Aus für unter 13-Jährige?:Social-Media-Verbot: Das sind die Empfehlungen der Kommission
von Dorthe Ferber
Eine Expertenkommission legt Empfehlungen für Kinder in der digitalen Welt vor. Eine Konsequenz: Ministerin Prien fordert eine Altersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) spricht sich für ein Social Media-Verbot für unter 13-Jährige aus. Was halten Schüler von der Idee?
24.06.2026 | 1:02 minSoll für Social Media ein gesetzliche Altersgrenze eingeführt werden? Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission schlägt der Politik jetzt zwei Alternativen vor, die Empfehlungen liegen ZDFheute vor.
Demnach soll es entweder eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien geben oder spezifische Beschränkungen je nach Risiko des Angebots. Familienministerin Karin Prien (CDU) spricht sich für die Altersgrenze aus:
Für die eigenständige Nutzung sozialer Medien sehe ich grundsätzlich in dem Vorschlag einer gesetzlichen Altersgrenze von 13 Jahren den richtigen Weg.
Karin Prien, CDU
Kinder stoßen in sozialen Medien früh auf Pornografie – oft unbeabsichtigt. Der Film zeigt, was das mit ihnen macht und wie Familien damit umgehen können.
02.06.2026 | 43:36 minPrien kündigt nationale Regelungen an
Prien fordert außerdem eine wirksame Altersüberprüfung und abgestufte Schutzvorkehrungen für Jugendliche bis 18 Jahre. CDU, SPD und Grüne hatten schon zuvor eine gesetzliche Altersgrenze für unter 14-Jährige gefordert. TikTok zum Beispiel hat bereits eine Grenze von 13 Jahren - als selbst festgelegte Nutzungsbedingung.
Prien sagt, sie bereite parallel notwendige nationale Regelungen vor, für den Fall, dass auf europäischer Ebene keine ausreichenden und zeitnahen Fortschritte erzielt würden.
Auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt, Altersgrenzen für soziale Medien könnten ein richtiger Schritt sein. Sie fügt allerdings hinzu, dass "eine Plattformregulierung vor allem auf europäischer Ebene wünschenswert" sei.
Likes, Wut und Milliardenprofite: Jochen Breyer blickt hinter die Macht der Algorithmen und zeigt, wie Social Media Politik, Kinder und Gesellschaft beeinflusst.
26.05.2026 | 43:46 minKommission empfiehlt 56 Maßnahmen zum Online-Schutz von Kindern
Die Experten unterstreichen, dass nationale Alleingänge dabei vermieden werden sollten, denn die Plattformen bieten ihre Dienste grenzüberschreitend an. Nationale Vorgaben könnten deshalb gegenüber den Anbietern nur eingeschränkt durchgesetzt werden, die Bundesregierung solle sich daher für eine europäische Regelung einsetzen.
Der Umgang mit sozialen Medien ist nur ein Teil von 56 Handlungsempfehlungen der Kommission. Es geht um Regeln, die Kinder und Jugendliche im digitalen Raum schützen.
Und es geht um Regeln, die Kinder befähigen sollen, sich im Netz sicher zu bewegen, sagt Bildungsforscher Olaf Köller, der der Kommission vorsitzt:
Nicht das Kind muss sich an die digitale Welt anpassen, sondern die digitale Welt an das Kind.
Olaf Köller, Bildungsforscher
Vor zwei Wochen hat sich der Deutsche Ethikrat gegen ein gesetzliches Mindestalter zur Nutzung von Social Media ausgesprochen.
11.06.2026 | 1:39 minSo sollen Instagram und TikTok sicherer werden
Die Kommission appelliert an die Politik, Plattformen und Anbieter verbindlich in die Pflicht zu nehmen. Die Fachleute plädieren für verbindliche und sichere Voreinstellungen:
- keine algorithmischen Feeds
- keine personalisierte Werbung sowie
- Verbot suchtverstärkender Funktionen und manipulativer Designmuster.
Die Co-Vorsitzende der Kommission, Nadine Schoen (CDU) sagt:
Sichere Voreinstellungen, altersgerechte Angebote und wirksame Meldestrukturen schaffen konkrete Entlastung für Kinder, Eltern und Fachkräfte.
Nadine Schoen, Co-Vorsitzende Kommission
phoenix tagesgespräch mit Amy Kirchhoff (Generalsekretärin Bundeschülerkonferenz) zum Umgang für Jugendliche mit Social Media, u. a. einem möglichen Verbot, bzw. einer Altersbegrenzung
24.06.2026 | 7:22 min
Experten wollen Eltern in die Pflicht nehmen
Eltern sollen laut Kommissionsempfehlung ebenfalls stärker in die Pflicht genommen werden. Digitale Teilhabe dürfe nicht heißen, Kinder am Handy unbegleitet zu lassen.
So soll die elterliche Verantwortung in der Digitalerziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert werden, ähnlich wie bei der Einführung der gewaltfreien Erziehung im Jahr 2000.
Auch diese Empfehlung befürwortet die Familienministerin: "Angesichts der großen Bedeutung der elterlichen Rolle und ihrer Verantwortung habe ich eine große Sympathie für die Empfehlung", sagt Prien.
Sollte es ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige geben? Ja, sagt Julia von Weiler, Psychologin. Nein, sagt Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie.
12.05.2026 | 11:39 min"KI-Seepferdchen" und Handyverbot an Schulen
Weiter raten die Experten, dass bundeseinheitlich an Schulen die Handynutzung bis einschließlich der siebten Jahrgangsstufe untersagt werden soll - auch in den Pausen. In der Schule sollten Kinder und Jugendliche zugleich lernen, sich sicher online zu bewegen, etwa mit einem "KI-Seepferdchen", das schon Grundschulkinder als Zertifikat erwerben sollten.
Die rasanten Entwicklungen im Bereich der KI besorgt die Kommission besonders. So sprechen sich die Fachleute für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren bei sogenannten "AI-Companions" aus.
Bei diesen Chatbots, die darauf angelegt sind, ständig emotionale Nähe vorzutäuschen, sollte auf EU-Ebene eine Altersprüfung samt Anbieterpflichten eingeführt werden. Überhaupt sieht die Kommission die Anbieter vielfach in der Pflicht, etwa bei datenschutzgerechter Altersbestimmung.
Jan Fleischhauer meint: Social Media schadet Kindern und muss eingeschränkt werden. Influencer Levi Penell entgegnet: Ein Verbot wäre wirkungslos und gefährdet wichtige Freiräume für Jugendliche.
23.04.2026 | 27:43 minSo war die Kommission besetzt
Eine weitere Idee ist die "Kinderonlinewache", eine bundeseinheitliche Meldestelle für Kinder und Jugendliche, altersgerecht und pädagogisch begleitet. Bisher sind Internetwachen nur auf Erwachsene zugeschnitten - die dürften oft aber gar nicht erst auf manche gefährlichen Inhalte stoßen.
Die mit 18 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen besetzte Kommission wurde vergangenes Jahr auf Basis des Koalitionsvertrags eingesetzt. Kinder und Jugendliche wurden bundesweit über Workshops mit einbezogen.
Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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