Ahmed al-Scharaa:Syriens Präsident auf Staatsbesuch in Berlin
Kanzler Merz empfängt heute den neuen syrischen Staatschef al-Scharaa in Berlin. Der Antrittsbesuch des einstigen Dschihadistenführers ist umstritten.
Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa wird am Montag zu einem Staatsbesuch in Deutschland erwartet.
Quelle: AFPBegleitet von Protesten besucht der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa erstmals Deutschland.
Im Mittelpunkt seines Gesprächs mit Bundeskanzler Friedrich Merz am Nachmittag dürfte die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des in jahrelangem Bürgerkrieg schwer zerstörten Landes stehen.
Der 43-jährige al-Scharaa war früher Anführer einer Islamistenmiliz, die Ende 2024 den Langzeitherrscher Baschar al-Assad stürzte.
Heute sucht er mit seiner Regierung Anschluss an den Westen. In Berlin wird er auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen und nimmt an einem Runden Tisch mit Unternehmern teil.
Der Bürgerkrieg in Syrien sei beendet, sagt Merz. Deshalb könne man auch mit Rückführungen beginnen. Darüber will der Kanzler mit Syriens Übergangspräsidenten Al-Scharaa sprechen.
04.11.2025 | 0:24 minKritik an al-Scharaas Deutschlandbesuch
Schon im Vorfeld gab es scharfe Kritik an der Berlin-Reise des früheren Anführers der einst mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündeten Al-Nusra-Front und der Nachfolgemiliz Hajat Tahrir al-Sham.
"Das Treffen von Merz mit al-Scharaa ist kein diplomatischer Schritt, sondern ein moralischer Bankrott", erklärte die Linken-Abgeordnete Cansu Özdemir. Merz normalisiere Islamisten, "die unliebsame ethnische und religiöse Bevölkerungsgruppen, wie Christen, Alawiten, Drusen und Kurden massakrieren".
Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) wirft al-Scharaa Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. "Al-Scharaa gehört vor ein Gericht und nicht ins Kanzleramt", sagte der KGD-Bundesvorsitzende Ali Ertan Toprak der Nachrichtenagentur AFP.
Im Nordosten Syriens tobt ein Machtkampf zwischen den Kurden und der Übergangsregierung in Damaskus. Zwar gibt es einen Waffenstillstand – doch die Situation ist fragil.
04.02.2026 | 6:12 minBundesregierung hofft auf Stabilisierung in Syrien
Doch in Damaskus führt nun einmal al-Scharaa die Regierung, seitdem von ihm angeführte islamistische Milizen am 8. Dezember 2024 den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt hatten.
Und für die Bundesregierung gibt es in Syrien handfeste Interessen: Berlin hofft auf eine Stabilisierung des Landes, in dem zwischen 2011 und 2024 ein Bürgerkrieg getobt hatte, und auf einen wirtschaftlichen Wiederaufbau. Nicht zuletzt, damit syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Und damit syrische Straftäter leichter abgeschoben werden können.
"Unser Interesse ist, dass Syrien stabil und prosperierend aufgebaut wird", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Freitag bei der Ankündigung des Besuchs. Den Vorwurf der Kriegsverbrechen gegen al-Scharaa wollte Kornelius auf Nachfrage nicht "beurteilen".
Und zur Lage der Menschenrechte sagte der Merz-Sprecher, "selbstverständlich" werde bei dem Gespräch im Kanzleramt "die innenpolitische Situation in Syrien eine Rolle spielen, die Situation der verschiedenen Volksgruppen".
Ein Jahr nach dem Sturz des Assad‑Regimes: Viele Häuser sind noch immer zerstört, die Menschen suchen nach Normalität. Gibt es Hoffnung? Aus Damaskus berichtet Peter Theisen.
05.02.2026 | 10:24 minIran-Krieg und wirtschaftlicher Wiederaufbau
Der Iran-Krieg dürfte bei al-Scharaas Berlin-Besuch ein wichtiges Thema werden. Und auch Wirtschaftsfragen soll viel Raum gegeben werden. So wird der Übergangspräsident im Auswärtigen Amt an einem deutsch-syrischen Wirtschaftsforum teilnehmen. Deutsche Unternehmen könnten sich am wirtschaftlichen Wiederaufbau Syriens beteiligen, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
Al-Scharaa darf also trotz seiner schwierigen Vergangenheit einen freundlichen Empfang erwarten, im Kanzleramt gibt es sogar ein gemeinsames Mittagessen mit Kanzler Merz.
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