Lehrer-Protest in Stuttgart:Nach Referendariat: In den Sommerferien erst mal arbeitslos
von Pablo Silalahi und Sven Class
In Baden-Württemberg stehen angehende Lehrer in den Sommerferien erst einmal ohne Job da - dagegen richtet sich seit Jahren Protest. Auch in diesem Sommer.
In Baden-Württemberg werden junge Lehrkräfte während der Sommerferien entlassen. Die Lehrergewerkschaft GEW protestiert gegen diese Praxis.
30.07.2026 | 1:29 minSeit Ende der Woche sind mit Bayern und Baden-Württemberg die beiden letzten Bundesländer in die Sommerferien gestartet. Für viele Referendare im Südwesten bedeutet das: Sechs Wochen Arbeitslosigkeit. Denn in Baden-Württemberg gilt: Wenn das Schuljahr endet, endet auch ihr Vertrag. Gehalt gibt es während der Ferien keins - auch wenn die frisch ausgebildeten Lehrkräfte für das neue Schuljahr schon einen Job haben.
So ging es auch Stefan Gretzinger. Der 33-Jährige ist Lehrer in Sankt Leon-Rot im Norden von Baden-Württemberg. 2021 - in seiner Zeit als Referendar - war Gretzinger während der Sommerferien arbeitslos. Ein Skandal, sagt er im Gespräch mit ZDFheute: "Ich habe 18 Monate in meinem Referendariat echt gearbeitet und malocht, habe Prüfungen durchgestanden, habe auch schon die Zusage gehabt für meine Planstelle, aber musste trotzdem sechs Wochen in die Arbeitslosigkeit."
Auf der Bildungsministerkonferenz in Berlin plädiert Sachsens Kultusminister für weniger Verbeamtungen von Lehrkräften. Die steigenden Pensionslasten seien für viele Kommunen kaum noch zu stemmen.
26.03.2026 | 1:39 minScharfe Kritik von Lehrergewerkschaft GEW
Gretzinger hatte Glück. Jetzt ist er verbeamteter Lehrer und Gewerkschaftsmitglied. Er hat keine Probleme sich öffentlich zu äußern - aktuelle Referendare wollen nicht vor die Kamera. Aus Angst, keinen Anschlussjob zu finden.
Simon will deshalb nicht mit vollem Namen genannt werden. Der Lehramtsanwärter aus der Rhein-Neckar-Region ist ab 1. August arbeitslos. Statt in den Urlaub geht es für ihn zur Arbeitsagentur. Er findet die aktuelle Situation "enttäuschend" - arbeitet auch während der Sommermonate weiter, um sich fürs neue Schuljahr vorzubereiten. Ohne dafür bezahlt zu werden.
Bei einem Projekt der TU Dresden unterrichten Lehramtsstudierende schon während ihres Studiums an Schulen, um dort Praxiserfahrung zu sammeln. Das soll dem Lehrermangel entgegenwirken.
17.02.2026 | 1:58 minDie Lehrergewerkschaft GEW kritisiert die Situation im Land scharf - die Landesvorsitzende Monika Stein warnt:
Wir laufen Gefahr, dass uns die Menschen abhandenkommen, die in Baden-Württemberg auf Steuergelder ausgebildet wurden und jetzt in andere Bundesländer oder die Schweiz gehen.
Monika Stein, Landesvorsitzende GEW
Referendare auch in Hessen und Rheinland-Pfalz betroffen
Baden-Württemberg ist nicht das einzige Land, das Referendare in den Sommerferien nicht bezahlt. In Hessen werden die neuen Lehrkräfte zum jeweils aktuellen Schuljahr drei Tage vor Unterrichtsbeginn eingestellt, wenn die Arbeitskraft benötigt wird. "Eine zwischenzeitliche finanzielle Überbrückung ohne Beschäftigungsgrund durch Steuergeld wäre nicht mit dem zu Recht geforderten Haushaltsprinzip der Sparsamkeit vereinbar" so ein Sprecher auf ZDF-Anfrage.
Laut der Lehrkräfte an Darmstädter Grundschulen habe die Bedürftigkeit der Schüler zugenommen, vielen fehle es an Fähigkeiten. Sie fordern kleinere Klassen und eine bessere Betreuung.
30.01.2026 | 2:03 minUnd auch in Rheinland-Pfalz gibt es die Sommerferien-Lücke bei der Bezahlung. Auch hier verweist das Ministerium auf die Kosten für die Steuerzahler: "Wie auch in anderen Branchen und Berufen üblich gilt: Arbeitsverträge werden im Regelfall nur geschlossen, wenn die Arbeitsleistung - in diesem Fall also der Unterricht - tatsächlich erbracht wird bzw. werden kann."
CDU-Kultusminister will Änderung für Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg würde der zuständige Kultusminister Andreas Jung (CDU) die Situation gerne ändern. Sein Ministerium erarbeitet derzeit ein Konzept. Aber auch im finanzstarken Ländle fehlt das Geld.
Über die Sommerferien die 4.000 fertig ausgebildeten Lehrkräfte in Baden-Württemberg weiter zu beschäftigen, würde nach Schätzungen jährlich rund 11,5 Millionen Euro kosten.
Pablo Silalahi und Sven Class berichten aus dem ZDF-Studio in Baden-Württemberg.
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