"Markus Lanz" über Energiekrise:Tempolimit - oder Fracking? Was die Politik jetzt tun könnte
von Bernd Bachran
Ökonomin Claudia Kemfert plädiert für ein Energiegeld und Tempolimits, Journalist Michael Bröcker will mehr Gas fördern. "Markus Lanz" über Lösungen in der Krise.
Über die wirtschaftsökonomischen Folgen der gestiegenen Energiepreise sowie über das Entlastungspaket zur Abfederung der hohen Spritpreise.
16.04.2026 | 46:23 minDie Sperrung der Straße von Hormus infolge des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran hat eine weltweite Energiekrise ausgelöst. Mehr als 20 Prozent des globalen Ölangebots sind betroffen, viele Länder kämpfen mit stark steigenden Preisen. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von der "größten Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes".
Am Mittwochabend übte die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei "Markus Lanz" scharfe Kritik an den von der Bundesregierung geplanten Unterstützungsmaßnahmen für Industrie und Bevölkerung.
Wir sind in der schlimmsten fossilen Energiekrise, in der wir je waren.
Claudia Kemfert, Energieökonomin
Die schwarz-rote Koalition hat ein Entlastungspaket beschlossen. Für zwei Monate soll die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel gesenkt werden. Außerdem soll es einen 1.000 Euro Krisenbonus geben.
13.04.2026 | 3:15 minEnergiekrise: Klimageld als Lösung?
Claudia Kemfert sprach davon, dass sich in der momentan nicht passierbaren Meerenge von Hormus derzeit bis zu 2.000 Tanker stauen würden, was den internationalen Öl - und Flüssiggasmarkt erheblich belaste. In Deutschland seien die Folgen bislang noch kaum spürbar, betroffen sei vor allem Asien, wo es bereits teilweise zu Knappheiten komme.
Die Energieökonomin warf der Bundesregierung vor, bei der Bewältigung der aktuellen Krise auf wirkungslose oder gar falsche Strategien zu setzen. Sie konstatierte: "Wir sind in einer fundamentalen fossilen Energiekrise und haben im Moment keine Antworten darauf."
Da braucht es andere Antworten, als wir jetzt haben.
Claudia Kemfert, Energieökonomin
Kemfert schlug unter anderem vor, Klimageld oder Energiegeld an die Bürger auszuzahlen - "oder ein Mobilitätsgeld, das gerade auch niedrige Einkommensbezieher entsprechend entlastet werden."
Tanken soll günstiger werden und Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie auszahlen. Die Bundesregierung hat ihr Hilfspaket vorgestellt. ZDFheute live analysiert, was die Maßnahmen bringen.
13.04.2026 | 23:30 minMichael Bröcker: Bundesregierung wirkt planlos
Michael Bröcker, Chefredakteur von "Table Media", bemängelte die Kommunikation der Bundesregierung. Er forderte in der aktuellen Situation staatliche Maßnahmen, die sowohl zielgerichtet als auch effizient seien, um mit minimalem Aufwand einen maximalen Nutzen zu erzielen.
Nichts davon macht diese Bundesregierung gerade, weil sie selber Getriebener der Verhältnisse ist.
Michael Bröcker, Journalist
"Und diese unterschiedlichen kommunikativen Ideen aus der Bundesregierung zeigen eigentlich die Planlosigkeit", so Bröcker weiter. Er betonte, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern müsse selbstverständlich reduziert werden, aber Tempo und Maßnahmen seien entscheidend.
Zudem forderte er, das Energieangebot innerhalb Europas aktiv zu erhöhen, um die Autonomie gegenüber ausländischen Exporteuren zu stärken, solange fossile Ressourcen noch benötigt würden:
Ich will jetzt nicht über die Kernkraft reden, aber natürlich müsste man zum Beispiel auch über Fracking reden.
Michael Bröcker, Journalist
Erdgas ist teuer. Deshalb denkt etwa der CDU-Wirtschaftsrat darüber nach, das umstrittene Fracking in Deutschland zuzulassen. Inwiefern das umweltfreundlich und wirtschaftlich ist.
11.04.2026 | 0:58 minDem widersprach Claudia Kemfert deutlich und betonte, die wichtigste Maßnahme müsse zunächst das Energiesparen sein, bevor umweltschädliche Verfahren wie Fracking - insbesondere im sensiblen Naturraum des Wattenmeers - überhaupt in Betracht gezogen würden.
Deswegen muss man entsprechend [Energie] einsparen und da bietet sich beispielsweise ein Tempolimit an, vielleicht auch mal temporär.
Claudia Kemfert, Energieökonomin
In Berlin ringt die Koalition aus SPD und Union um Lösungen für Entlastungen der Bürger wegen der hohen Energiepreise. ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer berichtet vor Ort.
12.04.2026 | 1:14 minJournalist: Reiche "spricht das aus, was Merz denkt"
Michael Bröcker vermisste bei der Bundesregierung eine klare Linie, einen "Kompass". Lediglich der Bundeswirtschaftsministerin sprach Bröcker eine klare Linie aus: "Wenn ihn [Kompass] einer in der Bundesregierung hat, dann ist es eigentlich Katherina Reiche, denn die spricht das aus, was Friedrich Merz denkt, aber nicht sagen kann, weil er der SPD nicht in den Rücken fallen will."
Wirtschaftsministerin Reiche kritisiert Vorschläge der SPD für Entlastungen wegen hoher Energiepreise scharf. Nun gerät sie selbst unter Druck, auch aus der eigenen Partei.
10.04.2026 | 2:14 minDer Volkswirtschaftler kritisierte auch den beschlossenen Tankrabatt.
Die Politik müsste eigentlich sagen: 'Wir bleiben bei diesem Preis. Das sind geopolitische Schocks, wir können die nicht nach unten subventionieren. Aber wir haben einen Plan, wo wie wir euch an anderer Stelle entlasten.'
Michael Bröcker, Volkswirtschaftler
Bröcker weiter: "Aber in diesem Punkt, an dieser Benzinzapfsäule können wir nicht gegen Trump und den Iran "ansubventionieren". Und das vermisse ich. Diesen grundsätzlichen Plan."
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