Ausschreitungen nach Jugendprotesten:Krawalle: Polizeigewerkschaft stellt sich hinter Dobrindt
Nach den Wochenend-Krawallen hält der Streit über die Täter-Zuordnung an. Die Polizeigewerkschaft GdP stellt sich hinter Innenminister Dobrindt, andere warnen vor Pauschalisierung.
Ausschreitungen und Plünderungen einiger Geschäfte hatte es in mehreren Städten gegeben. Auch in Hamburg gab es Krawalle.
Quelle: Getty Images | Alexander KoernerNach den Ausschreitungen im Anschluss an die bundesweiten Jugendproteste wird weiter über die Zuordnung der mutmaßlichen Gewalttäter diskutiert. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte mit Unverständnis auf Kritik etwa an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Andreas Roßbach, Vorsitzender des GdP-Bereichs Bundespolizei, sagte dem Blatt:
Unsere Kolleginnen und Kollegen, welche ihren Kopf für unseren Rechtsstaat hingehalten haben und dies absolut professionell geleistet haben, bestätigen genau diese Tätergruppen in ihren Berichten.
Andreas Roßkopf, Vorsitzender des GdP-Bereichs Bundespolizei
Es sei unverständlich, dass "aus einigen politischen Bereichen versucht wird, dies zu beschönigen".
Nach den Gen-Z-Protesten haben viele Politiker ihr Verständnis für friedliche Demonstrationen geäußert. Gegen Gewalttäter hingegen fordert unter anderem Bundeskanzler Merz ein hartes Vorgehen.
02.11.2026 | 1:47 minPistorius: "Das führt in die falsche Richtung"
Dobrindt hatte nach den Krawallen der "Bild" gesagt: "Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu" hätten die friedlichen Demonstrationen gekapert. Später nutzte er nicht mehr das Wort "Milieu" und sprach nur noch von "gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten".
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte die Zuordnung als unpräzise kritisiert: "Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren?", fragte er im ZDF. "Das führt in die falsche "Richtung." Grüne und Linke kritisierten das ebenfalls.
Migranten als Chaoten bei den Gen Z-Demos? Boris Pistorius (SPD) widerspricht Alexander Dobrindt (CSU). Außerdem will die Bundes-SPD die Berliner SPD von Rot-Grün-Rot abbringen, so Pistorius.
01.11.2026 | 5:53 minZwar seien unter den Gewalttätern viele gewesen, "die entweder Ausländer sind oder Deutsche ausländischer Abstammung", schränkte auch CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen ein. Daraus lasse sich aber kein gemeinsames Milieu ableiten, sagte er in der ntv-Sendung "Pinar Atalay":
Es sind Einzeltäter, immer Einzeltäter.
Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker
Ausschreitungen nach weitgehend friedlichen Protesten
Bei bundesweiten Jugendprotesten der Gruppierung "GenZ regelt" waren am Samstag nach Behördenangaben zunächst zehntausende Menschen weitgehend friedlich auf die Straße gegangen. Anschließend kam es unter anderem in Frankfurt am Main, Köln, Berlin und Hamburg zu schweren Ausschreitungen. In Frankfurt wurden nach Angaben der Polizei Schaufenster eingeschlagen und Molotowcocktails auf Beamte geworfen.
Viele junge Menschen hätten friedlich für ihre Anliegen demonstriert, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke im ZDF. Erst als es dunkel wurde, seien "angereiste" Linksextremisten und junge Menschen gekommen, "die sich mit dem Staat anlegen".
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, zieht eine Bilanz zu den „Gen Z regelt“-Protesten vom Wochenende.
02.11.2026 | 6:59 minTürkische Gemeinde warnt vor Stigmatisierung
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, kritisierte die Debatte als Stigmatisierung. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er:
Herr Dobrindt und die Union finden immer wieder irgendwelche Sündenböcke, um Demonstrationen zu stigmatisieren.
Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland
Sofuoglu betonte, junge Menschen seien unabhängig von ihrer Herkunft unzufrieden mit der Politik. "Aber migrantische junge Menschen sind noch stärker betroffen, weil sie ausgegrenzt werden oder sich ausgegrenzt fühlen."
65 Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei hätten migrantische Jugendliche immer noch keine gleichen Chancen. Sie würden auf dem Schulhof oder auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert. "Mein Rat wäre, sachlich zu bleiben und die Jugendlichen mehr einzubeziehen."
Nach den Krawallen in mehreren deutschen Städten hat Kanzler Merz ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter gefordert. Zugleich drückte er sein Verständnis für die friedlichen Demonstranten aus.
02.11.2026 | 1:46 minDobrindt kündigt weiter massive Einsätze an
Dobrindt kündigte unterdessen an, weiteren Demonstrationen erneut mit massiver Polizeipräsenz zu begegnen. Der "Bild"-Zeitung sagte er:
Wir werden die angekündigten folgenden Demonstrationen mit vergleichbarer massiver Polizeipräsenz begleiten und die Tätergruppen dabei gezielt im Blick behalten.
Alexander Dobrindt (CSU), Innenminister
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