Gender Gap bei der Generation Z:Wächst der politische Graben zwischen jungen Menschen?
von Stephanie Gargosch
Die Gen Z empfindet ihre Generation als gespalten: Junge Frauen tendieren mehr zu linken politischen Positionen, junge Männer eher zu rechten. Woher kommt der Gender Gap?
Junge Frauen wählen häufiger links, junge Männer eher rechts. Der politische Graben wächst und prägt den Alltag einer Generation.
27.07.2026 | 3:20 minRonja Hofmann setzt die letzten Buchstaben des Wortes Klimaschutz auf ein Pappschild. Bald geht es wieder auf die Straße, demonstrieren mit Fridays for Future. Die junge Frau lebt in München, studiert Politikwissenschaft und verortet sich politisch links.
Zunehmend ratlos blickt sie auf den rechten Rand. "Ich mache mir Sorgen, dass dieser Rechtsruck vor allem in der jungen Generation stattfindet", sagt die 23-Jährige.
Zu sehen, wie da so viele nach rechts abdriften, macht mir extrem Sorgen.
Ronja Hofmann, Studierende
Gender Gap bei politischer Haltung so groß wie nie
Nicht nur Ronja erlebt eine Spaltung in ihrer Generation. Sichtbar wurde diese bei der Bundestagswahl 2025. Schon damals erzielten Linke und AfD bei den 18- bis 24-Jährigen überdurchschnittlich hohe Ergebnisse, allerdings bei unterschiedlichen Geschlechtern.
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Wohl noch nie war der politische Unterschied zwischen jungen Frauen und Männern so ausgeprägt wie heute. In der Forschung wird dieses Phänomen als Gender Gap bezeichnet. "Wir sehen diese Verschiebung, diesen Gender Gap, dass der so ein bisschen in beide Richtungen aufgeht", erklärt Ansgar Hudde, Professor für Sozialpsychologie an der Universität zu Köln.
Es gab noch nie so einen hohen Anteil an jungen Frauen, die links der Mitte gewählt haben wie heute. Junge Männer dagegen wählen eher rechts.
Ansgar Hudde, Professor für Sozialpsychologie, Universität zu Köln
"Der AfD-Anteil unter jungen Männern ist ungefähr doppelt so hoch wie bei den jungen Frauen", ergänzt Hudde. Was sich in Wahlergebnissen zeigt, reiche inzwischen weit darüber hinaus. Politik beeinflusse immer häufiger, mit wem junge Menschen diskutieren, Freundschaften schließen oder eine Beziehung eingehen.
Links und rechts: Prägt diese Kategorisierung noch unsere Politik oder spaltet sie nur? Zwei junge Frauen aus gegensätzlichen Lagern diskutieren das.
27.05.2026 | 24:47 minWenn politische Einstellung über Beziehungen entscheidet
Patrick Bredow studiert Wirtschaftsinformatik in Berlin. Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung und das Thema Migration ließen ihn politisch nach rechts rücken, sagt der 20-Jährige. Heute ist er AfD-Mitglied. Beim Dating spricht er darüber oft nicht.
Wenn die schon nur mitbekommen, dass man irgendwie konservativ, rechts oder Christ ist, allein das wird schon abwertend gesehen.
Patrick Bredow, Studierender
"Dann wird man direkt geblockt oder geghostet, weil man den falschen Parteien oder Politikern folgt", meint Bredow. Politische Überzeugungen werden für viele junge Menschen zu einem Teil ihrer Identität.
Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war die AfD auch bei den Jüngeren erfolgreich: Bei den 18- bis 29-Jährigen wählten 21 Prozent die AfD.
23.03.2026 | 1:39 min"Beim Thema Dating und Partnerwahl wird es komplizierter", bestätigt Professor Hudde. "Vor allem für linke Frauen und konservative oder rechte Männer unter den Heterosexuellen."
Es gab noch nie so viele Menschen, die sich selbst als politisch interessiert bezeichnen. Dadurch wird es schwieriger, politische Unterschiede zu ignorieren.
Ansgar Hudde, Professor für Sozialpsychologie
Studierende: Müssen "Widerstände und Ambivalenzen" aushalten
Wie lässt sich dieser Graben überwinden? Clara Höhre studiert Kunst in Berlin. Frauenrechte und die Freiheit des Denkens sind ihr wichtig. Deshalb plädiert sie dafür, den Dialog zu suchen: "Auch wenn es schwerfällt und ich wenig Entschuldigung für sehr rechtes Denken finde, glaube ich, sind wir alle vor viele Herausforderungen gestellt", sagt sie. "Vielleicht passiert auch von Seiten der Männer eine größere Angst, keine Rolle mehr zu spielen."
Ich glaube, wir müssen alle miteinander anfangen, Widerstände und Ambivalenzen auszuhalten.
Clara Höhre, Studierende
Extreme Positionen haben Zulauf, Polarisierung prägt das Miteinander. Darf man noch sagen, was man denkt? Wie hat sich unsere Gesellschaft verändert?
25.03.2025 | 43:43 minDass das zunehmend schwerfällt, erlebt Lucas Bögelsack aus Sachsen-Anhalt. Der studierte Innenarchitekt arbeitet im elterlichen Betrieb und verortet sich politisch in der Mitte. In seinem Freundeskreis finden sich Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen Überzeugungen.
"Wenn ich jemanden aus dem Hochschulkontext, eher links angesiedelt, mit einem meiner ehemaligen Schulkameraden, die eher rechts denken, an einen Tisch setzen würde, würde ich sagen: Das wird schwierig. Es bräuchte so eine Art Vermittler, jemanden Neutralen."
Vier junge Menschen, vier unterschiedliche Perspektiven. Was sie verbindet, ist die Sorge vor einer Entwicklung, die viele von ihnen trennt: Die politische Polarisierung in ihrer Generation.
Stephanie Gargosch ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Berlin.
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