Herbert Reul: Stromnetz-Sabotage an zwei Orten wohl "kein Zufall"

Interview

Brandenburg und Bergheim:Reul: Stromnetz-Sabotage an zwei Orten wohl "kein Zufall"

|

Raketen stören Leitungen eines brandenburger Umspannwerks - kurz später finden sich ähnliche Vorrichtungen nahe Köln. Im ZDF spricht NRW-Innenminister Reul von "vielen Parallelen".

SGS-Sievers-Reul

Hängen die Sabotage-Akte in NRW und Brandenburg zusammen? "Es spricht vieles dafür, dass es kein Zufall ist", sagt Herbert Reul im heute journal des ZDF.

02.09.2026 | 5:38 min

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht eindeutige Zusammenhänge zwischen den Angriffen auf Stromversorgungs-Anlagen bei Jänschwalde und Bergheim. "Mittlerweile sind wir relativ sicher, dass es viele Parallelen gibt", sagt er im heute journal.

Weil die Art und Weise, wie diese Taten vollzogen worden sind, durchaus Parallelen aufweisen.

Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalens

Ein Beispiel: Die Abschussvorrichtungen, "die wahrscheinlich dazu geführt haben, dass man die Kabel über das Überspannungsnetz geschickt hat", seien in beiden Fällen ähnlich.

Es spricht vieles dafür, dass es kein Zufall ist, dass beide Ereignisse an diesen Tagen stattfinden.

Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalens

Verdacht auf Straftat - Störung im Umspannwerk Bergheim

Angriffe auf Anlagen in Brandenburg und NRW haben Sorgen vor einem großflächigen Stromausfall ausgelöst. Die Ermittler prüfen einen koordinierten Angriff.

02.09.2026 | 2:31 min

Reul: Betreibern mehr Rechte einräumen

Reul fordert einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur - auch durch mehr Rechte für die Betreiber von Strom- oder Wasserwerken. Denkbar sei etwa eine bessere Videoüberwachung oder auch eine eigene Drohnenabwehr, so der NRW-Innenminister. Das sei auch eine gesellschaftliche Frage: "Wir werden die Debatte über Datenschutz, Bürgerrechte, Eingriffe in Rechte neu führen müssen."

Nicht an jeder Ecke, nicht an jedem Umspannwerk, nicht an jeder Bahnstrecke kann ein Polizist stehen. Punkt.

Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalens

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) fordert auch unbequeme Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur. (Archivbild)

Quelle: dpa | David Ebener

Zuvor hatte bereits Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) erklärt, es gebe Anzeichen, "dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind".

Ermittler vermuten verfassungsfeindliche Sabotage

Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Auch die Ermittler sehen Parallelen zu dem Fall in Brandenburg, wo Unbekannte am Dienstagmorgen unweit des Umspannwerks Turnow-Preilack einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet hatten.

In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.

Mehr Schutz für kritische Infrastruktur

Die mutmaßlichen Sabotagefälle zeigen, wie wichtig ein besserer Schutz kritischer Infrastruktur für Deutschland ist. Eine neue Gesetzeslage soll helfen, doch konkrete Maßnahmen könnten Jahre dauern.

03.09.2026 | 2:28 min

Bergheim in NRW: Abschussvorrichtungen in Maisfeld

In Bergheim in Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei am Dienstagabend gegen 20 Uhr zunächst wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk in Bergheim gerufen. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, hieß es. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen vom Netz.

Unweit davon entdeckten Einsatzkräfte der Polizei bei einer Suchaktion in einem Maisfeld insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Diese waren demnach so gebaut, dass mit pyrotechnischen Gegenständen ein Draht über die Stromleitungen geführt werden konnte. Der Energieversorger Amprion versicherte jedoch: "Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet."

Ein Polizeiauto ist vor einer Hochspannungsleitung zu sehen. Heute waren am Umspannwerk in der Nähe unkonventionelle Sprengvorrichtungen gefunden worden.

Brandenburg: Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts nach dem Angriff auf ein Umspannungswerk im Süden des Bundeslandes.

02.09.2026 | 0:25 min

Brandenburg: Flugkörper treffen Umspannwerk

In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen.

Redmann sprach zunächst davon, dass man in Brandenburg "verdammtes Glück" gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend "raketenähnlichen Gegenständen" mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen.

Sabotage am Umspannwerk Turnow/Preilack? Eine Karte zeigt die Orte.

Brandenburg: Das Umspannwerk Turnow/Preilack auf der Karte.

Quelle: ZDF

Länder wollen sich für Aufklärung vernetzen

Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen. "Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus", sagte Reul.

Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.

Anschlagversuch auf Stromnetz

Brandenburg: Nach dem mutmaßlichen Sabotageakt auf eine Hochspannungsleitung bei Turnow-Preilack findet die Polizei weitere Sprengvorrichtungen.

02.09.2026 | 2:30 min

CDU-Politiker: "Vor vorschnellen Bewertungen hüten"

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Marc Henrichmann, mahnt zu Besonnenheit. "Die Lehre aus Leipzig ist, dass wir uns vor vorschnellen Bewertungen hüten", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Dort hätten die professionell geführten Ermittlungen Stück für Stück belastbare Fakten geliefert. "Genau das erwarte ich auch jetzt in Jänschwalde und Bergheim."

Landesinnenminister Jan Redmann
:Sabotage in Brandenburg: "Müssen schnell nachrüsten"

Nach der Sabotage am Stromnetz in Brandenburg sind die Hintergründe weiter unklar. Innenminister Redmann mahnt, beim Schutz kritischer Infrastruktur müsse man "schnell nachrüsten".
mit Video5:04
Stromleitungen vor dem Kraftwerk Jänschwalde in Turnow-Preilack, aufgenommen am 01.09.2026
Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF im heute journal am 02.09.2026 ab 21:45 Uhr.

Mehr zu Sabotage

  1. Terra X - Die Wissens-Kolumne: Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker
    Kolumne

    Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Der unterschätzte Dominoeffekt kritischer Infrastruktur

    von Dennis-Kenji Kipker

  2. Arbeiter reparieren einen Schaden an Kabeln, die in der Nähe von Bahngleisen verlegt sind, aufgenommen am 25.08.2026 in Backnang (Baden-Württemberg)

    Bahnstrecke zeitweise gesperrt:Kabel durchtrennt: Sabotageverdacht in Baden-Württemberg

    mit Video0:16

  3. Feuerwehrleute bei Löscharbeiten an einer Bahnstrecke am 10.07.2026 in Langenfeld, Nordrhein-Westfalen.

    Bekennerschreiben von Linksextremisten:Sabotage an NRW-Bahnstrecke? Staatsschutz ermittelt

    mit Video1:07

  4. Ukrainische Angeklagte erscheinen zu Beginn ihres Prozesses vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart.