KI unter internationale Aufsicht? Was eine Behörde leisten könnte

Kontrolle mächtiger KI-Modelle:Braucht KI eine internationale Aufsichtsbehörde?

von Sven-Hendrik Hahn

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Digitalminister Wildberger bringt eine internationale KI-Aufsicht wie die Atombehörde IAEA ins Spiel. Wie Experten die Forderung einordnen und welche Maßnahmen sie vorschlagen.

Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Karsten Wildberger (CDU) spricht bei einer Pressekonferenz.

Bundesdigitalminister Wildberger schlägt eine globale Aufsicht für leistungsfähige KI vor - die Risiken seien real. Autonome KI-Modelle führten erst kürzlich bei Tests Hackerangriffe aus.

04.09.2026 | 0:21 min

Die Forderungen werden lauter: Internationale Regeln für Künstliche Intelligenz hat UN-Generalsekretär António Guterres bereits ins Spiel gebracht. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) wird konkret: Im Interview mit dem Portal "Politico" bringt er eine internationale Aufsichtsbehörde für besonders leistungsfähige KI-Modelle ins Spiel - orientiert an der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA.

Forderung nach KI-Aufsicht: Was sollte die Behörde kontrollieren?

Anders als bei der Atomenergie gibt es bei KI kein Uran und keine Anlagen, die sich inspizieren lassen. Ansprechpartner für Atomprogramme sind staatliche Behörden. KI dagegen ist Software, entsteht in Rechenzentren und wird von privaten Unternehmen entwickelt. Wildberger spricht von gemeinsamen Sicherheitsstandards, Testvorgaben und einer Meldepflicht bei schweren Vorfällen. Dabei denkt er ausdrücklich an eine Zusammenarbeit mit den größten Playern in Sachen KI, mit China und den USA.

Karsten Wildberger  CDU | Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung

Deutschland will bei Künstlicher Intelligenz unabhängiger werden. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sieht viel Bewegung, betont aber: "Wir haben 15 Jahre Wegstrecke aufzuholen".

21.07.2026 | 5:14 min

Viele Hindernisse bei der Umsetzung

Philipp Hacker befasst sich als Rechtswissenschaftler und Professor für Recht und Ethik der digitalen Gesellschaft an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder intensiv mit dem Spannungsfeld von KI und Recht. Welche Befugnisse die KI-Aufsicht haben solle, hinterfragt er: "Eine solche Institution hätte in aller Regel keine eigenen, unmittelbar durchsetzbaren Befugnisse gegenüber Unternehmen." Sie wäre auf die Kooperation von Staaten und Firmen angewiesen.

Auch Staaten haben Bedenken bei KI

Sinnvoll erscheint Hacker eine internationale Plattform, die vor allem die USA, China und die EU koordiniert. Das sei keinesfalls unmöglich:

Keine der Mächte hat ein Interesse daran, dass besonders leistungsfähige KI-Systeme unkontrollierbare systemische Risiken erzeugen.

Philipp Hacker, Europa-Universität Viadrina

Auf dieser Interessenlage könne man aufbauen. Aber die verbindliche Regulierung sei zunächst Sache der Staaten beziehungsweise der EU.

Merz und Wildberg bei einer Veranstaltung zur Staatsmodernisierung

Eine Staatsmodernisierung soll laut Bundesregierung für Bürokratieabbau und Digitalisierung sorgen. Digitalminister Wildberg stellt einige Projekte vor, die Bürger und Unternehmen entlasten sollen.

08.06.2026 | 3:44 min

Christian Djeffal, Professor für Recht, Innovation und Legal Design an der Technischen Universität München (TUM), hält die Idee zwar für richtig, doch sei die Atomenergie-Behörde nur bedingt übertragbar. KI-Risiken entstünden anders: "Es geht nicht um einen gefährlichen Mechanismus, sondern um Sekundäreffekte, etwa in der IT-Sicherheit." Internationale Kooperation sei aber möglich. Entscheidend sei, Institutionen so zu gestalten, dass die wichtigsten Akteure USA und China einen Nutzen darin sehen: "Sonst entstehen nur Papiertiger", sagt

Risikomanagement läuft bereits

Als Beispiel nennt Djeffal den Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union. So sollen die größten Online-Dienste Risiken im System frühzeitig erkennen, Maßnahmen einleiten und Transparenz gegenüber Behörden herstellen. Seit Ende August gilt ChatGPT in der EU als "Very Large Online Search Engine" und fällt damit unter zusätzliche DSA-Pflichten. So einen Ansatz brauche es international, um die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen.

++ THEMENBILD ++ KI-CHATBOTS / KI - KÜNSTLICHE INTELLIGENZ / KI-

Fortan gilt in der EU eine Kennzeichnungs-Pflicht für viele Inhalte, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Sie gilt vor allem für KI-Firmen und kommerzielle Anbieter.

02.08.2026 | 1:46 min

Einig sind sich beide Experten, dass nationale KI-Sicherheitsinstitute zusammenarbeiten könnten. Sie könnten Erkenntnisse über Vorfälle, Testmethoden und Gegenmaßnahmen austauschen. Entscheidend sei nicht nur die Meldung, sondern was danach mit dem Wissen geschehe. Eine internationale Aufsicht müsse "Kommunikation organisieren und Wissen verwalten", so Djeffal, der auch Direktor des Center for Responsible AI Technologies, eines gemeinsamen Forschungszentrums mehrerer Hochschulen, ist.

Hindernis für eine internationale Behörde

Es gibt keinen einheitlichen KI-Rechtsrahmen. Hacker sieht den auch auf absehbare Zeit nicht. Djeffal verweist auf gemeinsame Grundlagen wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Deutschland baut derweil seine Prüfkompetenz aus: Ende August startete das AISI Deutschland als nationales Sicherheits- und Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz. Das Institut soll Fähigkeiten und Risiken fortgeschrittener KI-Modelle untersuchen und die Bundesregierung beraten.

Wie sieht die deutsche Politik die aktuelle KI-Regulierung?

Ob eine globale Aufsicht politisch durchsetzbar ist, ist offen. ZDFheute hat die im Bundestag vertretenen Fraktionen befragt, was sie von dem derzeitigen Regulierungsrahmen für KI halten. Aus der Union kommen Forderungen nach weltweiten Standards, die SPD setzt dagegen auf die bestehenden EU-Regeln zur KI und deren Umsetzung. Die AfD will die europäischen Regelungen abschaffen und nationale Gesetze erlassen. Die Grünen unterstützen eine internationale Organisation ausdrücklich. Aus der Linksfraktion kommt vor allem Kritik an der aus ihrer Sicht stattfindenden Abschwächung der europäischen KI-Verordnung.

Open AI

"In diesem Fall war das Modell scheinbar so gut, dass es die Sicherheitszone, die OpenAI gesetzt hat, verlassen hat", sagt Dennis-Kenji Kipker, Experte für IT-Sicherheit.

23.07.2026 | 7:09 min

Vorbild IAEA? Welche Maßnahmen realistisch sind

Eine "IAEA für KI" - eine internationale Aufsicht nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) - dürfte deshalb vorerst eher politisches Ziel als Blaupause sein.

Realistischer könnte ein Netzwerk bestehender Behörden sein, das Standards entwickelt, Modelle testet, Vorfälle meldet und Wissen teilt. Die Durchsetzung bliebe bei Staaten und den Unternehmen, die die leistungsfähigsten KI-Systeme entwickeln.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Wildberger schlägt internationale KI-Aufsichtsbehörde vor" am 04.09.2026 um 14:45 Uhr.