Essengehen doch nicht günstiger?:Wie Restaurants an der Mehrwertsteuersenkung knabbern
von Susanne Pohlmann
Von 19 auf sieben Prozent: Die Mehrwertsteuersenkung sollte der Gastronomie Aufschwung und den Kunden günstigere Preise bringen. Doch die Rechnung scheint nicht aufzugehen.
Seit Januar werden Speisen im Lokal nur noch mit sieben statt 19 Prozent besteuert. Doch bei den Gästen kommt davon wenig an: Kaum ein Betrieb hat die Preise gesenkt.
25.02.2026 | 2:59 minEin Teller, zwei Gabeln. Sich im Restaurant ein Essen zu teilen, wird oft nicht gerne gesehen. Bruno Lambri macht seit kurzem aber genau das in seinem Mainzer Lokal zum Event.
Er hat festgestellt, dass Gäste versuchen Geld zu sparen, indem sie weniger verzehren. "Das heißt, man teilt sich gerne eine Vorspeise, man teilt sich auch das Dessert", so Lambri. Jetzt gibt es in seinem Restaurant die Date-Night: ein Drei-Gänge-Menü, auf das sich das Paar einigen muss - serviert auf einem Teller mit zwei Gabeln. "So ein bisschen wie Susi und Strolch mit den Spaghetti, wissen Sie?"
Zum Jahreswechsel wurde die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Das soll die Gaststätten und Restaurants entlasten.
05.01.2026 | 1:15 minWas der Verband DEHOGA kritisiert
Lambri reagiert damit auf seine Art auf die Probleme in der Gastronomie. Der geht es in Deutschland nicht gut. Eigentlich hat sie sich von dem Corona-Tief nie mehr so richtig erholt. Die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent seit Januar 2026 sollte helfen. Eine gute Maßnahme, findet der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, aber es reiche nicht. Es müsse weitergehen mit den Reformen.
Die Mehrwertsteuersenkungen alleine reichen natürlich überhaupt nicht aus, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die Lohnnebenkosten sind zu hoch. Die Standortkosten insgesamt in Deutschland sind zu hoch.
Guido Zöllick, Präsident Branchenverband DEHOGA
Die Folge: Insolvenzen unter Restaurant- oder Cafébetreibern nehmen zu. Vor allem in ländlichen Gebieten wird es schwierig, genug Umsatz zu machen.
Die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie war ein Wahlversprechen von Union und SPD.
08.10.2025 | 1:33 minWas die Ersparnis durch die geringere Mehrwertsteuer auffrisst
Die Steuersenkung auf Restaurantessen kann zwar helfen, so manchen Betrieb finanziell zu stabilisieren. Doch weitergegeben - in Form von Preissenkungen für die Gäste - wird sie meist nicht. "Wir können es leider nicht, weil die Kosten gestiegen sind", sagt Michaela Graeser-Briedel, die das Stadtcafé im thüringischen Suhl betreibt. "Strom, Wasser, Gas, Löhne - das können wir leider nicht abfangen mit der Mehrwertsteuersenkung."
Sie müsse im Gegenteil eigentlich die Preise noch erhöhen. "Ich würde es gerne weitergeben, aber ich möchte meinen Leuten auch mehr Lohn zahlen", so die Gastronomin. Laut einer Umfrage der DEHOGA wollen sogar 22 Prozent der Gastronomen die Preise erhöhen.
Letztes Jahr stiegen die Preise für die Gastronomie stark an. Sowohl Gäste als auch die Tourismus-Branche leiden darunter.
03.09.2025 | 3:01 minKonsumlaune der Verbraucher gesunken
Bei vielen Menschen sitzt das Geld nicht mehr so locker. Einige gehen weiter essen, aber nicht mehr so häufig. Andere nehmen wahr, dass alles teurer geworden ist - bis hin zu kleinen Getränken.
Dieses Verhalten bestätigt auch das aktuelle Konsum-Barometer des Meinungsforschungsinstitut GfK. Während es noch im Vormonat um die Kauf- und Genusslaune der Verbraucher ein klein wenig positiver stand, geht der Trend für März nun wieder nach unten. Die Verbraucher neigen zum Sparen wie seit der Finanzkrise 2018 nicht mehr.
Keine guten Nachrichten für Restaurantbetreiber. Sie müssen sich was einfallen lassen. Neben dem geteilten Dinner, mit dem Bruno Lambri neue Gäste anlocken möchte, hat er seine Karte reduziert, setzt vor allem auf Tagesempfehlungen. Er geht jeden Tag einkaufen, kocht frisch und kann so seine Lagerhaltung und Kosten besser kalkulieren. Außerdem setzt er auf seine Stammgäste.
Susanne Pohlmann ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Die deutschen Winzer sind in Not. Die Großkellereien zahlten zuletzt nur 60 Cent pro Liter, weit weniger als die Produktionskosten. Wenn die Preise nicht steigen, gehen viele Betriebe Pleite.
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