Internationaler Strafgerichtshof: Chefankläger Khan entlassen

Vorwürfe sexuellen Missbrauchs:Internationaler Strafgerichtshof: Chefankläger Khan entlassen

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Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, muss seinen Posten räumen. Hintergrund sind die Missbrauchsvorwürfe einer Ex-Mitarbeiterin gegen Khan.

Karim Ahmad Khan, Archivbild

Karim Kahn, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, wurde mit einer deutlichen Mehrheit seines Amtes enthoben. Ihm werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

25.07.2026 | 0:22 min

In der Affäre um Missbrauchsvorwürfe ist der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, entlassen worden. Die Vertragsstaaten des Weltstrafgerichts stimmten in New York mehrheitlich für seine Amtsenthebung, hieß es in einer Pressemitteilung der Versammlung. Die Vertragsstaaten kamen demnach zu dem Schluss, dass Khan "schweres Fehlverhalten und eine schwerwiegende Verletzung seiner Amtspflichten" begangen habe.

 Staatsanwalt Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, sitzt im Gerichtssaal des Weltstrafgerichts.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, war im Juni wegen des Verdachts sexueller Übergriffe suspendiert worden.

09.06.2026 | 0:37 min

Khan waren von einer früheren Mitarbeiterin sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden. Der britische Jurist weist alle Anschuldigungen entschieden zurück. Bekannt geworden waren die Vorwürfe im Jahr 2024. Der heute 56-jährige Khan hatte sein Amt wegen der Vorwürfe bereits vor gut einem Jahr niedergelegt. Im Juni dieses Jahres war Khan dann wegen des Verdachts suspendiert worden.

Mitarbeiterin: Von Khan zum Geschlechtsverkehr gezwungen

Laut "Wall Street Journal" hatte eine Assistentin UN-Beamten mitgeteilt, dass Khan sie über mehrere Monate hinweg sexuell belästigt und schließlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. "Bei einem derart großen Machtgefälle kann es unmöglich einvernehmlich sein", sagte die Frau, die nur unter ihrem Vornamen Sarah bekannt sein möchte, dem Sender CNN.

Was viele Menschen meiner Meinung nach nicht verstehen, ist, dass Herr Khan nicht nur mein Chef war, sondern der Chef von allen.

Sarah, Mitarbeiterin des IStGH

Eine Kommission der Vereinten Nationen (UN) hatte die Vorwürfe gegen Khan untersucht und Ende 2025 dem Gericht ihren Bericht übergeben. Laut Medienberichten sah die Kommission es als erwiesen an, dass Khan "nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt" mit einer Mitarbeiterin hatte.

Der Internationale Gerichtshof (IGH) während einer Anhörung im Rahmen des Antrags Südafrikas auf einen Waffenstillstand im Gazastreifen am 24. Mai 2024 in Den Haag, inmitten des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas-Bewegung.

Mit der Suche nach Gerechtigkeit legten die Nürnberger Prozesse den Grundstein für den heutigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und damit für das internationale Völkerstrafrecht.

20.11.2025 | 2:56 min

Khans Anwälte widersprechen Vorwürfen

Ein Gutachten von drei Richtern stellte allerdings Mängel bei der UN-Untersuchung fest. Sie habe etwa die Glaubwürdigkeit der Zeugen nicht ausreichend untersucht. Nach Angaben von Khans Anwälten kam das Gremium zu dem Ergebnis, dass "kein Fehlverhalten oder eine Pflichtverletzung" nachgewiesen worden sei. Doch die Vertreter von 21 Staaten im Präsidium der Vertragsstaatenkonferenz entschieden anders. Die Suspendierung folgte.

In einem in dieser Woche im Onlinedienst X veröffentlichten offenen Brief hatten Khans Anwälte die Mitgliedstaaten des IStGH aufgefordert, ihn nicht abzusetzen, da kein Fehlverhalten nachgewiesen worden sei. Sie hatten zudem gewarnt, die Abstimmung könne die Unabhängigkeit künftiger Ankläger gefährden.

Khan erwirkte Haftbefehle gegen Netanjahu und Putin

Khan war seit Juni 2021 Chefankläger am IStGH. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. So erwirkte er Haftbefehle des IStGH gegen den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, den damaligen israelischen Verteidigungsminister Joav Gallant und mehrere Anführer der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg.

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Israel und die USA kritisierten das Vorgehen scharf, die Regierung von Präsident Donald Trump verhängte deshalb Sanktionen gegen Khan und andere IStGH-Vertreter. Weder die USA noch Israel sind Vertragsstaaten des Strafgerichtshofs, sie stimmten deshalb auch nicht über seinen Amtsverbleib mit ab.

Khan erwirkte auch einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen des Vorwurfs der unrechtmäßigen Verschleppung ukrainischer Kinder.

Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt seit 2002 besonders schwerwiegende Straftaten wie Kriegsverbrechen.

Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung heute journal update am 25.07.2026 ab 0:21 Uhr.

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