Industrielle KI:Ökonomin zu KI in Deutschland: Sitzen auf einem Datenschatz
Ulrike Malmendier sieht "enorme Chancen" für Deutschland bei industrieller KI. Dafür brauche es Rechenkapazitäten und zukunftsorientierte Investitionen, sagt die Ökonomin.
Die Kooperation mit Nvidia sei ein wichtiger Schritt für Deutschland, so die Ökonomin Prof. Ulrike Malmendier. Sie sei "der Anschub, den wir jetzt gebraucht haben", sagt sie.
19.10.2026 | 17:35 minDie Bundesregierung will Deutschland zum Vorreiter für industrielle KI machen. Dabei soll der US-Technologiekonzern Nvidia helfen. Auf der Konferenz "Invest in Germany" am Montagabend in Berlin haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Nvidia-Chef Jensen Huang eine Zusammenarbeit bekanntgegeben: Nvidia will seine Kooperation mit deutschen Partnern ausbauen, künftig auch kleinere und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen mit KI-Modellen versorgen.
Die Ökonomin Ulrike Malmendier sieht gute Voraussetzungen für die deutsche Industrie bei der KI-Transformation - und lobt den Vorstoß der Bundesregierung.
Sehen Sie das Interview mit Ulrike Malmendier oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Malmendier sieht in Deutschlands Historie als Industrienation einen Vorteil
Deutschlands Stärke liegt nach Ansicht der Ökonomin Ulrike Malmendier in seiner industriellen Erfahrung. "Wir sitzen nämlich auf dem Datenschatz, auf den industriellen Daten, die wir als Industrienation seit Jahrzehnten angesammelt haben", sagt sie. Mit diesen Daten ließen sich KI-Modelle trainieren, um Produktion, Planung und Reparaturen zu verbessern. Deutschland befinde sich dadurch in einer "wirklich einzigartigen Wettbewerbssituation".
...lehrt als Professorin für Finanzmarktökonomik an der University of California in Berkeley/USA. Von August 2022 bis Februar 2026 gehörte sie zu den fünf "Wirtschaftsweisen", dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zu der das Gremium jährlich einen Bericht verfasst.
Sie erlaube es, "Modelle zu entwickeln, die nirgendwo anders entwickelt werden können". Doch dabei müsse sich die deutsche Industrie beeilen. "Insofern ist es gut, dass jetzt der Anstoß kommt", so Malmendier.
Rechenkapazität laut Ökonomin ein Schlüssel
In einer weiteren Sache könnte Deutschland einen Vorteil haben: Eine der größten Sorgen KI-orientierter Tech-Firmen in den USA sei zurzeit, "dass sie nicht genügend Rechenkapazität haben, gerade mit den Grafikprozessoren", so Malmendier. Genau diesen Engpass wolle die Bundesregierung für die deutsche Industrie beseitigen. Damit würde sie eines der größten Wachstumshemmnisse aus dem Weg räumen.
Die Bundesregierung will bei einem Investitionsgipfel deutlich mehr privates Kapital für Investitionen mobilisieren. Ziel: Mehr Produktivität und Wirtschaftswachstum auch durch KI.
19.10.2026 | 2:48 minEinen direkten Deal mit Nvidia zu schließen und dort Kapazitäten zu suchen, sei sehr hilfreich und zugleich ein wichtiges Signal, erklärt sie. "Ich glaube, das ist genau der Anschub, den wir jetzt brauchen, um in dem Bereich industrielle KI ganz vorne mitzumachen", sagt die Ökonomin.
Die Hoffnung, bei der Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz mit den USA und China gleichzuziehen, hält Malmendier allerdings dennoch für "etwas illusorisch". Im weltweiten Rennen lägen die beiden Staaten an der Spitze.
Die Bundesregierung will eng mit Nvidia kooperieren. Ziel sei, dass Investitionen gehebelt, also vervielfacht, würden, sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondent Wulf Schmiese.
19.10.2026 | 6:03 minEuropäischer Binnenmarkt könnte Attraktivität steigern
Eine Chance für Deutschland sieht Malmendier in einem leichter zugänglichen europäischen Markt. "Wenn wir wirklich einen europäischen Markt haben wollen, dann sollten wir den Binnenmarkt einfacher, friktionsloser gestalten", sagt sie.
Als Beispiel nennt sie die diskutierte "EU Inc.": Unternehmen sollten nach einer Gründung in einem Land EU-weit tätig sein können, ohne sich ständig auf andere nationale Bedingungen einstellen zu müssen. Das würde Deutschland und Europa nach der Einschätzung Malmendiers attraktiver machen.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Das Interview mit Ulrike Malmendier führte Philipp Wortmann.
Mehr zu industrieller KI in Deutschland
Vereinbarung mit Nvidia:Deutschland will KI-Entwicklung in der Industrie voranbringen
mit Video2:48Investitionsgipfel in Berlin:Kann Deutschland bei KI aufholen? Experte sieht drei Faktoren
von Silas Thelenmit Video13:27Stargast bei Merz' Investitionsgipfel:Nvidia-Chef Jensen Huang: KI-Visionär in Lederjacke
mit Video3:42- FAQ
Investitionsgipfel in Berlin:Merz will Investoren an Land ziehen
mit Video3:42