Wadephul in Tunesien: "Warum wollt ihr nach Deutschland?"

Wadephul in Tunesien:Sie sind jung, klug und wollen nach Deutschland - trotz allem

Andreas Kynast

von Andreas Kynast, Tunis

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Auf seiner Tunesienreise trifft Außenminister Wadephul auf wissbegierige, wählerische Jugendliche. Sie kennen Deutschlands Stärken und die Schwächen - und wollen hier studieren.

Tunesien, Tunis: Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister, überreicht im Digitalzentrums The Dot in Tunis Yasmine Yaakoubi ein DAAD-Regierungsstipendium.

Außenminister Wadephul ist nach Tunesien und Algerien gereist. Vor allem die Partnerschaft mit Algerien, das große Gasvorkommen besitzt, wird immer wichtiger.

31.08.2026 | 1:35 min

Dass die drei Stipendiaten, die man für das Treffen mit dem deutschen Außenminister ausgesucht hat, zu den klügsten Menschen Tunesiens gehören, ist nicht übertrieben. Yasmine Yaakoubi zum Beispiel hat das beste Abitur des Landes geschrieben. Jetzt sitzt sie auf einer Bühne in Tunis neben Johann Wadephul (CDU) und soll die Frage beantworten, die der Gast aus Berlin an diesem Montag immer wieder stellt:

Warum wollen Sie nach Deutschland?

Johann Wadephul, Außenminister

Die Frage liegt auf der Hand. Wadephuls Gesprächspartner sind jung und hervorragend ausgebildet. Die Welt steht ihnen offen. Warum wollen sie ausgerechnet in ein Land, das in den globalen Schlüsselrankings für Wettbewerbsfähigkeit, Standortattraktivität und Innovation teils deutlich zurückfällt?

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In Deutschland lockt der Maschinenbau

Für Yasmine Yaakoubi ist die Antwort klar: Deutschland sei immer noch die weltweit führende Adresse im Maschinenbau. "Deshalb will ich dorthin." Die 18-Jährige plant, zunächst in Heidelberg Deutsch zu lernen und danach in München Maschinenbau zu studieren.

Sie freue sich auf das Leben in einer anderen Umgebung, wolle aber auf jeden Fall nach Tunesien zurückkehren, sagt Yaakoubi. Am besten mit einer vielversprechenden Projektidee.

Ich werde Tunesien eines Tages alles zurückzahlen.

Yasmine Yaakoubi, Stipendiatin

Rund 7.500 junge Tunesierinnen und Tunesier studieren an deutschen Hochschulen. Wenn es nach Wadephul geht, dürfen es gern mehr werden.

Fachkräfte aus dem Ausland

Um spezialisierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, wurde in Osnabrück eine Zentralstelle für das beschleunigte Fachkräfteverfahren eingeführt.

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Schwierige Menschenrechtslage in Tunesien

Während Deutschland hochqualifizierten Studenten und Fachkräften den roten Teppich ausrollt, sollen illegale Migranten unbedingt draußen bleiben. Vor drei Jahren hat Tunesien mit der EU ein Migrationsabkommen geschlossen. Seitdem werfen Hilfsorganisationen den tunesischen Streitkräften regelmäßig schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen vor.

Als eine deutsche Journalistin nach den Vorwürfen fragt, sagt der tunesische Außenminister Ali Nafti:

Tunesien achtet die Menschenrechte aller legalen und illegalen Migranten.

Ali Nafti, Außenminister von Tunesien

Schwierigkeiten gebe es, aber für sie seien vor allem kriminelle Schleuserbanden verantwortlich, gegen die sein Land vorgehe, sagt Nafti.

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Schwierigkeiten bei der Visavergabe

Dann wenden sich die Minister wieder dem für sie wichtigeren Thema zu: Deutschland braucht Fachkräfte, Tunesien braucht Wissen. Eine tunesische Journalistin beklagt Schwierigkeiten bei der Visumsvergabe. Wadephul sagt zu, das Problem zu lösen. Eine Agentur, die das Ausstellen von Visa und die Arbeitsvermittlung verbinden soll, werde gerade eingerichtet.

"Danke, dass Sie sich für Deutschland entschieden haben", sagt Wadephul am Ende zu den jungen, hoffnungsvollen Tunesiern, die sich für ein Studium in der Bundesrepublik entschieden haben. Trotz allem.

Denn die ersten Erfahrungen mit dem Land in der Mitte Europas sind keineswegs nur positiv. Riadh Basli arbeitet in der IT-Branche und beschwert sich über die deutsche Bürokratie: "Die Datenschutzregeln sind eines der größten Probleme, die wir haben. Ich hoffe, es wird besser."

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Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 31.08.2026 ab 19:00 Uhr sowie das heute journal am 31.08.2026 ab 21:45 Uhr.

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