Katja Wolf (BSW) bei "Lanz":Das letzte Gespräch mit Wagenknecht? Anderthalb Jahre her
von Bernd Bachran
Katja Wolf und Sahra Wagenknecht stehen für unterschiedliche Vorstellungen im BSW. Bei "Markus Lanz" sprach Wolf über den Parteikurs, die AfD und Verantwortung.
Zur Regierungsfähigkeit des BSW und zur Stimmung in Ostdeutschland, zum Umgang des BSW mit der AfD und wie die BSW-Gründerin ihre Partei im Wahlkampf aufstellt.
28.08.2026 | 76:53 minDie Spannungen im BSW zwischen Gründerin Sahra Wagenknecht und Thüringens Landesvorsitzender Katja Wolf gelten seit Langem als offenes Geheimnis. Wie distanziert das Verhältnis der beiden führenden Politikerinnen tatsächlich ist, machte Wolf am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" deutlich.
Dort erklärte die stellvertretende Ministerpräsidentin Thüringens mit einem Augenzwinkern, sie und Wagenknecht würden "nicht zusammen in den Urlaub fahren oder jeden Abend miteinander telefonieren". Das letzte persönliche Gespräch zwischen beiden habe nach Wolfs Angaben vor rund eineinhalb Jahren stattgefunden.
Wolf gegen Wagenknecht: Eine Partei, zwei Ansätze
Wolf sagte: "Wir haben unterschiedliche Politikansätze. Das ist deutlich geworden in den letzten Wochen und Monaten. Für mich bedeutet Politik, in Verantwortung zu gehen."
Nach dem Entzug seines Doktortitels bleibt Thüringens Ministerpräsident Voigt im Amt. SPD und BSW führen die Koalition mit der CDU fort. Damit widerspricht das BSW in Erfurt der Bundesspitze.
17.08.2026 | 1:30 minBSW-Gründerin Sahra Wagenknecht beansprucht trotz ihres Rückzugs vom Parteivorsitz weiterhin Einfluss auf die politische Ausrichtung der Partei. So forderte sie zuletzt, dass das BSW in Thüringen die Koalition mit CDU und SPD aufkündigen und Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht länger unterstützen soll.
Die Thüringer BSW-Landesvorsitzende und stellvertretende Ministerpräsidentin Katja Wolf lehnt diesen Kurs jedoch ab. Bei "Markus Lanz" zeigte sie sich betroffen darüber, wie sie von der Forderung Wagenknechts erfahren habe: "Das habe ich einer E-Mail des Bundesvorstands entnommen. Ich habe das in der E-Mail, in die der Beschluss hineinkopiert worden war, entsprechend gelesen."
Das habe sie schon betroffen gemacht. "Da stand nicht mal drin, wann der Landesvorstand beziehungsweise der Bundesvorstand getagt hat, ob er beschlussfähig war oder ob ordnungsgemäß eingeladen worden war" - die Formalien seien nicht eingehalten worden.
Das hat dann schon gesessen, weil ich finde: So geht man nicht miteinander um.
Katja Wolf, BSW
Die BSW-Bundesspitze fordert den Rücktritt des Thüringer CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt und das Ende der Brombeer-Koalition. Die Thüringer BSW stellt sich dagegen.
17.08.2026 | 2:49 minZeit-Ressortleiterin: "Strategisches Dilemma" begleitet BSW
Anne Hähnig, Ressortleiterin Politik bei der Zeit, sprach von einem "strategischen Dilemma", das das BSW seit seiner Gründung begleite. Ein Teil der Anhänger sei zur Partei gekommen, um sich der AfD entgegenzustellen und insbesondere Björn Höcke zu verhindern. Bei Sahra Wagenknecht hingegen sei von Anfang an klar gewesen: "Die will anti-mainstream sein", so Hähnig. Und sagt weiter:
Sie gefällt sich nicht in der Rolle, eine Regierung mitzutragen, sondern Sahra Wagenknecht will tagsüber Hegel und Marx lesen und abends in der Talkshow die Bundesregierung kritisieren.
Anne Hähnig, Zeit
Höcke-Angebot als weiterer Konfliktpunkt
Ein weiterer Beleg für die tiefen Differenzen zwischen Wolf und Wagenknecht war der Umgang mit dem überraschenden Angebot des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke, Wagenknecht das Amt der Ministerpräsidentin anzubieten. Wolf erfuhr nach eigenen Angaben sowohl von Wagenknechts Reaktion auf das Angebot als auch von der vorherigen Beschlussfassung des BSW-Bundesvorstands lediglich über die sozialen Medien.
Zur grundsätzlichen Zusammenarbeit mit der AfD erklärte Wolf, eine Brandmauer dürfe nicht dazu führen, dass die Partei in ihren demokratischen Rechten eingeschränkt werde. Es sei aus ihrer Sicht falsch, AfD-Politikern grundsätzlich Ausschussvorsitze oder den Anspruch auf das Amt eines Landtagsvizepräsidenten zu verwehren.
Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kämpft das BSW um den Einzug in den Landtag. Parteigründerin Sahra Wagenknecht kündigt an, einzelne Vorhaben der AfD im Land unterstützen zu wollen.
21.08.2026 | 1:55 min"Ich glaube, das muss Demokratie aushalten. Und ich glaube, den Diskurs auch über AfD-Anträge muss eine Demokratie aushalten. (...) 'Man redet nicht miteinander' ist wirklich der falsche Weg", so Wolf. "Wir müssen [den Umgang mit der AfD] insoweit lernen und mit einer demokratischen Gelassenheit hinnehmen."
Für Wolf wäre "das direkte In-die-Macht-Verhelfen der AfD" eine Grenzüberschreitung. "Das darf nicht passieren. Das wäre die Grenzüberschreitung. Und die ist für mich unvorstellbar."
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