Sparkurs der Regierung:Frei wirbt für Reformpaket - "Rasenmäher" im Haushalt denkbar
Schwarz-Rot will bis zum Sommer ein Reformpaket schnüren. Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt die Pläne und bringt einen "Rasenmäher" für die Haushaltssanierung ins Spiel.
Bis Anfang Juli plant die Koalition ein großes Paket zu den Themen Steuern, Arbeit, Pflege, Rente und Bürokratieabbau. Doch bei zentralen Fragen fehlen noch klare Antworten.
27.05.2026 | 2:26 minDie Bundesregierung steht vor großen Aufgaben und will bis zum Sommer einige Lösungen liefern - sei es bei der Pflege, beim Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen oder bei der Rente. Bei der Pflegeversicherung etwa gehe das aber nicht ohne Einsparungen, sagte Kanzleramtschef Thorsten Frei am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Der CDU-Politiker sagte:
Wir müssen die Ausgaben den Einnahmen anpassen. Eigentlich ein ganz normales Prinzip im Leben, würde ich sagen.
Thorsten Frei (CDU), Kanzleramtschef
"Wir können uns Dinge, für die wir kein Geld haben, dann eben auch nicht mehr leisten. Das ist schon Reform", fügte Frei hinzu. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) werde dazu eine ganze Reihe Vorschläge machen, wie die Milliardenlücken in der Pflegeversicherung geschlossen werden könnten.
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) verteidigt die geplanten Reformen bei den Sozialversicherungen.
27.05.2026 | 5:09 minFrei: Möglicherweise Rasenmäher-Methode nötig
Zur Sanierung der schwer angeschlagenen gesetzlichen Pflegeversicherung ist auch eine weitere Erhöhung des Beitragssatzes für Kinderlose im Gespräch. Nach Angaben aus Koalitionskreisen erwägt Warken, den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,7 Prozent anzuheben. Warkens Ministerium wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen, sondern verwies auf ein kommendes Gesamtkonzept. Wann dies vorgelegt wird, ist noch offen.
Für die Sanierung des Haushalts könnte nach den Worten von Frei die Rasenmäher-Methode zum Einsatz kommen, aber nicht allein. Im Zweifel werde man beides tun müssen, politische Schwerpunkte setzen und diese Methode nutzen.
Man wird schauen, wo vielleicht Maßnahmen der Vergangenheit heute nicht mehr die gewünschte Wirkung entfalten. Und möglicherweise - angesichts der vielen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen - werden wir auch den Rasenmäher brauchen.
Thorsten Frei (CDU), Kanzleramtschef
Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte pauschale Kürzungen bei Subventionen und Steuervergünstigungen vorgeschlagen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zeigte sich hier offen. "Ich will nicht ausschließen, dass es am Ende, auch zumindest in Teilbereichen, die Rasenmäher-Methode sein kann", sagte der SPD-Vorsitzende im Podcast "Machtwechsel".
Es sei "wichtig, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und weniger die Zeitpläne anzugehen", so Jörg Rocholl, Präsident der Internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin, mit Blick auf das Reformpaket.
27.05.2026 | 5:08 minExperte: Schnelle Reform-Umsetzung "Mammutprojekt"
Dass bis Anfang Juli ein umfassendes Reformpaket stehen soll, hält Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT und Mitglied der Rentenkommission, für eine Mammutaufgabe. Er betonte im ZDF-Morgenmagazin:
Es ist aus meiner Sicht wichtig, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und weniger diese Zeitpläne anzugehen.
Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT
Grundsätzlich aber sei die schnelle Umsetzung machbar, Vorschläge lägen bereits vor.
Juso-Chef Philipp Türmer hingegen bremste im ZDF-Morgenmagazin Erwartungen an das Reformpaket vor der Sommerpause: "Bei dem Zeitplan will ich mich nicht festlegen", betonte er. Beim Thema Rente sprach sich Türmer gegen eine pauschale Anhebung des Eintrittsalters aus. Wann Menschen Rente bekommen, müsse sich an der Anzahl der Arbeitsjahre und auch der Arbeitsbelastung orientieren.
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