Kein TikTok und Instagram mehr für U16?:Ethikrat lehnt Social-Media-Verbot für Jugendliche ab
von Dorthe Ferber
Soll für Social Media ein gesetzliches Mindestalter eingeführt werden? Der Ethikrat sagt nein und gibt Empfehlungen ab - etwa zum Altersnachweis für Pornografie im Internet.
Der Deutsche Ethikrat spricht sich gegen ein generelles Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche aus.
11.06.2026 | 0:33 minMehr als ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzt soziale Medien riskant oder krankhaft und begegnet im Netz auch Hass, Gewalt und Falschinformationen. Kann ein pauschales Social-Media-Verbot Kinder und Jugendliche schützen?
Nein, sagt der Deutsche Ethikrat in seiner aktuellen Stellungnahme, die ZDFheute vorliegt. Der Vorsitzende des Ethikrats, Helmut Frister, sagt:
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für Soziale Medien ist dafür aus Sicht des Deutschen Ethikrates nicht geeignet.
Helmut Frister, Vorsitzender Deutscher Ethikrat
Denn soziale Medien sind eben nicht nur ein Ort der Gefahr, sondern auch von Austausch und Wissen. So steht auch "Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt" über der Stellungnahme.
Kinder stoßen in sozialen Medien früh auf Pornografie – oft unbeabsichtigt. Der Film zeigt, was das mit ihnen macht und wie Familien damit umgehen können.
02.06.2026 | 43:36 minAustralien hat bereits ein Verbot
Einigkeit besteht darüber, dass Minderjährige besser geschützt werden sollten. In Australien sind Social Media-Konten für unter 16-Jährige seit Ende vergangenen Jahres verboten. In Deutschland haben CDU, SPD und Grüne eine gesetzliche Altersgrenze für unter 14-Jährige gefordert.
Nun spricht sich der Ethikrat auch aufgrund erster Erfahrungen aus Australien gegen ein pauschales Social-Media-Verbot aus. Viele Jugendliche fänden durch Freunde, ältere Geschwister oder Mechanismen wie VPN, also Virtual Private Network, weiter Zugang.
Seit Dezember gilt in Australien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Doch eine Erstuntersuchung der Regierung zeigt nun: Das Gesetz lässt sich viel zu leicht umgehen.
07.04.2026 | 1:20 minDie VPN-Nutzung stieg in Australien sprunghaft seit der Einführung der Altersbeschränkung. Auch könne ein pauschales Verbot den Druck auf Plattformen senken, ihre Angebote jugendfreundlich zu gestalten.
In Australien gilt seit Dezember 2025 eine Regelung, die Plattformen verpflichtet, Accounts von unter 16-Jährigen zu unterbinden. Bis März 2026 wurden über fünf Millionen Accounts entfernt oder eingeschränkt. Trotzdem hat laut Behörden noch etwa ein Drittel der Kinder weiterhin Zugang zu Social Media - entweder weil sie Altersprüfungen umgehen oder weil diese noch nicht zuverlässig greifen.
Risiken unter anderem durch Chatbots
Zudem greife ein Social-Media-Verbot zu kurz, sagt Judith Simon, Sprecherin für die Stellungnahme im Ethikrat:
Digitale Risiken sind allgegenwärtig, aber sie gehen von Inhalten und Funktionen aus, die es nicht nur in den Sozialen Medien gibt.
Judith Simon, Sprecherin für Stellungnahmen im Ethikrat
Generative KI werde zunehmend von Kindern und Jugendlichen genutzt mit nicht minder gewichtigen Risiken, also etwa Chatbots und Bildgeneratoren.
Hinzu kommen Messengerdienste wie WhatsApp, auf denen Elfjährige öffentliche Kanäle mit tausenden Followern betreiben können oder bei Kindern beliebte Onlinespiele, die durch Chatfunktionen auch Kontakt mit Fremden erlauben.
Sollte es ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige geben? Ja, sagt Julia von Weiler, Psychologin. Nein, sagt Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie.
12.05.2026 | 11:39 minAltersnachweise für Pornografie gefordert
Der Ethikrat plädiert für ein abgestuftes Schutzkonzept, das neben sozialen Medien auch andere digitale Angebote einbezieht. Die Plattformen müssten dafür sorgen, dass ihre Angebote Kinder und Jugendliche nicht gefährden.
"Für ein solches Schutzkonzept bietet die seit Februar 2024 geltende Regulierung der Onlineplattformen im Digital Services Act der Europäischen Union bereits eine gute Grundlage", sagt Helmut Frister. Deutschland solle sich dafür einsetzen, die Vorgaben zum Schutz Minderjähriger zu verstärken, fordert der Ethikrat.
Auch müsse der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag modernisiert werden. Wenn Altersbeschränkungen notwendig seien, etwa bei Pornografie im Netz, spricht sich der Ethikrat gegen digitales Tracking der Anbieter aus. Aus Datenschutzgründen sei es besser, Altersnachweise auf dem Handy oder Tablet zu hinterlegen.
Jan Fleischhauer meint: Social Media schadet Kindern und muss eingeschränkt werden. Influencer Levi Penell entgegnet: Ein Verbot wäre wirkungslos und gefährdet wichtige Freiräume für Jugendliche.
23.04.2026 | 27:43 minWelche Rolle spielen die Eltern?
Vor allem Eltern seien in der Pflicht, ihr Kind durch die digitale Welt zu lotsen. "Dabei haben sie ebenso wie bei anderen Erziehungsfragen einen Beurteilungsspielraum, den der Staat respektieren muss", so Frister.
Unterstützt werden sollen Eltern durch bessere technische Werkzeuge und Digitalpaten, die sie beraten können. Letztlich aber müssten Eltern entscheiden, ob der Zugang zu TikTok & Co. gut für ihr Kind sei. In der Stellungnahme heißt es:
Dem steht nicht entgegen, dass es sicherlich Eltern gibt, die es als Entlastung empfinden und begrüßen würden, wenn der Staat ihnen diese Verantwortung abnehmen würde.
Stellungnahme des Ethikrats
Die Stellungnahme des Ethikrats war im Oktober 2025 von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner angeregt worden. Am 24. Juni soll eine Expertenkommission, die von Familienministerin Karin Prien eingesetzt wurde, ein Gutachten zu dem gleichen Thema abgeben.
Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
Entwurf geht an Vermittlungsausschuss:Frankreich: Senat billigt Social-Media-Verbot für Kinder
mit Video0:16- FAQ
Debatte um Social-Media-Verbot:WhatsApp & Kinder: Prien für Regulierung, Pädagogen kritisch
von Annika Blockmit Video0:31 Debatte um Online-Jugendschutz :Merz signalisiert Offenheit für Social-Media-Verbot
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