Koalition in schwerem Fahrwasser:Miersch: SPD lässt sich "nicht drohen"
von Stefanie Reulmann
SPD-Fraktionschef Miersch verteidigt Bärbel Bas gegen Kritik aus der Union. Man werde das "komplexe Gesetzesvorhaben" zur Rente "in den nächsten Wochen" voranbringen.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch im ZDF zum Stand der Reformen und zur Stimmung in der Koalition.
04.10.2026 | 5:18 minBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagt heute bei seinem Besuch in Kiew, im Inland scheine "vielen nicht klar zu sein", was eine instabile Bundesregierung bedeute. Das wäre innen- wie außenpolitisch fatal. Merz sagt: "Das hätte unermessliche Folgen für ganz Europa. Insofern werde ich alles tun, um die Regierung in Deutschland weiter stabil zu führen."
Machtwort des Kanzlers aus Kiew
Als Machtwort sei das nicht zu verstehen, sagt SPD-Fraktionschef Matthias Miersch am Abend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt":
Nein, denn er weiß ganz genau, dass alle in dieser Koalition sich der Verantwortung bewusst sind und dass wir über den besten Weg streiten, das gehört dazu.
Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef
Am Mittwoch haben sich CDU/CSU und SPD nach zähem Ringen im Kabinett auf eine Reform der Pflegeversicherung geeinigt. Lange war offen, ob die Einigung so kurzfristig gelingt. Es heißt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe zum Telefonhörer gegriffen und mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) telefoniert.
Statt in einen ruhigen Arbeitsmodus zu finden, herrscht in der schwarz-roten Koalition bei den Themen Pflege, Rente und Steuern Dauerstreit.
04.10.2026 | 4:06 minSPD will Profil schärfen
Auf die Frage, ob man der SPD drohen müsse, damit sie sich bewegt, sagt Miersch im ZDF:
Nein, die SPD lässt sich auch nicht drohen, denn es geht uns um Überzeugung und dass wir gesagt haben, wir wollen nicht weiter so machen.
Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef
Bei der Pflege gehe es "eben nicht nur um Kürzungen, sondern um strukturelle Veränderungen, Verbesserungen und auch um Gerechtigkeit". Zugleich betont Miersch, seine Ankündigung vom letzten Wochenende, die Pflegereform zu blockieren, falls SPD-Positionen nicht in den Entwurf aufgenommen werden, sei nicht als Drohung zu verstehen gewesen. Er habe nur "sehr deutlich gemacht, worauf es der SPD" ankomme. Er sagt:
Ich denke, klare Ansagen darf man auch machen, denn sonst wird man profillos.
Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef
Bei der Pflegereform habe die SPD jetzt erreicht, dass "diese Kürzungsorgie, die vorgesehen war", nicht durchgesetzt worden sei, sagt Miersch. Das "Rumpfgesetz", das "als Notfall-OP dient, um die Beitragssteigerung zu verhindern" käme nun ins Parlament. Jetzt seien die Parlamentarier dran und dann werde im Bundestag auch "das Thema Gerechtigkeit eine große Rolle spielen". Die SPD-Bundestagsfraktion werde jedenfalls Kürzungen ohne strukturelle Veränderungen nicht mehr mitmachen, sagt Miersch.
Das ist "ein erster wichtiger Schritt heute gewesen, der reicht aber nicht aus, um die Pflegeversicherung für die 30er Jahre fit zu machen", so Bundesgesundheitsminister Linnemann.
30.09.2026 | 6:20 minStreit der Koalitionäre hält an
Regieren statt streiten - das hatte sich die Koalition nach den desaströsen Wahlergebnissen und den Erfolgen der AfD eigentlich vorgenommen. Doch lange scheint der Vorsatz nicht gehalten zu haben.
Heftige Kritik aus der Union gab es an Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), die bislang keinen Gesetzentwurf zur geplanten Rentenreform vorgelegt hat. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) forderte Bas nun auf, den Gesetzentwurf zeitnah vorzulegen. Die Rentenreform müsse "bis zum Jahresende beschlossen sein", sagt Reiche der "Bild am Sonntag".
Wiese: Streit mache Suche nach Lösungen "langwieriger"
Der Kommissionsvorschlag liegt seit Monaten auf dem Tisch und sollte als "Gesamtkunstwerk" so belassen werden. "Rosinenpickerei" und ein Aufschnüren des Gesamtpaketes sollte vermieden werden. Darauf hatten sich Kanzler Merz und SPD-Co-Chefin Bas im Juli geeinigt - eigentlich. Doch insbesondere die Abschaffung der Rente mit 63 lehnt die SPD ab.
Die Rentenkommission hat vorgeschlagen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren zu streichen. Der Entwurf stößt vielerseits auf harte Kritik – in Politik und Gesellschaft.
03.08.2026 | 3:02 minNun droht die Union damit, im Gegenzug die Einkommensteuerreform zu blockieren, bis Bas den Gesetzentwurf zur Rente vorgelegt hat. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese, versucht nun die Wogen zu glätten. In der "Süddeutschen Zeitung" sagt er:
Blockadevorwürfe, öffentliche Forderungen oder Ultimaten bringen uns ehrlich gesagt nicht weiter - sie machen die Suche nach gemeinsamen Lösungen sogar eher langwieriger.
Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer SPD-Fraktion
Miersch greift Wirtschaftsministerin Reiche an
Auch Miersch wehrt sich im ZDF gegen die Kritik aus der Union und verteidigt seine Parteikollegin Bas. Die Rentenreform, das seien "komplexe Gesetzesvorhaben", die Zeit bräuchten. Gleichzeitig kritisiert er Bundeswirtschaftsministerin Reiche:
Ich warte auch noch auf die eine oder andere Frage bei Frau Reiche zum Beispiel.
Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef
Einen Zeitplan, wann Bas den Gesetzentwurf vorstellen will, nennt Miersch nicht, sagt aber, er sei "sehr guten Mutes", dass es gelinge, das "in den nächsten Wochen zu klären". Am kommenden Mittwoch trifft sich der Koalitionsausschuss.
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