Post von der Bundeswehr:Wenn der Musterungsbrief im Briefkasten landet
von Svenja Bergerhoff und Svenja Dohmeyer
Die ersten Briefe zur Wehrdiensterfassung sind da. Angeschrieben und befragt werden Männer und Frauen des Jahrgangs 2008. Die jungen Männer müssen antworten, Frauen nicht.
Gerade flattert er bei jungen Männern ins Haus: der Online-Fragebogen für die neue Wehrdiensterfassung. Können durch den freiwilligen Wehrdienst künftig genug Rekruten gewonnen werden?
02.02.2026 | 2:46 minGerade mal eine gute Woche ist Jaris 18. Geburtstag her, als er Post bekommt. Der Absender: die Bundeswehr. Damit ist der Schüler aus Hannover einer der ersten, die den neuen Wehrdienstfragebogen zugeschickt bekommen.
Im Brief enthalten - neben dem QR-Code zum Onlinefragebogen: Eine Info-Broschüre und rechtliche Hinweise. Denn junge Männer müssen den Fragebogen ausfüllen. Andernfalls droht eine Geldstrafe. Für Frauen ist das Ausfüllen freiwillig.
Seit dem 1. Januar gelten neue Regeln für den Wehrdienst. Um mehr Freiwillige zu gewinnen, wurde eine Wehrerfassung eingeführt: Alle ab 18 erhalten einen Fragebogen.
02.01.2026 | 2:01 minKnapp 15 Jahre nach dem Aussetzen der Wehrpflicht wird es für junge Männer so wieder zur Pflicht, sich zumindest mit einem Wehrdienst auseinanderzusetzen. Die Überprüfung, wer dafür körperlich und geistig geeignet ist, beginnt stufenweise und soll ab 1. Juli 2027 vollständig umgesetzt sein.
Ein Symbol fürs Erwachsenwerden
Für insgesamt rund 700.000 junge Menschen, die in diesem Jahr volljährig werden, wird der Brief von der Bundeswehr zum Symbol fürs Erwachsenwerden. Und: es kommt auch ein Stück weit die weltpolitische Lage in den deutschen Familien an. Am Küchentisch in Hannover sind sich Jari und sein Vater Timo einig: Sie verstehen, dass die Wehrfähigkeit der Bundeswehr wieder ausgebaut wird.
Die Amerikaner ziehen sich immer mehr zurück. Von daher ist es eine Sicherheitsfrage. Es muss ein Sicherheitskonzept geben. Und ja: Dazu gehört auch die Bundeswehr.
Timo Weckman, Vater
Die Initiative "Schulstreik gegen Wehrpflicht" hatte im Dezember in über 90 Städten zu Protesten aufgerufen. Schwerpunkt war die Reform des Wehrdienstes und die verpflichtende Musterung.
05.12.2025 | 2:37 minSchon 2025 mehr Zulauf zur Bundeswehr
Die steigende Aufmerksamkeit für die Bundeswehr zeigt sich jetzt schon in Zahlen, bevor überhaupt junge Menschen gezielt angeschrieben wurden. Im letzten Jahr stellte die Bundeswehr insgesamt 25.000 Soldatinnen und Soldaten ein. Fast 5.000 mehr als im Vorjahr und das beste Einstellungsergebnis seit dem Aussetzen der Wehrpflicht.
Das Ziel der Bundesregierung ist es, die Bundeswehr durch Freiwillige aufzustocken, von derzeit 184.000 Soldaten auf 270.000 im Jahr 2035. Dieses Jahr möchte man insgesamt mindestens 20.000 Rekrutinnen und Rekruten dazugewinnen.
Zu Beginn jedes Quartals fangen die neuen Rekruten der Bundeswehr ihre Ausbildung an. Nach wie vor sucht die deutsche Armee händeringend nach Personal.
07.01.2026 | 1:37 minFragebogen schnell beantwortet
Die Fragen im Onlinebogen sind für den 18-jährigen Jari schnell beantwortet. Körpergröße, Gewicht, Fitnesslevel und Bildungsabschlüsse sind einfach auszufüllen.
Auch bei der Frage nach seinem Interesse am Soldatendienst muss er nicht lange überlegen. Denn seine Entscheidung steht schon lange fest:
Ich persönlich habe wenig Interesse an der Bundeswehr. (...) Weil ich persönlich den Dienst an der Waffe verweigern will, weil ich nicht im Ernstfall an der Front sterben möchte.
Jari Weckman
Wenn es eine Wehrpflicht gäbe, dann würde er sich für einen sozialen Ersatzdienst entscheiden. So wie auch sein Vater Timo in den 90er Jahren.
Was sagen junge Menschen zur geplanten Wehrpflicht? Im ZDF Spezial diskutieren Quentin Gärtner, ein Rekrut der Bundeswehr und zwei Content Creator kontrovers über das Thema.
13.11.2025 | 33:27 min
Bundeswehr lockt mit Förderungen
Um attraktiver zu werden, lockt die Bundeswehr unter anderem mit ordentlich Geld: Statt ehemals 1.800 Euro Sold bekommen junge Rekruten nun 2.600 Euro brutto pro Monat. Eine deutliche Steigerung, erst recht im Vergleich zu früher, erinnert sich Vater Timo Weckman: "Freunde von mir, die auch zur Bundeswehr gegangen sind, die haben so rund 800 D-Mark bekommen damals, mehr war das nicht."
Die Bundeswehr ist ein Thema, das keinen kalt lässt: Seit 70 Jahren steht die Truppe immer wieder im Fokus der Kritik.
12.11.2025 | 1:31 minFür diejenigen, die sich für mindestens zwölf Monate auf Zeit verpflichten, bietet die Bundeswehr sogar noch weitere Förderungen: etwa einen Zuschuss für den PKW- oder LKW-Führerschein, die - privat bezahlt - heutzutage mehrere Tausend Euro kosten.
Für Jari machen Geld und Förderungen keinen Unterschied:
Man wird ja praktisch ausgebildet, um Menschen zu töten, möglichst effektiv, möglichst schnell. Und das ist für mich kein Geld der Welt wert.
Jari Weckman
ZDFheute Infografik
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Neue Musterungszentren werden aufgebaut
Anlaufstellen für die Musterungen werden die 15 Karrierecenter der Bundeswehr und 24 weitere, neu aufzubauende Musterungszentren sein. Dabei orientiere man sich laut Bundesverteidigungsministerium am schwedischen Modell. Das heißt, die neuen Zentren sollen optisch heller und offener gestaltet werden als die Kreiswehrersatzämter in früheren Zeiten.
Auch wenn er nicht zum Bund möchte, geht Jari davon aus, dass sich viele Freiwillige finden. So nimmt er es in seinem Freundeskreis wahr. Mit zunehmender Anzahl an versandten Fragebögen werden dann auch Politik und Gesellschaft einen Eindruck bekommen, ob der freiwillige Wehrdienst zur Verstärkung der Bundeswehr ausreicht.
Svenja Bergerhoff und Svenja Dohmeyer sind Reporterinnen im ZDF Landesstudio Niedersachsen.
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