Katastrophenschutz: Die Suche nach Schutzräumen in Deutschland

Zu wenig Bunker:Wo Schutz suchen im Ernstfall?

Julia Schröter

von Julia Schröter

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Deutschland hat zu wenig Bunker: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe will mit einem Schutzraumkonzept gegensteuern, doch das lässt auf sich warten.

Ein Hohlgang eines ehemaligen Bunkers, dessen Wände weiß sind.

Hat Deutschland im Ernstfall genug Schutzräume - und welche Kriterien müssen sie erfüllen? Die Kommunen fordern ein klares Konzept, um mit der Ausstattung beginnen zu können.

16.01.2026 | 2:20 min

Wenn es hart auf hart käme, hätte es Wolfgang Würmell nicht weit. Der 73-Jährige aus Kindsbach bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz hat seinen eigenen Bunker, nur wenige Meter von seinem Zuhause entfernt.

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg

In den 1930er Jahren hatte die Wehrmacht eine ehemalige Sandgrube seiner Familie beschlagnahmt und dort ab 1937 den Bunker als Teil des Westwalls gebaut. Später nutzten ihn die Amerikaner, er war ein zentraler Bestandteil der Nato-Luftverteidigung.

Stahltore im ehemaligen Regierungsbunker bei Bad Neuenahr-Ahrweiler

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Die 4.400 Quadratmeter große Anlage könnte heute wieder Schutz bieten, meint ihr Besitzer, wenn man sie etwas modernisieren würde. Im Eingangsbereich könne man schnell 40 bis 50 Menschen unterbringen und dann nach und nach problemlos erweitern:

Es ist alles da, dicker Stahlbeton drumherum, 20 Meter Sandüberdeckung. Als Schutzraum ist das ideal.

Wolfgang Würmell, Bunkerbesitzer

1993 wurde das Gelände von den Amerikanern aufgegeben. Wolfgang Würmell bekam es zurück, konnte den Bunker aber nicht weiter in Schuss halten und so begann der Verfall - eine Entwicklung, die auch auf viele öffentliche Schutzräume in Deutschland zutrifft.

Ernstfall-Kurs

Bewaffnete Konflikte oder Versorgungsausfälle, solche Szenarien könnten in Zukunft zunehmen. Deshalb soll Deutschland kriegstauglicher werden. Das Deutsche Rote Kreuz bietet dazu spezielle Kurse an.

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Öffentliche Schutzräume wurden abgewickelt

Bis zum Ende des Kalten Krieges gab es in Westdeutschland etwa 2.000 öffentliche Schutzräume mit rund 1,6 Millionen Plätzen. 2007 gab der Bund das sogenannte Schutzbaukonzept auf und immer mehr Bunker wurden stillgelegt. Aktuell verzeichnet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) noch 579 öffentliche Schutzräume mit etwa 478.000 Plätzen. Voll einsatzfähig ist laut BImA aber kein einziger.

Mit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine hat die Frage, wie es um Deutschlands Bunker steht, neue Aufmerksamkeit bekommen - und die Leerstelle offenbart.

Der Schleusenraum am Eingang des ABC-Bunkers unter dem Hauptbahnhof. Der Atomschutzbunker wurde in den siebziger Jahren während des "Kalten Krieges" gebaut und sollte den Bürgern Schutz vor Atomwaffen oder auch chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen bieten.

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07.12.2025 | 2:55 min

Nationales Schutzraumkonzept - Schutz in Tiefgaragen und U-Bahnhöfen

Bund und Länder arbeiten seit Sommer 2024 an einem nationalen Schutzraumkonzept. Darin setzt man auf dezentrale Schutzmöglichkeiten, z.B. Tiefgaragen, U-Bahnhöfe oder Kellerräume in öffentlichen Gebäuden - Orte, die schnell zu erreichen sind. Denn im Gegensatz zu früheren Szenarien hat sich die Bedrohungslage verändert. Die Bundesregierung geht heutzutage im Falle von Raketen- und Drohnenangriffen mit deutlich verkürzten Vorwarnzeiten aus.

Die Schutzorte sollen in einer App gebündelt werden, so dass Bürgerinnen und Bürger im Ernstfall schnell nachschauen können, wohin sie sich wenden können.

Städte und Gemeinden müssen entsprechende Örtlichkeiten identifizieren und ans Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe melden. Ulrike Mohrs, die im Deutschen Städtetag dem Ausschuss für Katastrophenschutz vorsitzt, geht der Prozess nicht schnell genug. Städten und Gemeinden fehlten immer noch entscheidende Informationen.

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Kommunen fordern klare Kriterien für Bunker

Mohrs fordert, dass klar festgelegt werden muss, welche Kriterien die Räume erfüllen müssen, damit die Kommunen mit der Ausstattung loslegen können. "Da muss es darum gehen, dass entsprechend Feldbetten vorhanden sind, Sitzgelegenheiten vorhanden sind, ist ggf. eine Toilette vorhanden, was muss an Vorräten da sein, um dann auch den Schutzraumcharakter zu erfüllen", so Mohrs.

Und noch etwas ist für die Kommunen ganz klar: Ohne Bundesmittel wird es bei dieser herausfordernden Aufgabe nicht gehen.

Wirklich ins Agieren kommen wir erst, wenn auch klar ist, dass die Pläne ausfinanziert sind.

Ulrike Mohrs, Deutscher Städtetag

Zurück nach Kindsbach zu Bunkerbesitzer Würmell. Auch er findet ein Schutzraumkonzept wichtig und würde seine Anlage gerne zur Verfügung stellen. Einen Behördenkontakt gab es in dieser Sache aber noch nie.

Julia Schröter berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.

Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland in dem Beitrag "Schutzraumkonzept: Was Kommunen fordern" am 17.01.2026 um 16:32 Uhr.

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