Brandenburg und Bergheim:Stromnetz-Sabotage: Redmann vermutet "koordinierten Angriff"
Raketen stören Leitungen eines brandenburger Umspannwerks - später finden sich ähnliche Vorrichtungen nahe Köln. Brandenburgs Innenminister schließt einen Zusammenhang nicht aus.
Nach dem Vorfall in Brandenburg kam es auch in Nordrhein-Westfalen zu einem Kurzschluss in einem Umspannwerk in Bergheim. Die Behörden ermitteln wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.
02.09.2026 | 0:21 minBrandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hält einen Zusammenhang zwischen den Angriffen auf Stromversorgungs-Anlagen bei Jänschwalde und Bergheim für wahrscheinlich.
Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind.
Jan Redmann (CDU), Innenminister Brandenburgs
"Es ist folgerichtig, dass der Generalbundesanwalt prüft, die Ermittlungen an sich zu ziehen", sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums.
Ermittler vermuten verfassungsfeindliche Sabotage
Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU).
Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.
Herbert Reul (CDU), Innenminister in NRW
Die Ermittler sehen Parallelen zu dem Fall in Brandenburg, wo Unbekannte am Dienstagmorgen unweit des Umspannwerks Turnow-Preilack einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet hatten. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.
Nach Kurzschlüssen an einem Umspannwerk in Südbrandenburg - wenig später ein ähnlicher Vorfall in Bergheim. Die Landesregierung spricht von verfassungsfeindlicher Sabotage.
02.09.2026 | 1:43 minBergheim in NRW: Abschussvorrichtungen in Maisfeld
In Bergheim in Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei am Dienstagabend gegen 20 Uhr zunächst wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk in Bergheim gerufen. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, hieß es. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen vom Netz.
Unweit davon entdeckten Einsatzkräfte der Polizei bei einer Suchaktion in einem Maisfeld insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Diese waren demnach so gebaut, dass mit pyrotechnischen Gegenständen ein Draht über die Stromleitungen geführt werden konnte. Der Energieversorger Amprion versicherte jedoch: "Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet."
Bergheim bei Köln: Auf das Umspannwerk nahe eines Kraftwerks ist möglicherweise ein Anschlag verübt worden. Ermittler durchkämmen ein naheliegendes Feld.
Quelle: Henning Kaiser / dpaBrandenburg: Flugkörper treffen Umspannwerk
In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen.
Brandenburg: Das Umspannwerk Turnow/Preilack auf der Karte.
Quelle: ZDFRedmann sprach zunächst davon, dass man in Brandenburg "verdammtes Glück" gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend "raketenähnlichen Gegenständen" mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen.
Brandenburg: Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts nach dem Angriff auf ein Umspannungswerk im Süden des Bundeslandes.
02.09.2026 | 0:25 minLänder wollen sich für Aufklärung vernetzen
Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen. "Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus", sagte Reul.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.
Brandenburg: Nach dem mutmaßlichen Sabotageakt auf eine Hochspannungsleitung bei Turnow-Preilack findet die Polizei weitere Sprengvorrichtungen.
02.09.2026 | 2:30 minCDU-Politiker: "Vor vorschnellen Bewertungen hüten"
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Marc Henrichmann, mahnt zu Besonnenheit. "Die Lehre aus Leipzig ist, dass wir uns vor vorschnellen Bewertungen hüten", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Dort hätten die professionell geführten Ermittlungen Stück für Stück belastbare Fakten geliefert. "Genau das erwarte ich auch jetzt in Jänschwalde und Bergheim."
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