Spionage-Rekrutierung aus dem Ausland:Warum Bremen gegen "Wegwerfagenten" vorgeht
von Paul Manger
Immer öfter werben ausländische Geheimdienste Privatpersonen für Spionage an - als sogenannte "Wegwerfagenten". Mit einer Plakataktion will Bremen auf die Gefahr aufmerksam machen.
"Du riskierst alles. Sie riskieren nichts." So warnt der Bremer Verfassungsschutz vor sogenannten "Wegwerfagenten". Ausländische Geheimdienste würden gezielt Privatpersonen für Spionage anwerben.
21.08.2026 | 1:40 min"Du riskierst alles. Sie riskieren nichts", steht in roter Schrift auf dunkelgrauem Grund. Daneben ein Messenger-Chat, in dem 500 Euro für ein Bild vom Hauptbahnhof angeboten werden. Zwei Wochen lang warnt der Bremer Verfassungsschutz potenzielle sogenannte Wegwerfagenten.
Das seien Privatpersonen, die von einem ausländischen Nachrichtendienst angeworben und eingesetzt werden, um verdeckte einzelne Aufträge auszuführen, erklärt Sicherheitsexpertin Berenike Prem:
Das können beispielsweise Auskundschaften oder Fotografieren kritischer Infrastruktur sein, Sabotageakte, Brandstiftung, Sachbeschädigung oder Ähnliches.
Dr. Berenike Prem, Universität Bremen
Das Oberlandesgericht Stuttgart hat einen Ukrainer zu einer Haftstrafe verurteilt. Er soll im Auftrag Russlands Brandanschläge geplant haben. Zwei weitere Ukrainer wurden freigesprochen.
18.08.2026 | 1:34 minGezieltes Anwerben für die "Drecksarbeit"
Diese würden auch gezielt in Deutschland angeworben werden, gegen kleines Geld sollen sie dann die "Drecksarbeit" machen, so Bremens Innensenatorin Eva Högl gegenüber ZDFheute. Angeworbene machen sich damit strafbar, "aber die Dahinterstehenden, die Geheimdienste oder die Staaten, die das beauftragen, die lassen sich nur schwer damit in Verbindung bringen." Das sei ein großes Problem, so Högl.
Wir wollen nicht, dass Deutsche oder andere, die hier in unserem Land leben, auf die Idee kommen, sich als Wegwerfagenten zu verdingen.
Eva Högl (SPD), Innensenatorin Bremen
Immer mehr Fälle von Spionage in Deutschland
Die Fälle von Spionage haben laut BKA-Statistik im vergangenen Jahr stark zugenommen. Waren es 2024 noch 72 Fälle, stieg die Zahl 2025 auf 474 Fälle an - ein Anstieg von 558,3 Prozent. Wie viele der Spionagefälle auf Wegwerfagenten zurückzuführen sind, ist nicht bekannt.
Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen wird die Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen vorangetrieben. Ermittler prüfen die Hintergründe und mögliche Hinweise auf Sabotage.
06.08.2026 | 1:51 minDie Gefahr durch die Wegwerfagenten sei aber groß, erklärt Thorge Koehler vom Bremer Verfassungsschutz, "weil die potenziellen Angriffsziele so vielfältig sind und das Personenpotenzial, das angesprochen werden kann". Verschiedene Geheimdienste steckten dahinter, eine Tendenz sei aber erkennbar, so Köhler gegenüber ZDFheute.
Es gibt verschiedene ausländische Dienste, die das machen. Was für uns momentan im Fokus steht, ist ganz klar Russland.
Thorge Koehler, Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz Bremen
So auch bei dem jüngsten Gerichtsurteil in Stuttgart. Drei Ukrainer sollen für einen russischen Nachrichtendienst Sabotageakte vorbereitet haben, so die Anklage. Die Beweislage zu den Taten führte zu einer Verurteilung und zwei Freisprüchen.
Ermittlung von Drahtziehern wird immer schwieriger
Gerade bei Wegwerfagenten sei genau das ein großes Problem. Durch Wegwerfagenten sei immer schwieriger herauszufinden, wer dahintersteckt, schildert Bremens Innensenatorin. Die Lage sei ernst, beteuert sie gegenüber ZDFheute.
Wir sind bedroht und wir haben eine ganze Reihe von Angriffen, es gibt eine sogenannte hybride Bedrohung. Das heißt, wir sind noch nicht im Krieg, wir sind aber auch nicht mehr im vollständigen Frieden.
Eva Högl (SPD), Innensenatorin Bremen
Deutschland ist wiederkehrend Ziel konzentrierter Angriffe wie Sabotage, Propaganda oder Anschläge. In Berlin hat ein gemeinsames Zentrum eröffnet, das vor hybriden Bedrohungen schützen soll.
16.06.2026 | 1:47 minDiese hybride Bedrohung biete einige Tücken, weil sie nicht mit klaren militärischen Mitteln geführt werde, erläutert Sicherheitsexpertin Prem. Wichtig sei zu bedenken, mit Warnungen der Gegenseite nicht in die Karten zu spielen, gerade deshalb gelte:
Es ist immer wichtig, einen Balanceakt zu schaffen. Sensibilisierung ist auf jeden Fall wichtig und legitim. Ein Versuch dieser hybriden Aktivitäten selber ist häufig auch, Verunsicherung zu schaffen.
Dr. Berenike Prem, Universität Bremen
Eine Kampagne wie die Plakate in Bremen helfe aber, ordnet Prem ein. Wichtig sei es, Sichtbarkeit zu schaffen. Messen lässt sich der Erfolg der Plakatkampagne aktuell nicht.
Falschinformation, Cyberattacken, Sabotage und Spionage: Die Bundesregierung wirft Russland hybride Angriffe gegen Deutschland vor. Der russische Botschafter wurde einbestellt.
12.12.2025 | 2:24 minBremen dränge den Bund, gerne weitere Maßnahmen zu ergreifen, versichert Högl: "Ich bin dafür, dass wir das Thema Wegwerfagenten auch auf der nächsten Innenministerkonferenz erörtern."
Paul Manger berichtet aus dem ZDF-Landesstudio Bremen.
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