Nach der Wahl:Sachsen-Anhalt: Korte sieht keinen Regierungsauftrag
von Lukasz Galkowski
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt beansprucht die AfD den Regierungsauftrag für sich. Wäre eine CDU-geführte Regierung undemokratisch? Politologe Karl-Rudolf Korte ordnet ein.
Die bisherige Regierung sei klar abgewählt worden, so Politikexperte Karl-Rudolf Korte. Es gehe nun darum, Mehrheiten zu schaffen. Einen Regierungsauftrag sehe die Verfassung nicht vor.
06.09.2026 | 2:18 minIn Sachsen-Anhalt hat die AfD die Landtagswahlen klar gewonnen. Doch reicht das Ergebnis für einen Regierungsauftrag? Weil das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde balanciert, sind noch viele Szenarien denkbar - auch eine von der CDU geführte Regierung.
Der Politologe Karl-Rudolf Korte leitet aus den ersten Ergebnissen "erstmal eine klare Abwahl der bisherigen Regierung" in Sachsen-Anhalt ab. Gleichzeitig betont er aber: "Es gibt keinen Regierungsauftrag für niemanden."
Die Verfassung enthält überhaupt nicht ein Modell eines Regierungsauftrags, sondern der Sondierungsweltmeister wird am Ende Ministerpräsident in diesem Land.
Karl-Rudolf Korte, Politologe







Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt: Mehrheit im Landtag entscheidet
Am Ende käme es darauf an, wer es schafft, Mehrheiten herzustellen. Das könne sowohl die AfD als auch die anderen Parteien sein. "Wir haben ja zwei verschiedene Kulturen des 'Dagegen': die Verhinderungskoalition, die gegen die AfD angetreten ist, und die AfD ist ja auch eine Form 'Dagegen'", sagt Korte: "Was es alles bisher gab an Personen, an Prozessen, an Politik, will sie alles anders machen. Das ist interessant zu beobachten. Und da kommt es nicht nur auf kleine Verschiebungen an, sondern auf pragmatische Moderation von Mehrheiten."
Korte weist auch Behauptungen zurück, eine nicht von der AfD angeführte Landesregierung sei undemokratisch. Zur parlamentarischen Demokratie gehöre nämlich die Mehrheitsregel, erklärt Korte:
Die Mehrheitsregel ist ein wichtiger Fundus für die liberale freiheitliche Demokratie und wer Mehrheiten hinbekommt, die legitimiert sind, kann am Ende auch diese Mehrheiten dahin führen, einen Ministerpräsidenten wählen zu lassen.
Karl-Rudolf Korte, Politologe
Laut dem AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla werde die Partei in Sachsen-Anhalt auch mit nur einer Stimme Mehrheit regieren. Die AfD sei bereit zu Gesprächen mit anderen Parteien.
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Es gebe viele Beispiele auf Landes- und Bundesebene, bei denen nicht der Sieger am Ende den Regierungschef gestellt habe.
Korte verteidigte außerdem Wähler, die taktisch gewählt haben. "Da ist erstmal nichts dran auszusetzen, weil es natürlich jeder anwenden kann im Sinne einer Mobilisierung." Es gebe ganz unterschiedliche Wählertypen: "Das können paradoxe Wähler sein, das können Wähler sein, die vom Layout her wählen, das können eben auch Wähler sein, die sehr taktisch darauf aus sind, zu den Fans des Erfolgs am Ende dazuzugehören."
Das ist berechtigt und jeder könnte so eine Kampagne starten.
Karl-Rudolf Korte, Politologe
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