Jan van Aken bei "Lanz": "Wir wollen enteignen"

Ex-Linken-Vorsitzender bei "Lanz":Enteignen in Berlin? "Das kann ich Ihnen garantieren"

von Bernd Bachran

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Bei "Lanz" bekräftigt Jan van Aken die Enteignungspläne seiner Linkspartei. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) warnt dagegen vor Folgen für den Wohnungsbau.

"Markus Lanz": Sendungslogo.

Zur möglichen Regierungsbeteiligung der Berliner Linken unter Elif Eralp. Über die aktuelle Situation in CDU/CSU und der SPD sowie über den enormen Reformdruck in Deutschland.

23.09.2026 | 76:44 min

Nach ihrem klaren Wahlsieg im Berliner Abgeordnetenhaus steht Die Linke vor der Herausforderung, eine regierungsfähige Koalition zu bilden. Ausgerechnet ihr zentrales Wahlkampfversprechen - die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen - droht dabei zum Knackpunkt zu werden.

Während Die Linke das Thema zur Koalitionsbedingung macht, reagieren die potenziellen Partner zurückhaltend: Die Grünen zeigen sich zwar grundsätzlich offen, haben aber rechtliche und finanzielle Vorbehalte. Die SPD hingegen bremst deutlich und lehnt Enteignungen aus Sorge um den Haushalt und den Wohnungsneubau weitgehend ab.

Rote Rathaus in Berlin

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin könnte die Regierungsbildung nicht ganz einfach werden. Sowohl ein rot-rot-grüner Senat als auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD sind möglich.

21.09.2026 | 1:47 min

Jan van Aken: "Wir wollen enteignen"

Am Dienstagabend wollte Markus Lanz vom ehemaligen Vorsitzenden der Linkspartei, Jan van Aken, wissen, ob die Linke nach ihrem Wahlsieg in Berlin tatsächlich große Wohnungskonzerne enteignen wolle. Van Aken ließ keinen Zweifel aufkommen:

Ja, das kann ich Ihnen garantieren. Das ist unser Plan. Wir wollen enteignen, wir wollen bauen.

Jan van Aken, ehemaliger Linken-Chef

Direkt im Anschluss schränkte van Aken jedoch ein, dass dies nur mit Unterstützung von Grünen und SPD gelingen könne. Dies sei die entscheidende Voraussetzung. Er könne außerdem nicht vorwegnehmen, welche Entscheidungen eine künftige Regierung treffen werde.

Wir müssen leider mit SPD und Grünen zusammenarbeiten.

Jan van Aken, ehemaliger Linken-Chef

Allerdings habe er in der Vergangenheit bei den potenziellen Koalitionspartnern durchaus Offenheit für das Vorhaben wahrgenommen. Und für ihn sei es auch eine Frage der Demokratie: Man dürfe nicht vergessen, dass sich rund 60 Prozent der Berliner bei einem Volksentscheid im September 2021 für die Enteignung der großen Wohnungskonzerne ausgesprochen hätten.

Mietrecht

Vor fünf Jahren stimmte Berlin für die Enteignung großer Wohnungskonzerne, jetzt will die Bundesregierung solche Pläne verbieten. Berliner kämpfen derweil mit steigenden Mieten und fehlenden Alternativen.

09.07.2026 | 2:38 min

SPD-Politiker stellt Berliner Volksentscheid infrage

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Martin Hikel (SPD), hielt den Verweis auf den Berliner Volksentscheid von 2021 "für großen Quatsch". Aus seiner Sicht greife die Berufung auf das damalige Votum zu kurz, da den Wählern kein konkreter Gesetzentwurf zur Vergesellschaftung vorgelegen habe. Vielmehr sei es damals im Kern um die Frage gegangen, ob günstigere Mieten durch Vergesellschaftung erreicht werden sollten - und das hätten viele Berliner verständlicherweise bejaht.

Er rechne damit, dass die betroffenen Unternehmen gegen eine Vergesellschaftung vor Gericht ziehen würden.

 Teilnehmer einer Demonstration der Initiative Deutsche Wohnen Enteignen protestieren vor dem Willy-Brandt-Haus unter anderem mit einem Plakat „Enteignung alles muss man selber machen.

In Berlin hatte sich die Mehrheit der Menschen für die Möglichkeit, Wohnungskonzerne zu enteignen, entschieden. Nun soll das verboten werden, so die Pläne der Koalition.

03.07.2026 | 1:31 min

Wie teuer könnte es für die Berliner werden?

Wegen der Entschädigungen für die Unternehmen könnten sich die Ausgaben auf bis zu 36 Milliarden Euro belaufen, schätzte der SPD-Politiker. Berechnungen des Berliner Rechnungshofs sahen sogar ein Potenzial von bis zu 42 Milliarden Euro.

Das ist im Land Berlin ungefähr ein ganzer Jahreshaushalt.

Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln

Damit habe man keine einzige neue Wohnung geschaffen, sagte Hikel.

Van Aken behauptete hingegen, dass das Grundgesetz keine Entschädigungszahlungen zum Verkehrswert zwingend vorsehe. Maßgeblich seien vielmehr die Kosten, die Unternehmen wie Vonovia für die Wohnungen aufgewendet hätten - zuzüglich eines kleinen jährlichen Zugewinns. Daraus ergebe sich seiner Rechnung zufolge eine Entschädigung von "zwischen acht und zwölf Milliarden Euro", die über 100 Jahre abgeschrieben werden könne.

Das kostet das Staatssäckel von Berlin keinen Cent.

Jan van Aken, ehemaliger Linken-Chef

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz als Reaktion auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Berliner Abgeordnetenhauswahl in Berlin.

Die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben die politischen Kräfteverhältnisse in beiden Ländern verändert.

21.09.2026 | 43:48 min

Berliner SPD-Politiker wirft Linkspartei Spaltung vor

Der SPD-Politiker warf van Aken vor, dieser werfe in jedem Satz mit hohen Summen um sich. Zugleich verwies er darauf, dass dem Land Berlin bereits im Status quo im kommenden Jahr ein Fehlbedarf von vier Milliarden Euro drohe. Damit verstärke van Aken auch die Spaltung in der Stadt.

Das Fatalste [ist] dabei, dass die Mieten in den nächsten fünf Jahren nicht gesenkt werden.

Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln

Die Linke in Berlin habe etwas versprochen, was sie absehbar nicht halten könne, sagte Hikel. Dadurch werde der Verdruss in der Stadt noch mehr steigen, weil die Mieten nicht sinken und die Erwartungen der Menschen vor den Kopf gestoßen würden. Und dann wählten sie am Ende vielleicht was anderes.

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Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 23.09.2026 ab 01:00 Uhr.

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