EU-Kommission gibt grünes Licht:Deutschland darf eigene Industrie mit günstigem Strom stützen
Die EU genehmigt den deutschen Industriestrompreis - die heimische Industrie darf mit einem vergünstigten Strompreis subventioniert werden. 3,8 Milliarden Euro sind dafür geplant.
Die deutsche Industrie darf mit einem vergünstigten Strompreis unterstützt werden. Die Hilfen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro sollen energieintensive Unternehmen entlasten.
16.04.2026 | 0:28 minDie Bundesregierung darf die deutsche Industrie mit einem vergünstigten Strompreis unterstützen. Die EU-Kommission genehmigte die Maßnahme im Umfang von 3,8 Milliarden Euro, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.
Die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass die Subvention notwendig, angemessen und verhältnismäßig sei, um den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu beschleunigen und die Entwicklung der Wirtschaft zu fördern, hieß es.
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Ziel der Regelungen ist es demnach, energieintensive Unternehmen in Deutschland zu unterstützen, indem ihnen in den kommenden drei Jahren ein Teil ihrer Stromkosten erstattet wird, so die Kommission. Die Maßnahmen stünden dabei Unternehmen aus Branchen offen, die ihren Standort potenziell in Drittstaaten mit weniger Umweltauflagen verlegen könnten.
Unternehmen können die Beihilfen laut Mitteilung nach Ablauf jedes Jahres beantragen, sobald der Stromverbrauch und der durchschnittliche Großhandelspreis bekannt ist. Die begünstigten Firmen müssen demnach mindestens die Hälfte der erhaltenen Unterstützung in neue oder modernisierte Anlagen investieren, um die Stromkosten zu senken.
Strompreis: 5 Cent pro Kilowattstunde - der vergünstigte Preis gilt jedoch nur für 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Unternehmens
Auszahlung: rückwirkend, also zum Beispiel 2027 für 2026
Befristung: drei Jahre (bis 2028)
Auflagen:
- Mindestens die Hälfte der Förderung soll in moderne, klimafreundliche Produktion fließen
- Unternehmen müssen energieintensiv sein, mindestens 100.000 kWh im Jahr verbrauchen und im internationalen Wettbewerb stehen
- Die Branche muss auf der Kuebll-Liste stehen - dort werden energieintensive Branchen identifiziert, die aufgrund hoher Stromkosten Gefahr laufen, ins Ausland abzuwandern.
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Die Wirtschaft klagt seit langem über im internationalen Vergleich hohe Energiekosten. Die Koalition beschloss bereits Entlastungen. Für den geplanten staatlich subventionierten, niedrigeren Industriestrompreis für energieintensive Firmen fehlte bislang grünes Licht der Europäischen Kommission. Das Instrument sieht vor, den Preis für die Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs auf fünf Cent pro Kilowattstunde zu begrenzen.
Brüssel hatte im vergangenen Sommer einen neuen Beihilferahmen präsentiert und damit den Weg dafür freigemacht, dass unter bestimmten Voraussetzungen direkte staatliche Subventionen fließen können, um Strompreise für energieintensive Unternehmen zu senken. Damals sagte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera:
Es ist ein Instrument, um den Klimaschutz voranzutreiben, die Widerstandsfähigkeit Europas zu stärken und sicherzustellen, dass unsere Industrie weltweit wettbewerbsfähig bleibt.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera
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Wegen der verhältnismäßig hohen Energiepreise in Deutschland besteht die Sorge, dass sie Firmen vor Investitionen in der Bundesrepublik abschrecken. Zahlreiche Unternehmen stehen bereits vor großen Problemen. Wirtschaftsverbände drängen schon lange auf einen Industriestrompreis.
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