"Lanz": Druck auf Rot-Grün-Rot:Schwerdtner: "Spiegel" verschlechterte Eralps Sicherheitslage
von Bernd Bachran
Bei "Lanz" verteidigt Ines Schwerdtner ihre Genossin Elif Eralp und kritisiert den "Spiegel". SPD-Politiker Fiedler warnt dagegen vor Sicherheitsrisiken durch die Berliner Linke.
Zu den umstrittenen rot-grün-roten Koalitionsverhandlungen in Berlin, zu den Veröffentlichungen des "Spiegel"-Magazins über die Linken-Politikerin Elif Eralp sowie über die US-Zwischenwahlen.
04.11.2026 | 75:31 minNach erfolgreichen Sondierungsgesprächen haben Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die SPD Anfang November die offiziellen Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer rot-grün-roten Landesregierung in Berlin aufgenommen. Die Gespräche werden jedoch weiterhin von Debatten über den Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus und Extremismus begleitet - und neuerdings auch von dem Fall um die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp (Die Linke).
Schwerdtner kritisiert "Spiegel"-Veröffentlichung
Ein Bericht des "Spiegel" machte Eralps interne Anmerkungen zu einem Interview zwischen ihr und dem Magazin öffentlich, die die Linkenpolitikerin unabsichtlich den Journalisten zugesandt hatte. Aus Eralps Anmerkungen ging hervor, dass sie aus Sorge um die Sicherheit ihrer Familie den bekannten Hamas-Sympathisanten Ibrahim Ibrahim nicht namentlich erwähnen wollte.
Kritiker sehen darin einen problematischen Umgang mit Islamismus und Extremismus. Eralp verwies dagegen auf Hinweise von Sicherheitsbehörden, entsprechende Personen nicht öffentlich zu benennen.
Die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, kritisierte die Veröffentlichung des "Spiegel" am Dienstagabend bei "Markus Lanz" scharf. Es sei ein Fehler gewesen, dass die sehr private Information über die Sorge Elif Eralps um die Sicherheit ihrer Familie überhaupt an die Redaktion gelangt sei. Zugleich betonte sie: "Eine Redaktion, die diese Information bekommt, hätte daraus nicht so eine Geschichte machen dürfen."
Die Linke in Berlin hat sich auf ihrem Sonderparteitag für Koalitionsverhandlungen ausgesprochen. Damit könnten die Gespräche mit Grünen und SPD beginnen.
31.10.2026 | 2:45 minSchwerdtner: Spiegel hat Eralps Sicherheitslage verschlechtert
Schwerdtner war der Meinung, diese Berichterstattung hätte die Sicherheitslage von Elif Eralp nicht verbessert, sondern eher verschlechtert.
Daraus eine Titelgeschichte zu machen, finde ich infam.
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Linken
Zudem wies sie den Vorwurf zurück, Eralp könne aus Angst nicht politisch handeln. Vielmehr berechtige gerade diese Erfahrung sie dazu, das Problem entschlossen anzugehen.
Die Autorisierung von Interviews sei gängige Praxis, sagt Journalistik-Professor Klaus Meier. Es sei aber richtig gewesen, dass der "Spiegel" die internen Notizen Eralps veröffentlicht habe.
30.10.2026 | 6:41 minJournalistin verteidigt "Spiegel"-Artikel über Eralp
Die Journalistin Sabine Rennefanz, die unter anderem auch für den "Spiegel" schreibt, verteidigte die Entscheidung des Magazins, diese nicht für die Öffentlichkeit gedachte Anmerkung zu veröffentlichen. "Ich kann das total nachvollziehen. Ich glaube, die Kollegen hatten da gar keine andere Möglichkeit, als das zu veröffentlichen."
Es geht ja um ein größeres öffentliches Interesse.
Sabine Rennefanz, Journalistin
Rennefanz erklärte, es gehe in diesem Fall nicht um eine diffuse Angst, wie sie viele Spitzenpolitiker heutzutage hätten. Vielmehr habe Eralp von einer konkreten Sorge gesprochen, die sich auf Personen wie Ibrahim Ibrahim beziehe.
Eralp wolle weiter Bürgermeisterin werden und sich nicht einschüchtern lassen, sagt ZDF-Berlin-Korrespondent Merseburger. Die Frage der Erpressbarkeit stelle sich aber weiterhin.
30.10.2026 | 11:54 minNach Ansicht von Rennefanz habe Eralp damit Angst vor Menschen geäußert, die der Partei in Teilen nahestünden und deren Nähe von Teilen der Partei gesucht werde.
Wenn sie [Elif Eralp] schon Angst hat (…), dann haben wir wirklich ein Problem.
Sabine Rennefanz, Journalistin
Ines Schwerdtner sprach in diesem Zusammenhang von einem "enormen Vertrauensverlust". Sie verwies auf den Zwiespalt zwischen dem hohen Gut der Pressefreiheit und der Sicherheit von Eralps Familie. Sie stellte die Frage, ob eine solche Titelgeschichte es wert sei, die Sicherheit einer Familie derart ins Rampenlicht zu stellen und womöglich zusätzlich zu gefährden.
Berlins Linken-Fraktionschefin Elif Eralp hat laut „Spiegel“ Angst vor einem Hamas-Sympathisanten. Der Mann hat Kontakte zu Mitgliedern ihrer Partei und war auf einer Wahlparty der Linken.
30.10.2026 | 2:41 minSPD-Politiker warnt vor Risiken durch die Linke
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler sah den Fall Elif Eralp lediglich als Teil eines größeren Problems, das eine Regierungsbeteiligung der Berliner Linkspartei mit sich bringen würde. Der Berliner Linken warf er ein "hochstrukturelles Problem" vor und verwies dabei auf Kontakte von Parteimitgliedern zu Clan-Angehörigen und Hamas-Sympathisanten.
Das ist ein riesengroßes Sicherheitsrisiko. Ich könnte mir kaum ein größeres vorstellen.
Sebastian Fiedler, SPD-Bundestagsabgeordneter
Fiedler, ehemaliger Kriminalhauptkommissar, sprach davon, dass der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Andy Grote (SPD), "davor warnt, dass alle Innenminister in Deutschland einen Riesenschiss davor haben, dass sie [Linkspartei] da in Regierungsverantwortung kommen."
Es gebe "einen gewissen Grund zur Sorge“, sagt Extremismus-Experte Peter Neumann. Die Hamas sei eine verbotene Terrororganisation. Laut Spiegel sorge sich Eralp um ihre Familie.
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