Klingbeil: "Ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen"

Finanzminister verteidigt Reformpaket:Klingbeil: "Ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen"

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Finanzminister Klingbeil verteidigt in der ARD die Pläne für eine Krankschreibung ab dem ersten Tag, plädiert aber für eine pragmatische Umsetzung. Doch die Kritik reißt nicht ab.

Finanzminister Klingbeil mit ARD-Moderator Matthias Deiss im TV-Studio.

Finanzminister Klingbeil mit ARD-Moderator Matthias Deiss beim ARD-Sommerinterview.

Quelle: Agenturfotos News-Pool

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat am Sonntag im ARD-Sommerinterview das Reformpaket der schwarz-roten Koalition gegen Kritik verteidigt - insbesondere die verschärften Regeln zur Krankschreibung ab dem ersten Tag. Er sei sicher, dass hier "eine pragmatische Umsetzung" möglich sei. Klingbeil sah dabei zwei Elemente als Lösung:

Wenn man erstens sagt, ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen und auch nicht krank auf die Arbeit schleppen. Und das Zweite ist: Am besten geben wir den Tarifpartnern oder den Betrieben Möglichkeiten, das Ganze so zu regeln, wie sie es gerne hätten.

Finanzminister Lars Klingbeil

Er denke, dass auch eine Reihe von Arbeitgebern nicht auf die Krankschreibung am ersten Tag bestehen werde.

Mehrere Formulare zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegen neben einem Blister mit Tabletten auf einem Tisch.

Die Reformpläne der Koalition sorgen für Kritik. Unter anderem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.

03.07.2026 | 1:28 min

Kritik an Krankschreibungsplänen hält an

Die Kritik an der geplanten Reform der Krankschreibung an Tag eins hält unterdessen an. Sie fuße "auf dem tiefen Misstrauen gegenüber kranken Arbeitnehmern", sagte Anja Biel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). "Das befördert zwangsläufig mehr Präsentismus - also die Arbeit trotz Erkrankung - mit allen negativen Folgen: weniger Produktivität und mehr chronische Erkrankungen."

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze (SPD), äußerte sich kritisch - vor allem zum geplanten Aus der telefonischen Krankschreibung: "Das Aufsuchen einer Arztpraxis ist bei vielen Krankheitsbildern eine unnötige Belastung für alle und erhöht die Ansteckungsgefahr."

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Die Regierung kehre zu einer Regelung zurück, die bis zur Pandemie in Deutschland gegolten habe, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei Maybrit Illner.

02.07.2026 | 0:54 min

Reichensteuer soll Steuerentlastung finanzieren

In den Reformbeschlüssen sei "auch vieles für Arbeitnehmer drin", sagte Klingbeil. So würden Familien steuerlich entlastet und Sonn- und Feiertagszuschläge stärker steuerlich begünstigt. Die von der Koalition vereinbarte Steuerentlastung für kleine und mittlere Einkommen von zehn Milliarden Euro sei "ein wichtiger Schritt", betonte er.

Denn für eine Familie, auf die an anderer Stelle Belastungen zukämen, seien "600 Euro im Jahr nicht nichts". Durch die Gesundheits- und Rentenreform werde "es zu Belastungen kommen und deswegen ist aber umso wichtiger, dass es diese Entlastungsperspektive auch gibt", sagte Klingbeil. Wichtig sei aber, "dass dieses Land gerechter gestaltet wird". Deswegen habe er auch sehr dafür gekämpft, dass nun die Reichensteuer zur Gegenfinanzierung der Steuerentlastung ausgeweitet werde.

SGS Klingbeil und Slomka

SPD-Chef Lars Klingbeil zeigt sich im heute journal optimistisch: Man werde alle geplanten Reformen auch umsetzen. Deutschland sei ein blockiertes Land. Das müsse sich ändern.

02.07.2026 | 7:55 min

Klingbeil betonte, die Reformen der Sozialsysteme seien notwendig. Hier nichts zu tun, "wäre das Schlimmste, was man diesem Land gerade antun kann". Denn "wenn wir nichts machen bei Rente, dann wird es teurer und die Rente wird schlechter."

Klingbeil sieht die Koalition mit dem am Mittwoch beschlossenen Paket mit insgesamt 34 Maßnahmen noch lange nicht am Ende des Reformpfads: "Wir haben jetzt ein kleines Stück Weg geschafft, aber noch nicht mehr", sagte er. "Und deswegen muss der Anspruch hoch bleiben."

Auf dem Bild ist Jouristin und Journalistin Charlotte Greipl zu sehen.

In vielen Arbeits- und Tarifverträgen würden andere Regeln zur Krankschreibung gelten, sagt ZDF-Korrespondentin Charlotte Greipl. Hier könne ein Attest weiterhin erst später nötig sein.

03.07.2026 | 9:17 min

Quelle: AFP, epd
Das ZDF hat in verschiedenen Sendungen über das geplante Reformpaket und die möglichen Änderungen bei der Krankschreibung berichtet, unter anderem in der heute-Sendung am 03.07.2026 ab 19 Uhr.

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