Bundestag beschließt Änderungen:Führerschein-Reform: Das ist geplant - wird es günstiger?
Der Bundestag bringt den ersten Teil der Führerschein-Reform auf den Weg. Das Ziel: Es soll günstiger werden. Ist die Kalkulation des Verkehrsministers realistisch?
Mit einer Reform der Fahrschulausbildung soll es günstiger werden, einen Führerschein zu machen. Der Bundestag hat am Donnerstag über Gesetzespläne des Verkehrsministeriums abgestimmt.
04.11.2026 | 0:19 minRund 3.400 Euro - so viel kostet ein Pkw-Führerschein der Klasse B laut Bundesverkehrsministerium derzeit im Schnitt. Geht es nach Verkehrsminister Steffen Bilger, könnten es künftig mehrere hundert, im besten Fall bis zu 1.000 Euro weniger sein, wie der CDU-Politiker unlängst in der "Welt" vorrechnete.
Am Donnerstag hat der Bundestag Änderungen des Fahrlehrer- und des Straßenverkehrsgesetzes verabschiedet, ein weiteres Paket soll per Verordnung folgen. Der Bundesrat muss noch zustimmen. In Kraft treten sollen die Neuregelungen im Wesentlichen ab kommendem Juli.
Geplant ist Folgendes:
Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll abgeschafft werden. Fahrschülerinnen und Fahrschüler sollen sich das erforderliche Wissen auch per App zu Hause oder über eine Lernplattform aneignen können. Das soll in Fahrschulen Kosten für Unterrichtsräume senken. Auch werden detaillierte Vorschriften für Lehr- und Lernmittel abgeschafft. Die Prüfungsfragen - derzeit 1.169 - sollen um knapp 30 Prozent auf rund 840 reduziert werden.
Verpflichtende und teure Sonderfahrten - Nacht, Autobahn und Überland - sollen reduziert werden; bislang sind es zwölf. Eine Vorgabe zur Anzahl soll es gar nicht mehr geben - wie viele Stunden tatsächlich erforderlich sind, soll künftig von den Fähigkeiten des Fahrschülers und der Einschätzung der Fahrlehrer abhängen. Für Übungsfahrten sollen die Fahrschulen auch Simulatoren einsetzen können, allerdings nicht für Sonderfahrten.
Wie schon in Luxemburg oder Österreich soll es künftig auch in Deutschland eine Laienausbildung geben. Übungsfahrten können dann in Begleitung etwa von Eltern oder Großeltern stattfinden. Begleitpersonen müssen seit mindestens sieben Jahren selbst den Führerschein besitzen und dürfen maximal einen Punkt in Flensburg haben. Auch müssen sie durch die Fahrschule theoretisch und praktisch eingewiesen werden. Für Fahrschüler sind die bestandene Theorieprüfung und sechs praktische Fahrstunden Voraussetzung.
Die Bundesländer führen die Regelung jeweils per Verordnung ein. Sie sollen die Neuerung zudem fünf Jahre lang wissenschaftlich begleitet ausprobieren können.
Die praktische Fahrprüfung für Pkw soll künftig 40 Minuten dauern statt der bislang 55. Die reine Fahrtzeit - Ein- und Ausparken etwa gehören nicht dazu - soll auf das EU-Mindestmaß von 25 Minuten sinken. Bislang sind es 30. Das soll mehr Prüfungen am Tag ermöglichen und Wartezeiten verkürzen.
Bisher müssen die Fahrschulen ihre Preise nur vor Ort aushängen. Künftig sollen sie Preise und auch die Absolventenquote an eine zentrale Datenbank melden. Vergleichsportale können die Daten dann abrufen und aufbereiten, so dass Verbraucher Preise und Erfolgsquoten vergleichen können.
Neu ist eine Vorschrift für Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, Würde und Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler zu achten. Sie sollen einen respektvollen sowie von Benachteiligungen und Belästigungen freien Umgang sicherstellen.
Quelle: AFP, dpa
Sinken die Kosten?
Der ADAC erwartet, dass die Kosten im besten Fall um bis zu einem Drittel sinken könnten. Die geplante Einführung des virtuellen Theorieunterrichts könne die Ausbildung kostengünstiger und flexibler machen, sagte eine Sprecherin. Die geplante Begleitphase könne dazu beitragen, teure Fahrstunden in der Fahrschule teilweise durch die zusätzliche Fahrpraxis unter Begleitung zu ergänzen.
Anders sieht das die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Deren Vize Kurt Bartels erklärte:
Ich kann die Rechnung von Herrn Bilger nicht nachvollziehen, dass der Führerschein 1.000 Euro günstiger werden soll.
Kurt Bartels, Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände
Bilger habe nicht konkret gesagt, wie genau dies funktionieren solle, monierte Bartels.
Wenn diese Deregulierung kommt, muss irgendwie kompensiert werden, damit die Fahrschulen ihren Betrieb aufrechterhalten können, sagt Jürgen Kopp von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.
20.05.2026 | 19:42 minVerband: Reihe von Kostentreibern
Auch der Verband Moving International Road Safety Association hält eine Ersparnis von bis zu 1.000 Euro in der derzeitigen Ausgestaltung der Reform für unrealistisch. Wesentliche Kostentreiber beim Führerschein seien die Anzahl der benötigten Fahrstunden, nicht bestandene theoretische und praktische Prüfungen, Personal- und Ausbildungskosten sowie Fahrzeug- und Betriebskosten, heißt es in einer Stellungnahme des Fahrlehrers Gerhard Tiessen für eine Anhörung im Bundestag. Der Schlüssel zu einem bezahlbaren Führerschein liege in einer möglichst effizienten Ausbildung.
Ähnlich äußerte sich der Linken-Abgeordnete Jorrit Bosch: Die eigentlichen Kostentreiber seien hohe Fahrzeug- und Betriebskosten, viele Fahrstunden und nicht bestandene Prüfungen - daran ändere die Reform nichts. Die Grünen-Verkehrspolitikerin Swantje Michaelsen nannte die Reform einen Irrweg: "Statt den Führerschein bezahlbarer zu machen, senkt sie die Standards." Das Ministerium könne die versprochenen Einsparungen von bis zu 1.000 Euro nicht nachvollziehbar belegen.
Was in Österreich schon erfolgreich Praxis ist, soll nun auch in Deutschland kommen: die sogenannte Laienausbildung, also das begleitete Autofahren mit erfahrenen Privatpersonen.
26.03.2026 | 2:45 minSPD: Noch nicht absehbar, inwieweit die Preise sinken
Seine Partei wolle sich die Zahl nicht zu eigen machen, sagte SPD-Verkehrspolitiker Truels Reichardt. Es sei noch nicht absehbar, um wie viel günstiger es werde. Dies hänge auch davon ab, wie Fahrschulen auf die neuen Möglichkeiten reagierten. Und es hänge "maßgeblich davon ab, wie die Länder die Verordnung jetzt im Bundesrat weiterentwickeln", erklärte der CDU-Abgeordnete Henning Rehbaum.
Bilger selbst hatte im Vorfeld schon auf "große regionale Unterschiede" verwiesen und darauf, dass manche Fahrschüler schlicht mehr Fahrstunden benötigten als andere.
Der Bundesverkehrsminister stellt heute seine Reformvorschläge zum Führerschein vor. Ziel sei es, den Führerschein bezahlbarer zu machen. Auch sollen die Lerninhalte digitaler werden.
11.02.2026 | 1:43 minFahrschulen: Reform auf Kosten der Sicherheit
Massive Kritik üben die Fahrschulen: Die Änderungen gingen "eindeutig" auf Kosten der Verkehrssicherheit, mahnte Verbandsvize Bartels in den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Die Reform orientiere sich zu stark an dem Ziel, die Kosten zu senken. Er hält einen "verbindlichen" Anteil Präsenzunterricht für nötig.
Der ADAC betont zwar, dass "Kostensenkungen nicht zulasten der Ausbildungsqualität und der Verkehrssicherheit gehen" dürften. Allerdings schätzt der Automobilclub, dass die Reform die Verkehrssicherheit sogar erhöhen kann, weil Fahrschüler mit Begleitpersonen mehr Fahrpraxis erwerben können: "Mehr Fahrpraxis senkt nachweislich das Unfallrisiko."
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