Initiative in Brandenburg:Gen Z: Gemeinsam gegen Einsamkeit
von Nicole Frölich
Wie keine andere Generation leidet die Gen Z unter Einsamkeit. Die Brandenburgerin Sandra Lorenz hat ein Projekt gestartet, um junge Erwachsene zusammenzubringen.
Viele Jugendliche fühlen sich allein. Das Projekt "Lehnitz Connect" aus Brandenburg zeigt, wie neue Freundschaften entstehen können – mit einfachen Ideen und viel Engagement.
04.06.2026 | 5:00 minAuf der Picknickdecke am weißen Strand in Lehnitz liegen Kuchen, Chips, Getränke und Spiele. Ein Dutzend Freunde sitzen im Kreis, bedienen sich am Buffet und unterhalten sich. Das Besondere: Viele von ihnen kannten sich bis vor kurzem nicht. Sie haben sich im Rahmen von Lehnitz Connect getroffen, einem Begegnungsprojekt aus Oranienburg.
Alles beginnt, als Sandra Lorenz letztes Jahr mit einer Freundin einen Spaziergang macht. In ihrem kleinen Ort fallen ihr mehrere Gleichaltrige auf, die sie nicht kennt. "Wie könnte man die kennenlernen?", fragt sie sich. Klar, es gibt den Karnevalsklub und die freiwillige Feuerwehr, aber explizite Angebote für junge Erwachsene fehlen in Lehnitz.
Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt, dass KI-Chatbots den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen erhöhen. Dabei wird die KI unter anderem als Mittel gegen Einsamkeit genutzt.
24.03.2026 | 0:29 minDie einsamste Jugend, die es je gab
Mit dem Wunsch nach mehr Bekanntschaften ist sie nicht allein. Laut der Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung ist die Gen Z die einsamste Jugend, die es je gab. Besonders die Zeit nach dem Schulabschluss erleben viele junge Erwachsene als Zäsur: Routinen fallen weg, Freundeskreise zerbrechen, soziale Netzwerke schüren Unsicherheiten. Eine Befragung der Vodafone Stiftung kam zu der Erkenntnis, dass jeder zweite junge Mensch Einsamkeit als tägliche Belastung empfindet.
Lorenz ist heute 20 - ihre Teenagerzeit war geprägt von der Pandemie. Die damalige Isolierung und Verlagerung der Kommunikation in den digitalen Raum, sagt sie, habe noch heute große Auswirkungen auf ihre Altersgenoss*innen:
Man ist nicht gezwungen, nach draußen zu gehen und zu kommunizieren. Dadurch hat man vielleicht nicht mehr den Mut, das zu tun.
Sandra Lorenz, Gründerin von Lehnitz Connect
Mut fehlt Sandra Lorenz nicht. "Es muss ja einen Ort geben, an dem man junge Menschen zusammenbringen kann", sagt sie. "Und weil es den nicht gab, habe ich es eben selbst gemacht." Im Frühjahr 2025 organisiert sie ein offenes Treffen, startet einen Aufruf auf Instagram und verteilt Flyer im Ort. Lehnitz Connect war geboren.
Die Folgen der Coronapandemie und anhaltende Krisen sorgen bei immer mehr Kindern und Jugendlichen dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigen Zahlen der Krankenkasse DAK.
08.12.2025 | 0:25 minPicknick, Spiele, Sport
Heute organisiert Lorenz mit einem vierköpfigen Team Picknicks, Spieleabende oder Sportveranstaltungen für 18- bis 27-Jährige aus dem Landkreis Oberhavel. "Bei meinem ersten Treffen war die Gruppe so herzlich. Sowas habe ich noch nie erlebt", erinnert sich die 19-jährige Emma Schulz.
Mittlerweile sind wir wie eine kleine Familie geworden.
Emma Schulz, 19 Jahre alt
Zu einer Party im vergangenen Jahr kommen knapp 100 Menschen - einige von weit her. "Die Party geht nur bis zwei Uhr, unsere Bahn fährt um sechs", erzählen Lorenz damals vier junge Männer aus dem 40 Kilometer entfernten Gransee. "Aber wir sind trotzdem gekommen, weil es bei uns gar nichts gibt." Das sei ein Beweis dafür, sagt Lorenz, dass es sich bei der Vernachlässigung von Strukturen für junge Erwachsene um ein "allgemeines Problem" handle.
Verantwortung der Politik
Für ihren Einsatz wurden Lorenz und ihre Mitstreiter*innen dieses Jahr vom Verein "Children for a better World" ausgezeichnet. Lehnitz Connect schaffe "ein lebendiges Netzwerk, das Gemeinschaft fördert und junge Menschen aktiv miteinander verbindet", erklärt die Jury.
Lorenz freut sich über die Anerkennung, wünscht sich gleichzeitig aber mehr Engagement seitens der Politik: "Ich habe das Glück, dass ich die Zeit ehrenamtlich investieren kann. Aber nicht jeder kann das", stellt sie fest.
Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Und wenn das nicht erfüllt ist, soll man sich nicht wundern, dass mehr Jugendliche an Depressionen leiden. Da muss etwas gemacht werden.
Sandra Lorenz, Gründerin von Lehnitz Connect
In vielen Städten kennt man sich kaum noch im Haus. Doch eine vernetzte Nachbarschaft kann im Alltag helfen – vom Blumengießen bis zum Werkzeugverleih. Und sie kann Einsamkeit spürbar lindern.
20.05.2026 | 3:04 min"Einfach selber machen!"
Lehnitz Connect ist ein aus der Not geborenes Leuchtturmprojekt. Alle, die sich an diesem Frühsommertag am Lehnitzsee treffen, sind sich einig: Die Initiative hat ihr Leben bereichert. Für andere junge Leute, die sich nach Anschluss sehnen, hat Sandra Lorenz eine Message: "Ihr seid nicht allein! Sucht euch Anlaufstellen, und wenn es keine gibt: Einfach selber machen!"
Nicole Frölich ist Redakteurin im ZDF-Studio in Potsdam.
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