"Lanz"-Debatte über FDP-Vorsitz:Strack-Zimmermann fürchtet Annäherung der FDP an AfD
von Bernd Bachran
Strack-Zimmermann verteidigt ihre Kandidatur gegen Kubicki und warnt vor einer Annäherung an die AfD. SPD-Politiker Karl Lauterbach fühlt sich derweil an Ampel-Zeiten erinnert.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 2. Juni 2026 in voller Länge.
02.06.2026 | 75:52 minDie Wahl des FDP-Vorsitzes entwickelte sich am vergangenen Wochenende überraschend zu einer Kampfabstimmung zwischen Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Kubicki setzte sich zwar durch, doch das knappe Ergebnis von rund 59 zu 39 Prozent der Delegiertenstimmen machte die innerparteilichen Spannungen deutlich.
Strack-Zimmermann begründete ihre spontane Kandidatur damit, eine Annäherung der FDP an die AfD verhindern zu wollen. Zuvor hatte Kubicki mit Aussagen wie "Brandmauer? Kenne ich nicht" bei Kritikern die Sorge geweckt, die Partei könne sich stärker nach rechts orientieren.
Nach überraschender Gegenkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann wurde Wolfgang Kubicki zum neuen FDP-Parteivorsitzenden gewählt. Er erhielt knapp 60 Prozent der Stimmen.
30.05.2026 | 2:47 minStrack-Zimmermann: "Er war sichtlich überrascht“
Am Dienstagabend erklärte die Vorsitzende der FDP-Delegation im EU-Parlament bei "Markus Lanz", sie habe sich erst am Freitagmorgen vor der Wahl im Freundeskreis beraten und sich dann spontan für eine Kandidatur um den FDP-Vorsitz entschieden.
Das habe ich nicht gemacht, weil ich mal Lust auf Rambazamba hatte, sondern um klarzumachen, dass es in der FDP Menschen gibt, die beunruhigt sind über eine mögliche Ausrichtung [der FDP].
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin
Im Vorfeld hatte Strack-Zimmermann nur wenige Menschen ins Vertrauen gezogen und auch Wolfgang Kubicki nicht von ihrer geplanten Kandidatur in Kenntnis gesetzt. Das habe man auf dem Parteitag gesehen: "Während ich sprach, war Wolfgang Kubicki nicht wirklich amüsiert", so Strack-Zimmermann. Kubicki sei davon ausgegangen, dass er in einem Rutsch gewählt werde. "Er war sichtlich überrascht."
Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte sich beim FDP-Parteitag überraschend für den Vorsitz beworben - und gegen Wolfgang Kubicki verloren. Nun sagt sie ihm ihre Unterstützung zu.
31.05.2026 | 0:27 minKarl Lauterbach: FDP ist eine halbseidene Partei
Im Zusammenhang mit der FDP-Vorsitzendenwahl sprach Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) von einem "Zirkus", der ihn an das "Lügengerede von Christian Lindner" erinnere. Die Liberalen hätten, so Lauterbach weiter, schon damals, als Partner der damaligen Ampel-Regierung, insgeheim auf das Scheitern der Ampel-Koalition hingearbeitet.
Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei. (…). Jetzt sind sie nicht in der Regierung und streiten untereinander. Aber genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel all die Zeit erlebt. Das war einfach ganz schrecklich.
Karl Lauterbach, ehemaliger Gesundheitsminister
Es seien schwierige wirtschaftliche Zeiten, so Lauterbach weiter. Da brauche man "so eine halbseidene Partei wie die FDP zumindest nicht in der Regierung."
Beim Bundesparteitag der FDP wurde der bayerische Landespolitiker Martin Hagen zum neuen Generalsekretär gewählt. Der schwarz-roten Bundesregierung warf er mangelnden Reformwillen vor.
31.05.2026 | 0:19 minStrack-Zimmermann und Lauterbach im Schlagabtausch
Daraufhin reagierte Marie-Agnes Strack-Zimmermann erbost: "Sie waren mal Gesundheitsminister, sind es auch nicht mehr. Ich käme nie auf die Idee, Ihnen vorzuwerfen, dass man Sie schlichtweg nicht mehr als Minister wollte, weil Sie allen auf den Geist gegangen sind."
Nach eigenen Angaben erhielt die FDP-Politikerin zahlreiche E-Mails aus Lauterbachs Partei. Viele Absender hätten sich gewünscht, auch auf ihren Parteitagen werde so offen gestritten, statt dass Debatten weitgehend vorgeplant abliefen.
Darauf konterte Lauterbach: "Ich hätte mich ja sogar gefreut, wenn sie gewonnen hätten. Es geht hier lediglich um den Stil."
Es macht auf mich den Eindruck, wie wir es auch in der Regierung erlebt haben, dass sie etwas Spontanes vortäuschen, was in Wirklichkeit geplant gewesen ist.
Karl Lauterbach, ehemaliger Gesundheitsminister
"Die FDP wird sich niemals gegenüber der AfD öffnen," so Finn Flebbe, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, FDP. Freie Demokraten haben "überhaupt keine Überschneidungsmöglichkeit in den relevanten Punkten mit einer extremistischen AfD".
28.05.2026 | 5:16 minÖffnet sich die FDP gegenüber der AfD?
Strack-Zimmermann erklärte, sie maße sich nicht an, über die Sozialdemokraten zu urteilen. Wenn bei der FDP jedoch nichts passiere, heiße es, die Partei sei weg vom Fenster. Dass es nun zu einer Kampfkandidatur komme, werde dann von Lauterbach so beurteilt.
Also Ihr [Lauterbachs] Kompass ist inzwischen auch irgendwo verlorengegangen.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin
Wiederholt wies Strack-Zimmermann darauf hin, dass in der FDP aktuell "sehr, sehr viele" das Gefühl hätten, die FDP könne sich unter Kubicki für die AfD öffnen. Dieses Gefühl wäre für sie der Auslöser gewesen, sich spontan als Gegenkandidatin aufstellen zu lassen. "Diese Gefahr, (…) dass man einkalkuliert, dass man gemeinsam mit der AfD in eine Richtung geht, finde ich hochproblematisch", so die EU-Politikerin. "Natürlich können Sie nicht Entscheidungen treffen und die AfD zwingen, nicht mitzustimmen."
Aber wenn Sie anfangen, Entscheidungen aufzusetzen in der Annahme, dass die AfD möglicherweise die Mehrheit herstellen könnte, dann ist das für mich persönlich, für das, was ich unter Demokratie verstehe, ein No-Go.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin
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