Fahrschülerinnen berichten in Studie von Grenzüberschreitungen

Befragung in Braunschweig:Viele Fahrschülerinnen berichten von Grenzüberschreitungen

von Sina el Batanony

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Von unangenehmen Witzen bis zum ungewollten Körperkontakt: Vor allem Fahrschülerinnen erleben im Rahmen ihrer Fahrausbildung Grenzüberschreitungen.

"Fahrschule" ist auf einem Schild auf dem Dach eines Autos zu lesen.

Mit einer Reform der Fahrschulausbildung soll es günstiger werden, einen Führerschein zu machen. Der Bundestag stimmt am Donnerstag über Gesetzespläne des Verkehrsministeriums dafür ab.

04.11.2026 | 0:19 min

Sexuelle Anspielungen, Einladungen zu privaten Treffen oder sogar ungewollter Körperkontakt - eine Befragung junger Erwachsener aus Braunschweig zu Grenzüberschreitungen im Fahrschulunterricht zeigt, dass viele der befragten Fahrschülerinnen in ihrer Ausbildung schon unangenehme Witze oder Kommentare erlebt haben.

Viele Frauen fühlen sich unsicher

Für die Befragung wurden rund 10.000 junge Menschen in Braunschweig angeschrieben - 928 nahmen freiwillig und anonym teil. Davon hatten 847 eine Fahrausbildung begonnen oder abgeschlossen. 60 Prozent der Befragten mit Fahrausbildung sind weiblich.

  • repräsentative Online-Befragung, durchgeführt im Juni/Juli 2026 in Braunschweig
  • ca. 10.000 Personen der Jahrgänge 2000 bis 2009 durch Adressziehung gewählt und angeschrieben
  • Teilnahme anonym und freiwillig
  • 928 Teilnehmende, 847 davon mit begonnener oder abgeschlossener Fahrausbildung
  • 60 Prozent weiblich, 37, 8 Prozent männlich
  • Arbeitsgruppe: Gleichstellungsbeauftragte Stadt Braunschweig, Polizei, wissenschaftl. Leitung Ostfalia Hochschule

41 Prozent der teilnehmenden Frauen gaben an, selbst unangenehme Witze oder Kommentare in der Fahrausbildung erlebt zu haben. Unter den männlichen Teilnehmenden waren es 19 Prozent. Als weitere Grenzüberschreitungen wurden unter den Befragten ungewollter Körperkontakt, Nachrichten mit sexuellem Bezug und Einladungen zu privaten Treffen genannt.

Auf die Frage nach der Schwere des Vorfalls gaben 23 Prozent der weiblichen Teilnehmenden die erlebte Situation als schlimm oder sehr schlimm an, unter den männlichen Befragten waren es 12,5 Prozent. 68 Prozent aller Befragten gaben an, dass die Grenzüberschreitungen im Fahrschulauto stattfanden.

Das Dach eines Fahrschulautos, auf dem das "Fahrschule"-Schild gerade platziert wird

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Lebensqualität von jungen Frauen beeinträchtigt

Über 90,1 Prozent der 847 Befragten mit begonnener oder abgeschlossener Fahrausbildung fühlten sich laut Befragung im Fahrschulunterricht sicher - 13,5 Prozent der teilnehmenden jungen Frauen gaben an, dass sie sich eher oder sehr unsicher fühlten. Unter den männlichen Befragten waren es 4,1 Prozent.

Man habe damit gerechnet, dass viele junge Menschen Erfahrungen mit sexualisierten Grenzüberschreitungen im Fahrschulunterricht gemacht haben, sagt Olaf Lobermeier, Professor an der Ostfalia Hochschule. Aus ähnlichen Untersuchungen im Sport wisse man, dass derartige Grenzüberschreitungen keine Einzelfälle seien.

Hier werden vor allem junge Frauen nachhaltig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Prof. Olaf Lobermeier, Ostfalia Hochschule

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Keine bundesweiten Daten

"Neben der Abhängigkeit der Fahrschüler*innen gegenüber ihren Fahrlehrern besteht auch ein Machtgefälle", erklärt Ann-Kristin Hartz, Geschäftsführerin vom Verein Sichtbar - Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt. Es handele sich um Übergriffe in Situationen, bei denen die Glaubwürdigkeit der Betroffenen schnell infrage gestellt werden könne.

Bundesweite Daten für Übergriffe im Kontext der Fahrausbildung gebe es bislang nicht - mit der Befragung aus Braunschweig solle ein erster Grundstein gelegt sein, so die Autoren.

Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr.

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Führerschein-Reform im Bundestag

Der Bundestag stimmt am Donnerstag über Gesetzespläne zur geplanten Führerschein-Reform ab. Neben Änderungen der Fahrschulausbildung, die günstiger und digitaler werden soll, gibt es auch eine neue Passage zum Schutz der Fahrschülerinnen und Fahrschüler.

Es sei die Pflicht der Fahrschulen, "die Würde und Persönlichkeit der Fahrschüler zu achten und einen respektvollen sowie von Benachteiligungen und Belästigungen freien Umgang sicherzustellen". Der geplanten Gesetzesänderung muss auch der Bundesrat zustimmen.

Über die Fahrschulreform berichtete ZDFheute Xpress am 04.11.2026 um 21:30 Uhr.

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