Rehlinger zu Rentenstreit: In jedem Schmerz steckt Merz

"Markus Lanz" über Rentenstreit :Rehlinger: In jedem Schmerz steckt Merz

von Felix Rappsilber

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Der Rentenstreit findet kein Ende. Für Anke Rehlinger ist Merz' Aussage zur gesetzlichen Rente fraglich. Sie kritisiert seinen Vorstoß als verunsichernd und erklärungsbedürftig.

Markus Lanz vom 23. April 2026: Markus Lanz, Anke Rehlinger, Daniel Friedrich Sturm, Gerrit Huy, Marcus Bensmann

Zum Rentenstreit in der Bundesregierung und zur Debatte um die Abschaffung eines Feiertages zugunsten der schwächelnden Konjunktur.

23.04.2026 | 76:13 min

Die nächste Runde im schwarz-roten Rentenstreit: Anke Rehlinger, SPD-Vizevorsitzende und saarländische Ministerpräsidentin, empörte sich am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" über den Vorstoß des Bundeskanzlers: "Die Rente ist keine Almosen- und keine Sozialleistung, sondern eine Versicherungsleistung."

Friedrich Merz habe "bedauerlicherweise einen Eindruck erweckt, der objektiv nicht richtig ist". Der Bundeskanzler hatte vor Bankenvertretern die Zukunft des derzeitigen Rentensystems infrage gestellt. Die Rentenversicherung werde allenfalls eine "Basisabsicherung" für das Alter werden.

Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Es müssten kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten, so der Kanzler weiter.

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23.04.2026 | 0:32 min

Gesetzliche Rente sichert 50 Prozent der Bevölkerung ab

Diese Aussage sei "leider wie so oft anschließend erklärungsbedürftig" und lasse viele Menschen "bestenfalls nur ratlos" zurück, so Rehlinger. Das Problem daran sei: "Das ist ja nicht alles falsch. Natürlich nennt er die drei Elemente, die in der Altersversorgung eine Rolle spielen."

Aber die Art der Formulierung, das Umfeld, das er gewählt hat, um das zu sagen (...), das muss Menschen verunsichern in diesem Land."

Anke Rehlinger, SPD

Für 50 Prozent der Bevölkerung sei die gesetzliche Rentenversicherung das Einzige, was sie haben, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern.

Dieser Anteil sei in Ostdeutschland nochmal deutlich höher, so Rehlinger weiter. Die Sozialdemokratin hinterfragte die Wirkung der Merz-Äußerung: "Was sagt das diesen Menschen (...)? Sie können ja nichts mehr ändern. Sie können jetzt keine Versicherung mehr abschließen."

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22.04.2026 | 6:12 min

Rehlinger: Wir brauchen eine Rentenreform

Die SPD-Vizevorsitzende hielt ihre Kritik nicht zurück. Die Worte des Bundeskanzlers seien "nicht hilfreich in der Debatte". Rehlinger betonte: "Wir brauchen eine Rentenreform. Das ist nicht die Frage."

Natürlich könne man über kapitalgedeckte Rentenanteile diskutieren. Dennoch störte sich Rehlinger am Ansinnen des Bundeskanzlers: "Da muss man jetzt nicht Gott und die Welt verunsichern. [Merz' Aussage] ist das Gegenmodell von: Die Rente ist sicher."

SGS- Bethmann-Leifert

Die Rentenkommission sei so heterogen besetzt, dass im Juni eher mit Kompromissvorschlägen als großen Reformen zu rechnen sei, so Frank Bethmann vom ZDF-Wirtschaftsteam.

22.04.2026 | 2:06 min

Sie scherzte auf Kosten des Bundeskanzlers: "Das passt alles so ein bisschen in diese Schmerz-Rhetorik von Merz. Da steckt quasi in jedem Schmerz auch wieder der Merz drin, (...) nach dem Motto: Das wird sich jetzt für alle ändern und dann ist das auch so."

Das Rentensystem bestehe aus mehreren Säulen. Es gebe Betriebsrenten, den gesetzlichen Anteil und den privaten Anteil:

Aus Sicht der SPD ist schon klar, dass für uns der gesetzliche Teil der wichtige ist. (...) Das jetzt so runter zu stufen, das ist nicht Sinn und Zweck.

Anke Rehlinger, SPD

SGS-Schmiese-Hayali

"Die SPD fühlt sich berufen, auf die Palme zu gehen", so ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese in Berlin. Merz sei nicht vertragstreu bei Themen, die die SPD schmerzen.

21.04.2026 | 2:27 min

Rehlinger: Merz' Basisabsicherung - Begriff ohne Idee

Rehlinger sagte: "In einem Moment, wo wir kurz davor stehen, dass die Rentenkommission ihre Vorschläge macht, sowas rauszuhauen - ich verstehe nicht den Nutzen, wenn danach konzeptionell nichts folgt."

War der Vorschlag des Bundeskanzlers mit der SPD-Führung abgesprochen? "Nicht mit mir und auch sonst nicht", antwortete Rehlinger und verwies auf die verärgerten Reaktionen der SPD-Spitze. Derzeit sei es "einfach kein guter Zeitpunkt, nochmal so loszulegen", betonte sie.

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Mit seiner Aussage, die gesetzliche Rente werde nur noch eine "Basisabsicherung" im Alter sein, sorgt der Kanzler für Diskussionen. Nicht zuletzt innerhalb der eigenen Koalition.

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Huy: AfD will 70 Prozent Rentenniveau

AfD-Politikerin Gerrit Huy bezeichnete es als eine "Illusion, dass man die gesetzliche Rente kurzfristig ablösen könnte": "Man muss sie auch gar nicht ablösen. Es ist ein gutes System, das nur 30 Jahre lang sehr schlecht behandelt wurde."

Der Staat gebe keine großen Zuschüsse an die Rentner, es sei genau umgekehrt: Er nehme Geld aus der Rentenkasse und bezahle damit Sozialleistungen.

Es bleibt eine Differenz von 40 Milliarden Euro, die den Rentnern faktisch weggenommen wird.

Gerrit Huy (AfD), Bundestagsabgeordnete

Mit Blick auf die nächsten 30 Jahre sagte Huy: "Wir wollen langfristig ein Rentenniveau von 70 Prozent haben." Das Rentenkonzept der AfD sehe vor, versicherungsfremde Leistungen zu ersetzen, Betriebsrenten zu stärken und die private Vorsorge zu erhöhen.

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 23.04.2024 ab 23:15 Uhr.

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