Antrag von CDU und AfD beschlossen:Heidenau in Sachsen: Keine neuen Stolpersteine
Gedenken an die Opfer der Nazi-Herrschaft ja, aber nicht mehr mit Stolpersteinen: Im sächsischen Heidenau hat der Stadtrat einen entsprechenden Antrag von CDU und AfD gebilligt.
Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Im sächsischen Heidenau hat der Stadtrat den Antrag von CDU und AfD gebilligt, keine neuen Stolpersteine mehr zu verlegen.
25.09.2026 | 0:53 minIm Heidenau in Sachsen sollen keine Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr verlegt werden. Ein Antrag von AfD und CDU wurde am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen, wie die Stadtverwaltung der dpa bestätigte. Es habe 13 Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und eine Enthaltung gegeben.
In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag gemeinsam mit dem "Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie" forderten Vertreter der beiden Parteien, Stolpersteine "im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich" künftig abzulehnen.
Viele Bürger, Angehörige und Initiativen würden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen empfinden, hieß es in dem Antrag. Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so "dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist".
Verwaltung fordert Sichtbarkeit für alle
Die Verwaltung hatte vorher empfohlen, die Vorlage abzulehnen. In einer Bewertung des Antrags schrieb sie:
Das Gedenken sollte auch künftig sichtbar und wahrnehmbar im öffentlichen Raum stattfinden.
Stellungnahme der Verwaltung
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Zu den insgesamt 8.725 Fällen im Jahr 2025 zählen Beleidigungen, Schmierereien oder Angriffe auf Juden.
17.06.2026 | 0:21 minIn Heidenau gibt es demnach bereits Stolpersteine an zwei Standorten - unter anderem zur Erinnerung an den früheren Heidenauer Bürgermeister Paul Gröger. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz mit Sitz im benachbarten Pirna die Verlegung weiterer Stolpersteine beantragt.
Auschwitz-Komitee kritisiert Entscheidung
Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, sagte laut Mitteilung:
"Dies ist ein durchsichtiger und schäbiger Versuch, Heidenauer Opfer der Nazis erneut aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört: auf den Friedhof." Dass CDU-Abgeordnete der AfD "zu solchen Schäbigkeiten die Hand reichen", sei ein Skandal.
Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus werden in vielen deutschen Städten verlegt. (Archivbild aus Halle, Sachsen-Anhalt)
Quelle: Hendrik Schmidt / dpaDie Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 1990er Jahren. Die in der Regel spendenfinanzierten Pflastersteine mit den Namen der Opfer des Nationalsozialismus werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort der Opfer verlegt.
Zum Jubiläum spricht der jüdische Publizist Michel Friedman bei den Bayreuther Festspielen. Er kündigt eine neue Ära der Erinnerungskultur an.
26.07.2026 | 2:33 minErinnerungszeichen statt Stolpersteine in München
Auch in München werden nach einem Stadtratsbeschluss Stolpersteine nicht auf städtischem Grund verlegt. Zu finden sind sie vor allem auf privatem Grund - und erlaubt auch auf Grundstücken, die dem Freistaat Bayern gehören. Stattdessen machen Erinnerungszeichen mit Fotos und knappen Lebensdaten vor Wohnhäusern auf das Schicksal der Menschen aufmerksam, die früher dort gelebt haben - bevor sie von den Nazis aus ihrem Alltag gerissen wurden.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hatte die Stolpersteine vehement abgelehnt. Als Kind hatte sie den NS-Terror in München miterlebt. "Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Menschen, auf die man schon auf dem Boden liegend immer weiter eintrat und die mit schweren ledernen, stahlbekappten Stiefeln in die Transporter getreten wurden", hatte sie geschildert.
Mehr zum Thema Antisemitismus
Über 8.700 Vorfälle im vergangenen Jahr:Jahresbericht Antisemitismus: Das erlebt ein Betroffener
Markus Gross, Berlinmit Video0:21Jüdischer Sport-Dachverband:Neues Makkabi-Zentrum - zwischen Vorfreude, Stolz und Angst
von Susana Santinamit Video2:5210 Jahre Anne Frank Tag:Antisemitismus im Netz: "Super viel Hass verbreitet"
von Kathrin Haasmit Video0:38Holocaust-Gedenkstätte:Yad Vashem plant erste Außenstellen in München und Leipzig