Projekt in Heidelberg:Wohnungsnot: Welche Vorteile Tiny Houses bieten
von Sven Class und Katharina Orth
Wohnraum ist besonders in Ballungsgebieten Mangelware. In Heidelberg sollen Tiny Houses nun helfen, die Wohnungsnot zumindest etwas zu lindern. Wie das funktionieren soll.
Die Stadt Heidelberg ließ diesen Sommer 36 sogenannte „Tiny-Häuser“ bauen. Damit will sie in der von Wohnraummangel geplagten Stadt eine neue Wohnalternative schaffen.
08.10.2026 | 1:59 minIm Dezember 2025 war der erste Spatenstich auf einer bis dato grünen Wiese, gut ein Jahr später soll dann bereits alles einzugsfertig sein: 36 Wohnmodule in unterschiedlicher Größe, Wohnraum für 80 bis 90 Menschen, bezugsbereit nach aktuellem Stand ab Januar 2027.
Im Heidelberger Stadtteil Kirchheim entsteht derzeit ein Tiny-House-Wohnpark - so schnell, wie das beim Bau einer konventionellen Wohnsiedlung wohl nie ginge: "Wir haben mit der Erschließung begonnen und parallel wurden schon die Module gebaut. Im Konventionellen wird erst mal der Boden hergerichtet, das Fundament gebaut, dann kommt der Rohbau und dann wird alles ausgebaut", sagt Fabian Müller, der den Tiny-House-Wohnpark hier entwickelt hat.
Heidelberg: Tiny Houses als Zwischennutzung
Schnell Wohnraum schaffen auf einer Fläche, die ansonsten noch lange Zeit brach liegen würde: Das ist auch das Ziel, das die Stadt Heidelberg mit dem Projekt verknüpft. Das Grundstück gehört der Stadt, die auf der Fläche in etwa zehn Jahren mehrgeschossige Wohnhäuser bauen lassen will. Aber eben erst in zehn Jahren - und so hat man sich entschieden, die 2.800 Quadratmeter Land an einen Projektentwickler zu verpachten, damit darauf der Tiny-House-Wohnpark entstehen kann.
Wir haben einfach das Problem, wir brauchen mehr Wohnraum, Wohnraum, Wohnraum. Und wir haben uns dann entschlossen: Lasst es uns doch einfach mal austesten.
Eckart Würzner, Oberbürgermeister Heidelberg, parteilos
Teure Mieten und Wohnungsnot – dagegen soll nun in Hamburg angegangen werden. Mit dem sogenannten Hamburger Standard soll schneller und schlichter gebaut werden.
17.09.2026 | 2:07 minDas Interesse an den 36 Wohneinheiten ist groß. Während anfänglich die Zielgruppe noch primär junge Singles und Paare waren, interessiert sich inzwischen beispielsweise auch eine Seniorengruppe für eine WG-Einheit im Tiny-House-Wohnpark, erzählt Projektentwickler Fabian Müller.
Warmmiete für Wohnmodule: 920 bis 1.600 Euro
Neben der Option, in einer Dreier-WG-Einheit zu wohnen, gibt es noch einzelne Wohneinheiten zwischen 26 und 33 Quadratmetern - und Bungalows mit 41 Quadratmetern Wohnfläche.
Um die Module herum soll ein Gemeinschaftsgarten entstehen, eine gemeinschaftliche Waschküche und viele Möglichkeiten der Interaktion mit den Nachbarn. Denn darauf setzt der Tiny-Wohnpark: Gemeinschaftsbereiche sollen nicht nur Grün in die Siedlung bringen, sondern auch eine Gemeinschaft schaffen. Alle Wohnmodule werden nicht zum Kauf, sondern zur Miete angeboten: Rund 920 bis 1.600 Euro warm werden pro Monat fällig.
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03.05.2026 | 43:32 minMini-Häuser: Derzeit eher ein "Nischenprodukt" gegen Wohnungsnot
Das Projekt in Heidelberg hat sich inzwischen herumgesprochen - auch bis nach Berlin zum Deutschen Städte- und Gemeindebund. 40 bis 50 vergleichbare Projekte zählt man dort derzeit bundesweit.
Grundsätzlich gilt: Alles, was Wohnraum schafft, ist zu begrüßen.
Bernd Düsterdiek, Deutscher Städte- und Gemeindebund
Allerdings gibt Düsterdiek auch zu bedenken, dass der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in Deutschland so groß ist, dass er allein durch Tiny-Häuser nicht zu decken sei. "Deswegen ist es, wenn man so will, ein Nischenprodukt", sagt Düsterdiek.
Seit den 1960er-Jahren ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Person stark gestiegen. Seit etwa 2005 nimmt sie bei Neubauwohnungen laut einer DIW-Studie wieder ab.
07.01.2026 | 0:28 minWohnmodule sollen nach zehn Jahren wiederverwendet werden
Zumindest derzeit liege der Fokus auf größeren Projekten, bei denen eine größere Anzahl von Wohnungen geschaffen werden könne, etwa im Geschosswohnungsbau. Und doch sieht er in Tiny-House-Siedlungen Potenziale - zum Beispiel, wenn es um Nachverdichtung geht - also das Nutzen freier Flächen innerhalb von Siedlungen.
In Heidelberg sind sie eine Übergangslösung: Dort sollen die Tiny-Häuser nach derzeitigen Planungen nach zehn Jahren wieder abgebaut werden, die Module dann aber weiter genutzt werden. Sie sollen an anderer Stelle Wohnraum schaffen. Das Tiny-House-Projekt soll in Heidelberg jedenfalls keine einmalige Sache bleiben, sagt der Oberbürgermeister: "Wir lernen auch viel momentan durch dieses Projekt, damit wir es dann möglichst oft replizieren können."
Sven Class und Katharina Orth berichten aus dem ZDF-Landesstudio in Baden-Württemberg.
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