Gastro-Branche:Mehrwertsteuersenkung macht Essen gehen nicht günstiger
Bei der Mehrwertsteuersenkung für Speisen in Restaurants hatten viele darauf gehofft, dass Essen gehen erschwinglicher wird. Eingetreten ist das nicht - teils eher das Gegenteil.
Trotz gesenkter Mehrwertsteuer ist Essen gehen in Restaurants nicht günstiger geworden. Bei vielen untersuchten Gerichten blieben die Preise laut einer Studie unverändert, manche wurden teurer.
17.09.2026 | 0:55 minVon der Anfang des Jahres gesenkten Mehrwertsteuer auf Restaurantspeisen merken Gäste einer neuen Untersuchung zufolge kaum etwas. "Die Studie liefert keine Hinweise darauf, dass die Mehrwertsteuersenkung in nennenswertem Umfang an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde", teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.
Im Durchschnitt erhöhten sich die Preise sogar um 0,5 Prozent.
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Die Geschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga), Jana Schimke, hielt jedoch dagegen, dass drei Viertel (73,4 Prozent) der Betriebe ihre Preise durch die Absenkung der Mehrwertsteuer trotz massiv gestiegener Kosten stabil halten konnten.
Im Jahr 2025 sind die Insolvenzen von Gastrobetrieben zum vierten Mal in Folge gestiegen. Mehr als 2.900 Betriebe waren im letzten Jahr betroffen, berichtet die Wirtschaftsauskunft Creditreform.
19.03.2026 | 0:48 minDie Steuer war zum Jahreswechsel von 19 Prozent auf sieben Prozent gesenkt worden. Das Beratungsunternehmen wmp consult hatte im Auftrag der Gewerkschaft die Preise von 180.000 Gerichten in bundesweit mehr als 12.000 Restaurants ausgewertet. Die Erhebung erfolgte demnach im Oktober 2025 - also vor der Absenkung - sowie im Februar und im März dieses Jahres.
Preise in den meisten Fällen unverändert
Bei neun von zehn untersuchten Gerichten blieben die Preise demnach unverändert. Bei acht Prozent seien die Preise angestiegen, bei rund einem Prozent gesunken.
"Die Bundesregierung wollte mit der Mehrwertsteuersenkung auch die Gäste entlasten", teilte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler mit. "Tatsächlich ist davon nichts bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen."
Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte: Gastro-Betriebe und Fastfood-Konzerne bekämen Steuergeschenke, während Verbraucher unter hohen Preisen ächzten.
Dehoga: Betriebe reagierten unterschiedlich
Eine größer angelegte Auswertung von Gerichten durch den Datenspezialisten Meoton hatte bereits im März ergeben, dass die Mehrwertsteuersenkung aus Verbrauchersicht vor allem dafür gesorgt habe, dass die Preise nicht weiter gestiegen seien.
Viele Gastronomen hatten bereits vor der Mehrwertsteuersenkung angekündigt, diese vor allem dazu zu nutzen, die stark gestiegenen Kosten auszugleichen. "Jeder Betrieb reagierte unterschiedlich auf die Gesetzesänderung", erklärte Dehoga-Geschäftsführerin Schimke. "Manche haben Preissenkungen vornehmen können, andere haben die Löhne angehoben, wieder andere haben neue Mitarbeiter eingestellt, modernisiert und ihr Angebot weiter verbessert."
Seit Januar werden Speisen im Lokal nur noch mit sieben statt 19 Prozent besteuert. Doch bei den Gästen kommt davon wenig an: Kaum ein Betrieb hat die Preise gesenkt.
25.02.2026 | 2:59 minViele Beschäftigte an der Belastungsgrenze
Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die rund zwei Millionen Beschäftigten der Branche wurden die Einsparungen aus Gewerkschaftssicht nicht genutzt. Eine Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ergab der Gewerkschaft zufolge, dass viele von ihnen stark überlastet seien.
Drei Viertel der Beschäftigten können sich nach langen Arbeitstagen nicht ausreichend erholen. 79 Prozent berichten von kurzfristigen Dienstplanänderungen, die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erschweren.
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Befragt wurden demnach zwischen Juni und Juli dieses Jahres mehr als 2.100 Beschäftigte aus Hotellerie sowie System- und Betriebsgastronomie.
Von der Dehoga hieß es dazu, dass gesetzliche Arbeitszeitgrenzen sowie Schutz- und Ruhezeiten selbstverständlich eingehalten werden müssten. "Gleichzeitig braucht das Gastgewerbe Flexibilität", erklärte Schimke. Die Dehoga regte deshalb an, die wöchentliche Höchstarbeitszeit zu erhöhen, um mehr Selbstbestimmung für Beschäftigte zu erreichen.
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