Frontal-Satiriker im Gespräch:"Man darf nicht über jedes Stöckchen springen"
Politische Satire will mehr als nur Lacher. Was den frontal-Satirikern Andreas Wiemers und Werner Doyé in Zeiten von Populismus wichtig ist. Und wo Grenzen des Humors sind.
Debatten werden härter, Populisten lauter und soziale Medien schneller. Und welche Rolle spielt die politische Satire in diesem Klima? frontal inside fragt nach.
18.09.2026 | 15:39 minDana Sümening: Was macht politische Satire eigentlich aus?
Andreas Wiemers: Der gemeine Witz ist profan. Die politische Satire hat Relevanz, es geht um was. Das heißt, wenn wir Satire machen, besprechen wir Sachen, die Leute betreffen, die Auswirkungen haben und die irgendwie wichtig sind.
Werner Doyé: Satire hat eine bestimmte Haltung zu einem Thema und versucht die möglichst unterhaltsam rüberzubringen.
Die Toll!-Satire vom 2.6.2026: Die frontal-Satiriker checken, warum Donald Trump als Friedensbringer so erfolgreich ist. Mehrere Details des Films könnten überraschen.
02.06.2026 | 2:26 minDana Sümening: Wie findet ihr die Themen, wenn ihr sagt, Satire muss immer eine Haltung haben?
Andreas Wiemers: Die Themenfindung ist ja eine ganz normale journalistische Aufgabe. Satire ist ja ein politischer Kommentar und das ist letztendlich eine relativ sachliche Abwägung.
Uns ist ein kleines Risiko entwachsen durch solche Menschen wie Donald Trump zum Beispiel, weil lustige Sprüche oder auch doofe Sprüche haut der jeden Tag raus.
Andreas Wiemers, Satiriker der ZDF-Sendung frontal
Da sehe ich für uns die Herausforderung, dass wir da nicht jedes Mal über das Stöckchen springen. Man könnte tatsächlich ohne Probleme jeden Tag, jede Woche einen Film über Donald Trump machen, das würde der Sache dann aber auch wieder nicht gerecht werden.
Werner Doyé: Das eine ist, man darf nicht über jedes Stöckchen springen. Das gilt für alle Populisten. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Punkte, wo man sagt, das ist jetzt aber so relevant, das hat jetzt nichts mehr mit Stöckchen zu tun.
Wir haben so ein relativ simples Motto: Wer hat denn den größten Unfug angestellt in dieser Woche oder was ist das wichtigste Thema, über das man dringend mal reden müsste.
Werner Doyé, Satiriker der ZDF-Sendung frontal
Die Toll!-Satire vom 15.9.2026: Auweia, werden wir Deutschen immer doofer? Die Ergebnisse der neuen Bildungsstudie sind grottenschlecht. Hat Bildungsministerin Karin Prien den richtigen Plan?
15.09.2026 | 2:37 minDana Sümening: Wie grenzt ihr euch ab, damit man nicht sagt, ach, das ist ja nur einfach Populismus?
Andreas Wiemers: Ich finde, wir stehen ja in keiner Konkurrenz zu den Populisten. Die Grundregeln sind einfach ganz anders. Bei Populismus spielen Fakten einfach keine Rolle. Da geht es um Gefühle, da geht es darum, Leute zu gewinnen und die Fakten spielen keine Rolle.
Bei uns sind die Fakten das Entscheidende.
Andreas Wiemers, Satiriker der ZDF-Sendung frontal
Und die Darreichungsform, die wir da machen, die ist dann vielleicht so unterhaltsam, dass sie viele Leute erreicht. Das ist dann aber populär und kein Populismus.
... sind seit der ersten Sendung von Frontal (damals noch Frontal21) im April 2001 die Autoren von Toll!, der Satire am Ende der Sendung. Anders formuliert: Sie und die Satire haben in diesem Jahr Silberhochzeit.
Seit 2004 präsentieren Andreas Wiemers (l. im Bild) und Werner Doyé jedes Jahr im Dezember den satirischen Jahresrückblick. Auch für diverse andere Formate des ZDF haben sie in der Vergangenheit immer wieder Satirefilme produziert.
Werner Doyé: Wir arbeiten ja viel mit Zitaten und wir haben früher viel häufiger Zitate auch einfach so aus dem Zusammenhang genommen, einfach weil es lustig war, dieses Zitat da jetzt hinzupacken. Wir sagen mittlerweile eigentlich immer dazu, das war jetzt aus einem anderen Zusammenhang, aber es passt ja trotzdem dazu.
Und warum machen wir das? Weil irgendwie mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten mittlerweile Politik gemacht wird. Das, was Andreas sagte: Fakten spielen dabei überhaupt keine Rolle mehr. Und das ist schon eine Reaktion - wir haben uns sehr viel stärker darauf verlegt, um das unterscheidbar zu halten. Das hat schon einen Einfluss gehabt auf unsere Arbeit, aber wir stehen nicht in wirklicher Konkurrenz zu denen.
Die Toll!-Satire vom 8.9.2026: Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt steppt der Bär auf der Brandmauer und Flachzangen kommen zu hohen Ehren. Man könnte glatt vergessen, dass die AfD Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft wurde.
08.09.2026 | 2:35 minDana Sümening: Ist es das Ziel, die Leute zum Lachen zu bringen, oder soll das Lachen auch im Hals stecken bleiben?
Werner Doyé: Das klingt immer staatstragend, als wäre es unsere Aufgabe, das zu tun. Es kommt halt vor. Satire bedeutet nicht automatisch immer, dass sich alle auf die Schenkel klopfen.
Andreas Wiemers: In dem Kontext kann man auch sagen, dass wir mit unserer Rubrik Toll! am Ende der frontal-Magazin-Sendung eine psychologische Rolle haben. Wir sagen zwar nicht, das ist alles egal, aber wir lachen trotzdem drüber.
Für mich ist das persönlich ehrlich gesagt auch ein wichtiger Teil der Motivation, warum ich das mache. Wenn die Welt schwer ist und es viele Sorgen und viele Probleme gibt, dass ich trotzdem vielleicht irgendwie dazu beitragen kann, dass die Leute konstruktiv sagen: Es gibt aber Licht am Horizont.
Dana Sümening: Wo hat Satire denn ihre Grenzen? Habt ihr mal gesagt, das machen wir nicht?
Werner Doyé: Man kann letzten Endes jedes Tabu brechen, aber die Pointe muss es wert sein oder das Thema muss es wert sein. Das heißt, je schlimmer etwas ist oder je mehr etwas mit Elend und Not und Leid behaftet ist, desto mehr sollte man darüber nachdenken, ist es das wert.
Andreas Wiemers: Am 7. Oktober vor drei Jahren haben wir zum Beispiel auch einen Satirefilm gemacht, als die Hamas Israel überfallen hat, und haben am Schluss einfach auch auf die Schlusspointe verzichtet. Das war einfach nicht zum Lachen.
Das Interview führte Dana Sümening aus der ZDF-Redaktion frontal.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Satire und Kunstfreiheit
Rapper irritiert mit Video:Jens Spahn kündigt Strafanzeige gegen Ski Aggu an
Show des US-Comedian abgesetzt:"Hello, Goodbye": Colbert moderiert letzte "Late Show"
mit Video1:32Nach Gag über Schlagerstar-Anhänger:Welke macht Carpendale-Fans ein Friedensangebot
mit Video34:23Kammergericht weist Revision zurück:Nach Spruch zu Trump-Attentat: El Hotzo bleibt straffrei
mit Video0:29