waren 36.436 aktive US-Soldaten in Deutschland stationiert. Hinzu kommen 1.486 Reservisten und 11.416 zivile Mitarbeiter. In Europa ist Deutschland damit der mit Abstand wichtigste Standort der US-Armee, wie unsere Karte zeigt:
ZDFheute Infografik
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Dabei verteilen sich die US-Soldaten in Deutschland auf mehrere Stützpunkte, vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Von besonderer Bedeutung sind unter anderem ...
- der Luftwaffenstützpunkt Ramstein,
- das Militärkrankenhaus in Landstuhl,
- der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr,
- die Zentrale des US-Heeres in Europa in Wiesbaden,
- und die US-Regionalkommandos für Europa (Eucom) und Afrika (Africom) in Stuttgart.
In den 1980er-Jahren - also vor dem Fall der Berliner Mauer und während des Kalten Kriegs - waren noch 250.000 US-Soldaten in der Bundesrepublik stationiert.
"Wir sollten uns darauf fokussieren, die eigene Verteidigungsfähigkeit in Europa aufzubauen" und es sollte weniger auf die USA als Partner gesetzt werden, sagt Sicherheitsexpertin Claudia Major.
30.04.2026 | 5:43 minSo wichtig sind die deutschen Stützpunkte für das US-Militär
Der Sicherheitsexperte Nico Lange schreibt den US-Stützpunkten in Deutschland eine "geopolitische" Bedeutung zu. "Die USA können nicht nur, aber auch mit ihren Standorten in Deutschland ihre globale Machtprojektion verstärken", sagt Lange gegenüber ZDFheute.
So ist etwa die Ramstein Air Base das Luftdrehkreuz der USA für Europa und den Nahen Osten. "Ramstein hat eine zentrale Bedeutung für die USA - und es ist im Grunde genommen unmöglich, dass diese Funktion einfach von einer anderen Air Base übernommen wird", sagt Lange.
Adis Ahmetović (SPD), Wolfgang Ischinger (Münchner Sicherheitskonferenz) und der Nahostexperte Daniel Gerlach diskutieren bei Maybrit Illner: Könnten Ramstein-US-Einsätze völkerrechtswidrig sein?
19.03.2026 | 4:33 minAuch dem bayerischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr - nach Militärangaben der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA - und dem Militärkrankenhaus in Landstuhl weist Lange eine große Bedeutung zu. "Aus der ganzen Welt werden Soldaten nach ihren Einsätzen zur Behandlung nach Landstuhl gebracht", sagt Lange.
Weil die Armeeklinik in die Jahre gekommen ist, investieren die USA aktuell fast 1,6 Milliarden US-Dollar in ein neues Hospital im benachbarten Weilerbach. Nach Fertigstellung soll es das größte Krankenhaus der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten sein. Langes Fazit:
Wenn man da abzieht, bestraft man nicht Deutschland - sondern in erster Linie sich selbst.
Sicherheitsexperte Nico Lange
Wäre eine Truppenreduzierung dennoch möglich?
"In der Theorie könnten die USA natürlich Truppen abziehen", sagt Sicherheitsexperte Lange. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das Pentagon - das diese Empfehlung aussprechen müsste - zu dem Schluss kommt, dass die US-Soldaten in Deutschland nicht mehr den amerikanischen Interessen entsprechen."
Auch ein Umzug in andere, geografisch nahe Länder sei zumindest kurz- bis mittelfristig kaum eine Option, schätzt Lange - zu hoch seien die damit verbundenen Kosten und logistischen Herausforderungen. Besonders Polen hatte in den vergangenen Jahren intensiv um eine größere US-Militärpräsenz im eigenen Land geworben.
"In Deutschland leben die amerikanischen Soldatinnen und Soldaten mit ihren Familien, es gibt gewaltige Infrastrukturen", erklärt Lange. "Das sind Zehntausende Menschen, die hier leben und arbeiten. Die können sie nicht sofort an einen anderen Ort versetzen, weil es die Infrastrukturen dafür einfach nicht gibt."
So bedeutend sind die US-Stützpunkte für Deutschland
Neben dem praktischen militärischen Wert hebt Nico Lange vor allem die "Botschaft an unsere Gegner" hervor: "Diese Botschaft - 'die Vereinigten sind bei uns in Deutschland, legt euch nicht mit uns an' - muss uns weiterhin wichtig sein", warnt Lange.
Die USA hätten nach wie vor eine "überragende" Bedeutung für die Sicherheit und Verteidigung Europas, sagt Lange. "Insofern haben wir auch weiter ein großes Interesse daran, hier eng mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten - und sollten nichts tun, was eine Entkopplung irgendwie beschleunigt."
Insofern sind 'unforced errors', wie Friedrich Merz ihn nun gemacht hat, besonders ärgerlich.
Sicherheitsexperte Nico Lange
Neben sicherheitspolitischen Aspekten sind die US-Standorte auch ein Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region.
Sicherheit, Digitalisierung und Wirtschaft: Mirko Drotschmann analysiert die wachsende Abhängigkeit Deutschlands von den USA seit Donald Trumps erneuter Amtszeit.
15.01.2026 | 13:05 minDer Bürgermeister der Gemeinde Ramstein etwa, Ralf Hechler (CDU), beziffert die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz gegenüber der Nachrichtenagentur dpa auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Fiskaljahr - etwa durch Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.
Hinzu komme der soziale Faktor, sagt Hechler. "Allein in der Verbandsgemeinde leben fast 8.000 US-Amerikaner mit Familien." Da gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und Freunde.
Fazit: Wie ernst meint Trump seine Drohung?
Sicherheitsexperte Nico Lange verweist darauf, dass die USA schon länger über einen möglichen Truppenabzug aus Europa diskutierten. "Die Amerikaner überdenken generell, wie sie ihre Truppen überall auf der Welt aufstellen - und das ist auch ihr gutes Recht", sagt Lange.
Hinzu käme nun die Weigerung der europäischen Nato-Partner, sich am Iran-Krieg zu beteiligen. Truppenabzüge könnten für Trump eine Möglichkeit der Rache oder Bestrafung bilden, glaubt Lange.
Nur dienen die US-Truppen in Deutschland in erster Linie nicht der Verteidigung Deutschlands, sondern vor allen Dingen den amerikanischen Interessen.
Sicherheitsexperte Nico Lange
Der Sicherheitsexperte rät deshalb erst einmal zur Gelassenheit - warnt aber auch davor, die Ankündigung "einfach so abzutun". "Besser", rät Lange mit Blick auf die Bundesregierung, "ist es, solche Situationen zu vermeiden - und Trump nicht das Gefühl zu geben, zurückschlagen zu müssen."
Dass Trump so "hart austeilt", sei "ein Muster", so ZDF-Korrespondent David Sauer aus Washington, es ginge immer gegen Personen und Staaten, die Trump und den USA beim Krieg gegen Iran nicht folgen wollten.
29.04.2026 | 2:52 minMit Material von AFP, dpa und Reuters.
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