Gesundheitsreform:Hausärzte warnen vor Termin-Engpässen
von Anne-Kirstin Berger
Bei der Vergütung für Hausärzte sind Kürzungen geplant. Am Ende könnten Patienten leiden, warnen Ärzte. Doch es gibt auch beschwichtigende Stimmen.
Hausärzte sollen mehr leisten, aber weniger verdienen – zumindest nach den geplanten Reformen im Gesundheitssystem. Mediziner warnen nun vor Nachteilen für die Patienten.
12.05.2026 | 2:37 minDas Telefon klingelt ununterbrochen in der Hausarztpraxis von Axel Bullerkotte. Seit elf Jahren führt er die Praxis in der Kleinstadt Pattensen südlich von Hannover. 2.500 Patienten kommen jedes Quartal hierher.
Bullerkotte liebt seinen Beruf und doch spürt er täglich, wie das Gesundheitssystem an seine Grenzen gerät: Patienten warten bis zu acht Wochen auf Vorsorgetermine, Praxisangestellte telefonieren stundenlang Fachärzten hinterher, um Patienten zu überweisen. Es brauche dringend Reformen, so der Arzt - aber nicht die von der Bundesregierung geplanten. Denn die gingen zu Lasten der Patienten: "Generell wird Geld gestrichen werden - das heißt, ich muss mir überlegen, wo kann ich einsparen", so Bullerkotte.
Wenn ich die Stunden meiner angestellten Ärzte kürze, dann gibt es weniger Termine. Das heißt: Der Patient muss länger auf die Termine warten.
Dr. Axel Bullerkotte, Hausarzt
Viele Arztverbände kritisieren Gesundheitsreform
Die geplanten Kürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind das bestimmende Thema, wenn ab Dienstag in Hannover der Deutsche Ärztetag zusammenkommt, die wichtigste Versammlung der deutschen Ärztevertreter. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wird ein Grußwort sprechen. Ein Heimspiel wird das nicht, denn Verbände kritisieren reihenweise die Reformvorschläge.
Das Gesetz soll die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen im kommenden Jahr um 16,3 Milliarden Euro senken. Auch Fach- und Hausärzte sollen weniger Geld bekommen. Der Grundgedanke: Die Ausgaben - und damit auch die Vergütungen für Ärzte - sollen nur noch im gleichen Maß wachsen dürfen wie die Beitragseinnahmen der Krankenkassen.
Die geplante Gesundheitsreform wird breit kritisiert: Sozialverbände sprechen von einem Schlag ins Gesicht der Versicherten.
30.04.2026 | 1:10 minÖkonom: Ärzte klagen auf hohem Niveau
Das ist nicht unumstritten, sagt der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang gegenüber ZDFheute: "Das heißt eigentlich, wir geben nur so viel Geld aus, wie hereinkommt - egal, ob es reicht oder nicht. Und das ist ein Bruch mit dem, was wir in Deutschland traditionell hatten, einem Bedarfsdeckungsprinzip, wo wir gesagt haben: 'Was notwendig ist, wird auch finanziert.'"
Die Kritik der Hausärzte hält Ökonom Rothgang dennoch für "Klagen auf hohem Niveau." Zwar bedeuteten die Reformvorschläge eine Veränderung ins Negative, trotzdem sei das Einkommensniveau der Ärzteschaft in Deutschland hoch. Das Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung schätzt, dass die Hausärzte mit rund fünf Prozent weniger Einkommen rechnen müssten, sollten alle Reformen umgesetzt werden. Gesundheitsministerin Warken verteidigte die Kürzungen am Freitag gegenüber der "Ärzte Zeitung".
Auch die Hausärzteschaft muss ihren Beitrag leisten, auch wenn das für jeden einzelnen Bereich schmerzhaft sein kann.
Nina Warken, Gesundheitsministerin
Für einige Einschnitte zeigt Hausarzt Bullerkotte Verständnis. Dass es zum Beispiel künftig kein zusätzliches Geld mehr für eine schnellere Terminvermittlung zum Facharzt geben soll, hält er für sinnvoll. Diese Sonderzahlungen haben allein zwischen 2019 und Mitte 2024 zu Mehrausgaben von 2,9 Milliarden Euro geführt - trotzdem stieg die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin von 33 auf 42 Tage, so der Bundesrechnungshof.
"An der grundsätzlichen Tatsache, dass wir sparen und hohe Ausgaben begrenzen müssen, da kann keiner dran vorbei", so Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, zur geplanten Gesundheitsreform.
15.04.2026 | 6:57 minHausärzte: Sollen mehr leisten für weniger Geld
Insgesamt aber fühlen sich Hausärzte im Stich gelassen. Denn die Bundesregierung plant auch, die Hausärzte als erste Anlaufstelle für Patienten zu stärken, damit Fachärzte und Notaufnahmen entlastet und Kosten gesenkt werden. Gleichzeitig soll die Vergütung für eben diese Behandlungen nun gedeckelt werden. Sie sollen mehr leisten - für weniger Geld, so sehen es die Hausärzte.
Das sei eine "Bestrafung für das Versprechen der Hausärztinnen und Hausärzte, mehr Menschen zu versorgen", so Nicola Buhlinger-Göpfarth vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband gegenüber ZDFheute. "Wir fordern die Ministerin auf, diesen Irrweg zu verlassen."
Anne-Kirstin Berger berichtet für das ZDF-Landesstudio Niedersachsen.
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