Litauen-Brigade für Nato-Schutz:Wie die Bundeswehr von Oberpfalz bis Ostflanke agieren soll
von Peter Aumeier
Deutschland will Tausende Soldaten nach Litauen verlegen, um die Nato-Ostflanke zu stärken. Der Aufbau der Bundeswehr-Brigade geht noch eher stockend voran.
Die Panzergrenadiere des Bataillons 122 bereiten sich mit einer Gefechtsübung in Bayern auf einen Einsatz an der Nato-Ostflanke in Litauen vor.
24.07.2026 | 2:20 minEs ist noch früh am Morgen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz. Nach Sicherheitschecks führt eine kilometerlange staubige Schotterpiste zu einer sogenannten Schießbahn. Die Dimension des Truppenübungsplatzes ist gewaltig. Heute üben dort die Panzergrenadiere des Bataillons 122. Geschossen wird scharf.
Bundeswehr-Dienst in Litauen mit Folgen für die Familie
Der Countdown für die Abreise nach Litauen läuft. Im kommenden Jahr werden viele nicht mehr in Bayern, sondern in der Nähe der litauischen Hauptstadt Vilnius leben. Die Stimmung ist gemischt: Einige haben sich entschieden, nach Litauen zu gehen, andere wollen nicht, meist aus privaten Gründen.
"Das ist ein deutliches Spannungsfeld, vor allem mit meiner Frau", sagt Kompanietruppführer Malte: "Und wie es mit der weiterführenden Schule unserer Großen weitergehen soll, wann ich dann wirklich zu welchem Termin zu Hause bin?" All das ist noch unklar. Er und seine Frau haben entschieden, dass er ohne seine Familie nach Litauen gehen wird.
Ein Auslandseinsatz bedeutet Trennung von Familie, Verantwortung im Ernstfall und mehr. Wie gehen Soldatinnen und Soldaten damit um?
18.11.2025 | 28:30 minZugfunker Haida plagen dagegen keine Sorgen: "Ehrlich gesagt, ich mache mir keine Gedanken. Ich habe mir damals im Afghanistan-Einsatz keine Gedanken gemacht. Wenn der Kampf da sein wird, kämpfe ich, um zu überleben, nicht um zu sterben." Nach den vollen Namen darf nicht gefragt werden, aus Sicherheitsgründen.
Litauen-Brigade soll Nato-Ostflanke verstärken
Mit der Aufstellung der Brigade reagiert Deutschland auf die wachsende Bedrohung durch Russland. Kommendes Jahr soll der Verband voll einsatzfähig sein und später eine Gesamtstärke von 4.800 Soldatinnen und Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitenden haben. Ein Großteil der Brigade wird dann im kleinen Ort Rudninkai, nahe der Hauptstadt Vilnius leben.
Quelle: ZDF
Ein besonders sensibler Bereich der Nato: Denn Litauen liegt eingekeilt zwischen dem russischen Kaliningrad und Russlands Verbündetem Belarus. Und in direkter Nähe zur sogenannten Suwalki-Lücke. An der schmalsten Stelle ist der Grenzstreifen nur 65 Kilometer breit - und die einzige Landverbindung der baltischen Staaten zum Nato-Gebiet.
Neue Satellitenbilder sollen zeigen, wie Russland seine Militärpräsenz nahe Finnland ausbaut. Wie sich Europa und die Nato auf mögliche russische Angriffe vorbereiten.
16.07.2026 | 35:58 min"Da ist natürlich diese Suwalki-Lücke besonders gefährlich", sagt Gustav Gressel, Militärexperte aus Österreich: "In Kaliningrad sitzt, wenn es nicht in der Ukraine ist, das 11. Armeekorps, das bald eine Armee werden soll. In Belarus hat es seit 2020 eine noch engere Integration mit den russischen Streitkräften gegeben."
Militärexperte: Strategie Russlands gegenüber Nato hat sich verändert
Zugrunde liege, so Gressel, dass sich die Strategie Russlands verändert habe:
Die russische Planung geht davon aus, dass man durch einen begrenzten Konflikt die Nato vorführen will.
Gustav Gressel, Militärexperte
"Also wo angreifen, wo zuschlagen, überraschen, eine Verhandlungsgeisel herausschinden geopolitisch und dann in die Verteidigung überzugehen und sagen, 'okay und was ist das Angebot, wo ist das Angebot an mich, damit ihr dieses Territorium wieder zurückbekommt'", erläutert Gressel.
Bundesverteidigungsminister Pistorius hat das Manöver Freedom Shield in Litauen besucht. Am Manöver waren 2.900 Soldaten aus acht Nato-Staaten beteiligt.
22.06.2026 | 2:04 minOffiziell wurde die Panzerbrigade 45 am 22. Mai 2025 in Vilnius in Dienst gestellt. Zu ihr gehören unter anderem das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen und das Panzergrenadierbataillon 122, das aus Oberviechtach in der Oberpfalz im Norden Bayerns stammt.
Mangel an Freiwilligen für "Aufwuchs" der Brigade
Doch beim weiteren "Aufwuchs", wie man bei der Bundeswehr sagt, gibt es offenbar Probleme: Bislang haben sich nicht genügend Freiwillige gefunden. Als letztes Mittel wird bereits diskutiert, ob das Prinzip Freiwilligkeit für den Litauen-Einsatz doch noch fallen wird. André Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, meint:
Ein Befehlen in die Einsätze muss die absolute Ausnahme bleiben.
André Wüstner, Deutscher Bundeswehrverband
Er gilt als jemand, der sein Ohr nahe an der Truppe hat. "Meine Sorge ist, dass wir mehr oder weniger die Zeitsoldaten abschrecken, die wir künftig brauchen für den Aufwuchs. Stichwort Weiterverpflichtung, um in der Armee zu bleiben. Und deswegen, Freiwilligkeit muss die oberste Maxime bleiben." Dennoch gehe er davon aus, dass die Litauen-Brigade einsatzbereit sein wird: "Zu wie viel Prozent, das wird sich zeigen."
Peter Aumeier ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Bayern.
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