Befreiung vor 81 Jahren:KZ Buchenwald: Gedenken unter Druck
von Daniela Sonntag und Beatrice Steineke
Zwischen rechtsextremen Posts und pro-palästinensischem Aktivismus wird die Erinnerungsarbeit für die Gedenkstätte Buchenwald immer schwieriger. Wichtige Zeitzeugen verstummen.
Im ehemaligen KZ Buchenwald wird der Befreiung vor 81 Jahren gedacht. Ein von Kulturstaatsminister Weimer geplantes Grußwort stößt bei Verbänden auf Kritik.
10.04.2026 | 2:04 minDie Überlebenden seien lange Zeit ein Schutzschild für die Erinnerungsarbeit gewesen, sagt Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Bei geschichtsrevisionistischen oder rassistischen Vorfällen hätten sich die Zeitzeugen zu Wort gemeldet. Doch mehr als acht Jahrzehnte nach der Lagerbefreiung im April 1945 verstummen sie.
Jetzt versuchen andere Akteure, Orte wie Buchenwald für ihre Agenda zu vereinnahmen. Es sei "ein geschichtspolitischer Sturm" zu spüren, so Wagner. In der Gedenkstätte für das ehemalige Konzentrationslager finden Mitarbeiter immer wieder Hakenkreuz-Schmierereien, SS-Runen, Vandalismus, oft aus dem rechten Spektrum.
Die Netzwache, das Monitoring von Posts im Netz, ist mittlerweile ein großer Teil der Arbeit. Jeder neuen Verschwörungstheorie versuchen die Mitarbeiter Fakten entgegenzustellen. Dabei geht es auch darum, Künstliche Intelligenz mit echten Daten zu versorgen, damit sich Unwahrheiten nicht ausbreiten. Doch neben den rechten Influencern versuchen auch linke Aktivisten den Ort Buchenwald als Plattform zu benutzen.
Das US-Nationalarchiv hat Millionen NSDAP-Mitgliedskarteien erstmals im Netz veröffentlicht. Recherchen zu einzelnen Personen können auch auf Antrag vom Bundesarchiv übernommen werden.
18.03.2026 | 0:52 minStadt Weimar verbietet Mahnwache in Gedenkstätte
Im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald waren insgesamt 277.800 Menschen inhaftiert. Rund 56.000 überlebten das Lager nicht. Tausende von ihnen waren Juden.
Ausgerechnet zum 81. Jahrestag der Befreiung hatte die propalästinensische und anti-israelische Gruppierung "Kufiyas in Buchenwald" zu einer Mahnwache auf dem Parkplatz der Gedenkstätte aufgerufen - auch um den Krieg in Gaza zu thematisieren.
Die Stadt Weimar verbot den Protest auf dem Gelände der Gedenkstätte, da dieser "konträr zum Stiftungszweck der Gedenkstätte" sei. Sie bot alternativ einen Platz in der Innenstadt an - etwa elf Kilometer entfernt.
Unsere Auffassung dazu ist ganz klar: In der Stadt Weimar: Ja. Auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald: Nein.
Ralf Kirsten, Bürgermeister der Stadt Weimar
Das Verwaltungsgericht Weimar bestätigte die Auflagen der Stadt. Noch könnten die Aktivisten Rechtsmittel einlegen.
Am Wochenende jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald zum 81. Mal. Rund um den Jahrestag gibt es Spannungen.
10.04.2026 | 2:22 min
Pro-Palästina-Protest verdränge Gedenken an Shoa
"Kufiyas in Buchenwald" sei aus dem "links-anti-imperialistischen Milieu" und versuche das Gedenken an die Opfer des Holocaust in den Hintergrund zu drängen, erläutert Timo Galki von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Thüringen (RIAS Thüringen).
Sie wollen ein würdiges Gedenken an die Shoa verunmöglichen, indem sie ein Bedrohungsszenario in den Gedenkstätten schaffen und diese Orte überschreiben wollen.
Timo Galki, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Thüringen
Ausgerechnet an dieser Gedenkstätte über den Krieg in Israel und Gaza sprechen zu wollen, sei ein klares "Täter-Opfer-Framing": Israel werde als der "böse Aggressor" und die Hamas als "legitimer Befreiungskampf" dargestellt.
Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte die Mahnwache als einen "skandalösen Angriff auf die Erinnerungskultur" bezeichnet.
In einer bewegenden Rede hat die Holocaust-Überlebende Tova Friedman im Bundestag von ihrem Überleben im KZ Auschwitz berichtet. Sie warnt vor aufflammendem Antisemitismus.
28.01.2026 | 2:47 minGedenkstätte: Diverse Gruppen verfolgten eigene politische Agenda
Für die Arbeit und die Mitarbeiter in den Gedenkstätten bedeute das zunehmender Druck, sagt Jens-Christian Wagner. Dabei sollte das Gedenken und die Geschichten der Ehemaligen im Mittelpunkt stehen.
Je weniger Überlebende es gibt, die sich dagegen wehren könnten, desto mehr versuchen diverse politische Gruppen, die Gedenkstätten als Bühnen zu missbrauchen, um ihre eigene politische Agenda in die Welt zu bringen.
Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Zum 81. Jahrestag der Befreiung können in diesem Jahr nur zwei Zeitzeugen anreisen. Die Geschichte des 1942 im KZ Buchenwald inhaftierten Hermann Kerkeling wird sein Enkel am Sonntag erzählen: Autor und Comedian Hape Kerkeling.
Videos über den Holocaust werden hunderttausendfach geklickt. Doch viele KI-Inhalte sollen nur Klicks sammeln, nicht Geschichte darstellen. "Shoah-Stories" geht einen anderen Weg.
27.01.2026 | 2:50 minKontroverse um Kulturstaatsminister Weimer
Doch vorab sorgt vor allem der Auftritt eines anderen Redners für Kritik. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer soll ein Grußwort halten. Die Gedenkstätte begrüßt seine Teilnahme, doch zwei Buchenwald-Verbände sehen das anders.
In der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V. engagieren sich auch Angehörige ehemaliger Lager-Inhaftierter wie Katinka Poensgen. "Er hat sich zur Projektionsfläche für Protest gemacht und deswegen erwarte ich, dass er hier am Sonntag nicht erscheint, weil es wird zu Unmut führen und es wird das ganze Gedenken irgendwie gefährden."
Der 81. Jahrestag der Lagerbefreiung wird wohl ein Gedenken mit politischen Nebenschauplätzen.
Daniela Sonntag und Beatrice Steineke berichten aus dem ZDF-Landesstudio Thüringen.
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Gedenken an Opfer der Nazis in Auschwitz:Holocaust-Überlebender und Mahner Turski: Worte, die bleiben
von Natalie Steger und Milena Drzewieckamit Video2:31- Interview
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80. Jahrestag KZ Buchenwald :Wagner: Israels Vorwürfe gegen Boehm "absurd"
mit Video8:21 Nach Kritik an AfD in Thüringen:Drohung gegen Buchenwald-Gedenkstättenleiter