Diskussion bei "illner":Fall Epstein: Grünen-Chefin fordert deutsche Ermittlungen
von Torben Schröder
Der Epstein-Skandal müsse die Bundesregierung und Europol auf den Plan rufen, fordern Grünen-Chefin Brantner und FPD-Politikerin Strack-Zimmermann. Es gehe auch um die Sicherheit.
Sehen Sie hier die Sendung maybrit illner vom 26. Februar 2026.
26.02.2026 | 63:11 minDer Fall des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und seines Netzwerks sollte auch die Bundesregierung und das Europäische Polizeiamt (Europol) auf den Plan rufen. Das fordern die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner und die FPD-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann in der ZDF-Sendung "maybrit illner".
Viele Opfer hätten, sagt Brantner, ihre Rechte noch nicht wirklich einklagen können. Die Frage sei, ob das Justizsystem in den USA dies überhaupt ermögliche.
Ich finde, dass wir in Europa auch eine Verantwortung haben, das zu machen.
Franziska Brantner, Vorsitzende der Grünen
Es gebe noch keine strafrechtlichen Ermittlungen in Deutschland in dieser Angelegenheit. "Das halte ich für falsch", sagt Brantner.
Die Epstein-Akten zeigen Kontakte des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zum Investor Henry Jarecki. Jareckis finanzielle Verbindungen nach Heidelberg stehen nun in der Kritik.
25.02.2026 | 2:52 minStrack-Zimmermann: Den Geldflüssen folgen
Strack-Zimmermann pflichtet bei und bringt Europol-Ermittlungen ins Spiel, um Täter dingfest zu machen. Und: "Follow the money", man sollte den Geldflüssen folgen.
Wenn sich Banken mitschuldig gemacht haben, muss da eingegriffen werden.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FPD-Politikerin
Brantner betont: "Wir sehen in den Unterlagen, wie auch Sicherheitsdienste involviert waren." Europa und Deutschland müssten wissen, wer noch erpressbar sei. Dem müsse dringend nachgegangen werden.
Bei der Deutschen Bank war Epstein Kunde. Die veröffentlichten Unterlagen zeigen nun: Die Bank hielt an ihm als Kunde fest - auch noch, als es interne Warnungen gab.
11.02.2026 | 2:36 min"Ich habe keine Beweise, aber ich warte darauf, dass das auch in Deutschland aufploppt. Es ist ganz unwahrscheinlich, dass das Ökosystem dieses Menschenhandels nur in den Vereinigten Staaten ist", sagt Strack-Zimmermann.
Von Königshäusern wisse man schon, dass sie in Teilen ins System Epstein verstrickt waren. Es gelte, mit großer Aufmerksamkeit am Thema dran zu bleiben, insbesondere im Sinne der Opfer, aber auch, um den Tätern - und auch Täterinnen - auf die Spur zu kommen.
Das sind mafiöse Strukturen, und sie funktionieren nur, weil man sich innerhalb der Struktur gegenseitig stützt.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FPD-Politikerin
Der Fall von Ex-Prinz Andrew wirft ein Schlaglicht auch auf Jeffrey Epsteins geschäftliche Interessen. Nils Metzger vom ZDFheuteCheck gibt Einblicke in ein weltweites Netzwerk.
20.02.2026 | 19:44 minTheologin: "Was haben die für ein Frauenbild?"
Europa habe, sagt Brantner, die Verantwortung, aufzuzeigen, "dass Recht noch etwas wert ist, dass nicht jemand über dem Recht steht, sondern dass es für alle gilt". Europa könne, pflichtet Strack-Zimmermann bei, in dieser Hinsicht auch im Wettbewerb um die Köpfe mit den USA punkten.
"Epstein hat sich einen Markt in Europa geschaffen", sagt die evangelische Theologin Margot Käßmann.
Man hat ja schon Angst, wenn man morgens die Nachrichten hört - wer ist jetzt wieder dabei?
Margot Käßmann, Theologin
Im Zuge des Epstein-Skandals seien Abgründe zu sehen. Da sei viel Vertrauen auch in Menschen mit Leitungsfunktionen zerstört worden, so Käßmann.
"Was haben die für ein Frauenbild?", fragt Käßmann und antwortet selbst: "Die kann ich mir kaufen, das ist meine Macht." Es gehe um Machtstrukturen im Glauben, straffrei kriminelle Handlungen begehen zu können. Das erschüttere auch die Hoffnung auf ein fortschrittlicheres Frauenbild.
Das Zurückhalten von Dokumenten wäre ein schwerer Verstoß gegen das verabschiedete Gesetz, dass das Justizministerium alle Dokumente veröffentlichen muss, sagt US-Korrespondent Elmar Theveßen.
25.02.2026 | 14:07 minJournalistin: Wenig Vertrauen in die US-Behörden
"Es gibt ein massives, berechtigtes Vertrauensproblem in die Aufklärungsarbeit des amerikanischen Justizministeriums", hält die Journalistin Annett Meiritz ("Handelsblatt") fest. Die Unabhängigkeit der Schnittstellen der amerikanischen Justiz zum Weißen Haus sei verloren gegangen. Zwei Stränge seien an dem Skandal besonders interessant - die Frage der Strafbarkeit und die darüber liegenden Strukturen.
Das Problem für US-Präsident Donald Trump sei, dass seine Rolle in den Epstein-Akten ihn als Teil des Establishments erscheinen lasse, was seinem sorgsam aufgebauten Image als Systemsprenger entgegen wirke. Das werde ihn nach und nach viel Zustimmung kosten.
Für nationale Ermittlungen seien Staatsanwaltschaften zuständig, Europol übernehme eine koordinierende Rolle. “Europol wird keine Hausdurchsuchungen vornehmen”, sagt der Jurist Luca Manns.
10.02.2026 | 9:35 minDer Journalist Daniel Laufer ("Paper Trail Media") rechnet nicht damit, dass es so bald zu strafrechtlich bedeutsamen, neuen Erkenntnissen kommt: "Wenn Strafverfolgungsbehörden in Europa anfangen würden, gezielt Akten ungeschwärzt zu bekommen, könnte dies etwas ändern."
Die Epstein-Akten könnten über viele Jahre immer wieder hervorgeholt werden, weil Dinge darin stecken, die wir heute noch gar nicht einordnen könnten.
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