auslandsjournal-Doku "So geht Frieden":Warum schweigende Waffen allein keinen Frieden garantieren
von Katrin Eigendorf und Carl Gierstorfer
Länder wie Syrien suchen Frieden nach Jahrzenten des Bürgerkriegs, während die Kriege im Iran und in der Ukraine weiter eskalieren. Gibt es Rezepte für eine friedlichere Welt?
Frieden ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der von Menschen gestaltet wird. Frieden entsteht nicht von selbst. Er wird möglich, wenn Menschen Brücken bauen und Konflikte lösen.
25.03.2026 | 44:12 minNordirlands Bürgerkrieg gilt seit fast drei Jahrzehnten als beendet. Trotzdem ist Belfast auch heute eine geteilte Stadt. Mauern, so genannte Peace Walls, trennen protestantische von katholischen Vierteln.
Robert McClenaghan hat als junger katholischer Nationalist für die IRA, Nordirlands einst gewalttätige Untergrundorganisation, Bomben gebaut. Zwölf Jahre hat er dafür im Gefängnis verbracht. Frieden sieht er nicht in seinem Land. "Es ist eine andere Art von Konflikt", sagt er, politisch statt militärisch.
Heute schreien wir uns an, anstatt aufeinander zu schießen.
Robert McClenaghan
Frieden entsteht nicht von selbst. Er wird möglich, wenn Menschen Brücken bauen. Frieden braucht Vertrauen, Stabilität und manchmal auch den Schutz verlässlicher Partner.
25.03.2026 | 44:16 minVersöhnung statt Vergeltung in Nordirland
Die vielen Toten bedauert Robert. Heute sieht er es als seine Aufgabe an, sich dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder passiert. Aber die Gewalt von damals war für ihn eine Notwendigkeit. Nach so vielen Jahren ehemaligen Feinden die Hand zu reichen, ist vielleicht der schwierigste, aber auch der wichtigste Schritt für einen stabilen Frieden.
In Belfast erinnern zahllose Mauern mit Bildern und Schriftzügen an die Schlachten des Konflikts. Helden und Märtyrer für die einen, Mörder für andere. Mark hat als Soldat auf Seite der britischen Armee gegen die Nationalisten gekämpft. Das Belfast seiner Jugend bezeichnet er als Kriegsgebiet: "Leichen auf dem Schulweg, weggeworfen in Hinterhöfen und Mülltonnen, Schreie und Hilferufe."
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffs im Februar 2022 herrschen in der Ukraine Trauer und Hoffnungslosigkeit. Trotz vieler Vermittlungsversuche ist kein Frieden in Sicht.
24.02.2026 | 2:23 minWenn die Waffen schweigen, beginnt die Erinnerung. Entscheidend sei, wie erinnert wird, sagt Mark. Die Mahnmale für die Gefallenen, die ständige Erinnerung im Alltag. Mark würde all das am liebsten ins Museum verbannen. "Unseren Kindern vermittelt es die falschen Grundlagen", sagt Mark.
Die internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, Katrin Eigendorf, und der Dokumentarfilmer Carl Gierstorfer haben für ihre "auslandsjournal"-Dokumentationen "So geht Frieden!" acht Länder bereist, um herauszufinden, was Frieden ausmacht, wie er entsteht und was es braucht, um ihn zu bewahren.
Die Autoren diskutieren gemeinsam mit Friedensforscher Professor Jonas Wolff (Peace Research Institute Frankfurt), Polit-Influencerin Nina Poppel (Nini erklärt Politik), ZDF-Politikchefin Shakuntala Banerjee und ZDFheute live Moderator Christian Hoch über aktuelle Konflikte und mögliche Wege zum Frieden.
Ihre Meinung ist gefragt! Die Debatte aus dem Schlachthof Wiesbaden streamen wir gemeinsam mit dem auslandsjournal als ZDFheute live am 31. März um 20 Uhr. Die Sendung finden Sie unter "Iran, Ukraine, Syrien: Wie man Kriege beenden kann | auslandsjournal und ZDFheute live".
Schwierige Bürgerdialoge in Syrien
Frieden nach Bürgerkriegen ist ein langwieriger Prozess, der verlangt, Erinnerung neu zu sortieren. Statt Vergeltung Versöhnung zu suchen. Wie schwierig das kurz nach dem Ende von Konflikten ist, zeigen die vielen Bürgerdialoge in Syriens kriegszerrütteten Dörfern und Städten.
Weshalb Kinder in Syrien trotzdem Hoffnung haben.
02.03.2026 | 2:06 minMaalula ist ein christlich geprägtes Dorf in den Bergen nördlich von Damaskus. Die Wunden sind noch frisch. Kirchen und Moscheen wurden von Islamisten und von Assads Truppen schwer zerstört. Viele Einwohner waren in den 14 Jahren Krieg geflohen und trauen sich nun langsam zurück.
In Maalula steht auch eines der ältesten Klöster der Welt, die Menschen dort sprechen noch Aramäisch, die Sprache Jesus. Als Islamisten das strategisch wichtige Dorf eroberten, nahmen sie 13 Nonnen als Geiseln. Ihnen wurde kein Leid zugefügt, aber ein Jahrzehnt lang konnten sie nicht über ihre Erfahrungen sprechen.
Aufarbeitung oder Schweigen nach dem Bürgerkrieg?
Erst langsam gelingt es in Syrien, dass Opfer und Täter miteinander ins Gespräch kommen. Aber die Meinungen, welche Rolle Vergangenes für die gemeinsame Zukunft spielen soll, gehen weit auseinander. Pfarrer Matta Razuk leitet die christliche Gemeinde in Maalula. Er sagt, "wer die Zügel in der Hand hat, schaut nicht zurück", und meint damit, dass Syrer jetzt nach vorne schauen müssten.
Viele Muslime im Ort sehen das anders. Ibrahim Mohamad Diab ist ein wortgewandter Vertreter der muslimischen Gemeinde.
Damit wir im Hier und Jetzt gut leben können, müssen wir aus der Vergangenheit lernen.
Ibrahim Mohamad Diab
Er will Täter und Profiteure des Assad-Regimes zur Verantwortung ziehen.
Ein Jahr nach dem Sturz von Assad ringt Syrien um Stabilität. Minderheiten stehen vor großen Herausforderungen, in Suweyda erklären die Drusen ihre Unabhängigkeit.
02.12.2025 | 2:54 minOpfern eine Stimme geben
Bürgerdialoge wie diese finden überall in Syrien statt, sie bringen Menschen, die sich über Jahre des Bürgerkrieges entfremdet haben, in einen zaghaften Austausch. Das Land ist weit von einem stabilen Frieden entfernt und die Entscheidung, wie mit dem schweren Erbe der Vergangenheit umgegangen wird, muss erst noch getroffen werden.
Frieden beginnt, wenn Opfer von Gewalt gehört und gesehen werden. Erst dann können Traumata und die oft unsichtbaren Wunden der Kriege heilen.
In der zweiteiligen "auslandsjournal" Doku-Reihe "So geht Frieden!" suchen die Autoren Katrin Eigendorf und Carl Gierstorfer Antworten auf die Fragen, wie Konflikte enden, und wie groß die Herausforderungen sind, die darauf folgen.
In Episode 1, "Wie Waffen niederlegen?", besuchen sie Island, das seit Jahren den Global Peace Index anführt, um von dem friedlichsten Land der Welt zu lernen. Sie reisen in das westafrikanische Liberia, in dem große Teile der Bevölkerung auch Jahrzehnte nach Ende eines brutalen Bürgerkriegs in Armut und Perspektivlosigkeit leben und das es trotzdem schafft, den Frieden zu halten. Sie suchen in der kriegsversehrten Ukraine Antworten auf die Frage, was die Menschen dort von einem Frieden erwarten. Und sie treffen Menschen in Nordirland, die zeigen wie lange es nach Ende eines Bürgerkriegs dauert, gemeinsam die Erinnerungen nach Gewalt und Trauma neu zu sortieren.
In Episode 2, "Wie Vertrauen aufbauen?", zeigen die Autoren in Syrien, was es heißt, aufeinander zuzugehen und Wunden der Vergangenheit zu heilen. In Uruguay haben die Menschen gelernt, wie fragil Friede sein kann und dass er nur durch den dauerhaften Einsatz der Zivilgesellschaft wachsen kann. In Nordmazedonien, wo es zum letzten größeren Konflikt in Europa kam, beweist ein Projekt mit Kindern, dass die Neurowissenschaft helfen kann, Kriegstraumata nicht an nachfolgende Generationen weiterzugeben. In Vietnam, wo noch unzählige Bomben in den Böden liegen und die langfristigen Folgen von Agent Orange noch heute zu Fehlbildungen führen, steht Wohlstand über der Aufarbeitung einstiger Verbrechen.
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