Nach Trumps Militärschlag:Wie Venezolaner in Sachsen in die Zukunft schauen
von Anja Charlet
Wie beurteilen Venezolaner die US-Militäraktion gegen ihr Land und die Festnahme von Machthaber Maduro? ZDFheute hat bei der venezolanischen Community in Sachsen nachgefragt.
In Sachsen leben etwa 9.000 Venezolaner. Sie bilden die größte venezolanische Community in Deutschland. Die Entwicklungen rund um Präsident Maduro machen ihnen Hoffnung und auch Sorgen.
07.01.2026 | 2:13 minEs war am Morgen des 3. Januar, als mancher zunächst nicht glauben wollte, was da als Eilmeldung durch die Medien ging: US-Kampflugzeuge über Venezuelas Hauptstadt. Eine Elitetruppe der US-Armee hatte Präsident Maduro und dessen Ehefrau gefangen genommen und per Flugzeug in die USA überstellt. Ein Gericht in New York eröffnete kurz darauf den Prozess gegen den Autokraten - offiziell wegen "Drogen-Terrorismus".
Trotz Kritik der Vereinten Nationen, die den Militäreinsatz von US-Präsident Trump als "Untergrabung des Völkerrechts" einstufen, ist der Sturz Maduros für viele Exil-Venezolaner in Deutschland erst einmal ein lange ersehntes Zeichen der Hoffnung.
Die Entführung von Machthaber Maduro hat die Europäer in ein Dilemma gestürzt. Wie reagieren? Kritik am Vorgehen der USA oder der Hinweis auf Maduros Schreckensregime. Eine politische Debatte darüber ist entbrannt.
05.01.2026 | 2:41 minSachsen: Größte Community aus Venezuela in Deutschland
In Sachsen gibt es die größte venezolanische Community deutschlandweit. Rund 9.000 Frauen und Männer aus Venezuela leben und arbeiten dort, bestätigt das Sächsische Innenministerium. Der Freistaat hat laut Gesetzgebung die Alleinzuständigkeit für Geflüchtete aus dem lateinamerikanischen Land.
In Dresden und Leipzig fanden am Sonntag spontane Kundgebungen von Exil-Venezolanern statt. Richard Serrano, der in Leipzig das einzige venezolanische Restaurant "El Fogno de la Oma" betreibt (deutsch: Der Herd von Oma), konnte daran nicht teilnehmen.
"Es ist schlichtweg völkerrechtswidrig", sagt die Europapolitikerin Strack-Zimmermann zu der Entführung von Machthaber Maduro durch die USA. Diese habe die Europäer in ein Dilemma gestürzt.
06.01.2026 | 5:57 minEin Toast auf das Ende von Maduro
Der Trubel in seinem Laden war zu groß: Erst einmal hätten alle auf das Ende von Maduro in der fernen Heimat angestoßen, berichtet der 36-jährige.
Meine erste Reaktion war, vor Rührung zu weinen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch erleben würde.
Richard Serrano, Restaurantbetreiber
Laut Serrano feierten sie weder den Militärschlag noch US-Präsident Trump, sondern vielmehr die Möglichkeit, in Zukunft wieder Freiheit und Demokratie in ihrem Heimatland zu bekommen. Maduro habe ein verarmtes und brutal unterdrücktes Land hinterlassen. Die USA werfen ihm eine direkte Beteiligung am kriminellen Handel der Drogenkartelle vor.
Mutter in Venezuela erfährt aus Leipzig von Sturz Maduros
Noch seien die Machtverhältnisse in Venezuela nicht entschieden, die Lage fragil und gefährlich, mahnt der 24-jährige Jeremy Salazar, der im Restaurant von Richard Serrano arbeitet. Der Highschool-Absolvent, der 2023 nach Deutschland kam, hatte seine Mutter in Venezuela von Leipzig aus über den Sturz Maduros informiert. "Ich habe meiner Mutter gesagt, dass Maduro weg ist." Seine Mutter wollte das zuerst gar nicht glauben, berichtet er.
In Caracas sind Morde an der Tagesordnung. In den Slums gibt es Viertel, in die die Polizei nicht hineingeht.
02.10.2020 | 41:33 minIn Venezuela sei in den Nachrichten nicht darüber berichtet worden, dort gebe es keine Freiheit in den Medien. Salazar steht wie Serrano mit seiner Familie in Kontakt. Doch alle hätten sie Angst in der Heimat, könnten nicht über die Situation dort sprechen, aus Furcht vor den Konsequenzen, falls die Polizei das Handy kontrolliert.
Bewertung von Trumps Militärschlag "komplex"
Die USA wollen erst einmal in Venezuela bleiben, die Ölquellen reaktivieren, so US-Präsident Trump. Freie Wahlen? Dafür hält Trump die Zeit für noch nicht gekommen. Und wie bewertet Salazar das Eingreifen der USA? "Komplex", zitiert er den deutschen Bundeskanzler. Es könnte ein Wendepunkt in der Weltpolitik sein, der Ausgang ist offen. Nicht nur für Venezuela, auch für andere Kriege und Konflikte auf der Welt.
Salazar wünscht sich eine Chance für die Demokratie und ein gutes Leben in seinem Land. Ob sie nach Venezuela zurück wollen - "das ist eine schwierige Frage", sagt Serrano. Als Venezolaner würde er gern zurückkehren, gleichwohl habe ihn Deutschland herzlich aufgenommen. In Leipzig fühle er sich zu Hause. Es sei schwer, jetzt eine Entscheidung zu treffen.
Anja Charlet berichtet aus dem ZDF-Studio in Dresden.
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