Zoff um Wiesn-Zelte:Wer darf aufs Oktoberfest - wer nicht?
von Petra Neubauer
Die Wiesn-Wirte streiten über die Vergabe der Zelte. Kein fairer Wettbewerb, sagen die einen, den Traditionen entsprechend, die anderen. Nun ist der Zank ein Fall für die Justiz.
6,5 Millionen Liter Bier sind 2025 auf dem Oktoberfest geflossen, die Maß im Schnitt für 15 Euro. Eine Festzelt-Lizenz bringt Millionen. Deswegen streiten die Wirte um die Zelte.
14.05.2026 | 1:57 minLange bevor die erste Maß Bier auf dem Oktoberfest fließt, tobt hinter den Kulissen ein ganz anderes Spektakel: der Kampf um die Zeltplätze. Ein Streit, der viel Sprengstoff birgt.
Denn so ein Festzelt ist nicht nur ein Ort für Maßkrüge und Blasmusik, sondern ein hochprofitables Geschäftsmodell, ein Prestigeobjekt - und für viele Wirte die Eintrittskarte in die Liga der ganz Großen. Allein 2025 wurden auf dem Oktoberfest schätzungsweise 6,5 Millionen Liter Bier verkauft, die Maß für durchschnittlich 15 Euro.
Wiesn-Wirt klagt gegen Vergabekriterien
Die Vergabekriterien für die Zelte sind kompliziert, folgen einem speziellen Punktesystem. "Da ist kein fairer Wettbewerb", findet Wirt Alexander Egger, der nur mit einem kleinen Zelt auf dem Oktoberfest vertreten ist und seit langem auf den Zuschlag für ein Großes hofft. Man müsse prüfen, ob die Vergabepraxis mit der derzeitigen Rechtslage in Deutschland und Europa noch konform ginge.
Bombendrohung, Sperrungen wegen Überfüllung, Rekordhitze: Die Wiesn 2025 bot Höhen und Tiefen. Millionen Besucher feierten trotzdem ausgelassen.
05.10.2025 | 2:54 minDeshalb hat er vor der Vergabekammer Süd geklagt. Jeder solle sich fair bewerben können und eine faire Chance haben, auch mal auf dem Oktoberfest ausschenken zu dürfen, beschreibt Egger sein Ziel.
In einem sogenannten Nachprüfungsantrag möchte er klären lassen, ob sich die Stadt bei der Zuteilung der Zelte nach den Regelungen des europäischen Vergaberechts richten müsse. "Dies würde grundsätzlich eine EU-weite Ausschreibung der jeweiligen Standplätze bedeuten," teilt ein Sprecher der Regierung von Oberbayern mit, bei der die Vergabekammer angesiedelt ist. Im Fokus von Eggers Antrag stehen das Paulaner Festzelt und die Schottenhamel-Festhalle.
Schottenhamel: Oktoberfest muss münchnerisch, bayrisch bleiben
Kein Wunder, dass Christian Schottenhamel, dessen Familie das gleichnamige Zelt seit 1867 betreibt und auch weiter betreiben möchte, sauer reagiert. In einem Post auf Instagram befürchtet er unter dem Account "Heimatpakt" den Untergang der Tradition: etwa Döner oder Pizzaschnitten statt Schweinshaxn, Kölsch in kleinen Gläsern statt Münchner Bier im Maßkrug, für ihn eine "Horrorvision":
Wir wollen, dass das Oktoberfest münchnerisch bleibt, dass es bayrisch bleibt.
Christian Schottenhamel, Festwirt
Es gehe ihm darum, dass das Oktoberfest Traditionen und Werte lebe. "Rettet die Wiesn" ruft er am Ende des Posts.
Egger kann die Vorwürfe einiger alteingesessener Wirte nicht nachvollziehen. Da sei "viel Polemik dabei", so Egger. Sein Argument: Die Stadt München habe auch bei einer europaweiten Ausschreibung die gleichen Rechte wie heute. Sie könne Bedingungen stellen, wie zum Beispiel weiterhin nur Münchner Bier auszuschenken.
Wer kein Geld für Hotels rund um das Oktoberfest zahlen will, kann auch auf einem Campingplatz bei den Festzelten unterkommen. Nächtliche Partys und kalte Temperaturen sind hier direkt inklusive.
02.10.2025 | 5:39 minMünchen: Die Rolle der Stadt
Hinter verschlossenen Türen wird im Münchner Stadtrat nun gerechnet und bewertet - offiziell nach Kriterien wie Erfahrung, Wirtschaftlichkeit und Konzept. Zu welchem Ergebnis die Stadt gekommen ist, wird in einer nicht-öffentlichen Ratssitzung bekanntgegeben.
Alles aber nur unter Vorbehalt, denn die juristische Entscheidung der Vergabekammer steht noch aus. So will sich auch der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause derzeit nicht zu dem Streit äußern.
Der Start des Oktoberfests ist ein Großereignis. Hinter der guten Stimmung steckt die unsichtbare Arbeit vieler Helfer, um für Sicherheit und Gesundheit der Besucher zu sorgen.
01.10.2025 | 8:59 minVergabekammer Süd will bis 25. Mai entscheiden
Bis zum 25. Mai wird die Vergabekammer ihre bindende Entscheidung bekannt geben. Doch egal, wie diese Entscheidung am Ende ausfällt: Irgendjemand wird sich auch dann benachteiligt fühlen.
Alexander Egger überlegt bei einer Niederlage, die nächsthöheren Instanzen anzurufen, wenn nötig auch den Europäischen Gerichtshof. Das Oktoberfest ist eben mehr als Party und Bierseligkeit, es ist ein lukratives Geschäft, um das mit harten Bandagen gekämpft wird.
Petra Neubauer ist Reporterin im Landesstudio Bayern.
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