EU-Emissionshandel: Debatte um CO2-Preis und Klimaziele

Unternehmen und der CO2-Preis:EU-Emissionshandel: Wer bremst und wer mehr Tempo will

Porträt der Studioleiterin des ZDF-Landesstudios Hamburg Britta Hilpert

von Britta Hilpert

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Die einen warnen vor hohen CO2-Kosten - die anderen sind für strengere Regeln: Die Reform des europäischen Emissionshandels spaltet. Ein Blick auf zwei Unternehmen in Deutschland.

Zu sehen ist ein großes Kraftwerk mit mehreren Kühltürmen und Schornsteinen, aus denen dichte weiße Dampfwolken aufsteigen. Im Vordergrund liegen Felder und vereinzelte Bäume, darüber ein leicht bewölkter Himmel. Das Bild steht sinnbildlich für industrielle CO₂-Emissionen und die Herausforderungen des Emissionshandels.

Für Unternehmen wird es immer teurer, CO₂ zu verbrauchen. Die EU will nachsteuern - zwischen Industriehilfe, CO₂-Zoll und Klimaschutz.

03.08.2026 | 4:07 min

Was haben Berlin und Piesteritz in Sachsen-Anhalt gemeinsam? Die Menge an Gas, die die beiden Orte brauchen. Der Düngemittel-Hersteller SKW Stickstoffwerke Piesteritz ist einer der größten Gas-Verbraucher Deutschlands. Rund 80 Prozent des Preises eines Sacks Düngemittel sind Erdgaskosten, erklärt Werkssprecher Christopher Profitlich. Mit dem Emissionshandel steigen diese Kosten - und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

2025 haben wir ungefähr 40 Millionen Euro an CO2-Zertifikate gezahlt. Das wird sukzessive steigen bis hin zu ungefähr 250 Millionen. 250 Millionen bei einem Umsatz von 800 Millionen! Kein Unternehmen kann das bezahlen.

Christopher Profitlich, SKW Piesteritz

Zwei Perspektiven auf den CO2-Preis

Das ist die eine Seite: Wenn CO2 teurer wird, verstärkt das den Druck auf Unternehmen, die ohnehin mit hohen Energiepreisen und internationaler Konkurrenz kämpfen. Rund 40 Unternehmen wie BASF, ThyssenKrupp, ArcelorMittal schrieben im Juni 2026 an die EU-Kommission mit der Bitte, die Lasten aus dem Emissionshandel zu mildern.

Aber es gibt auch die andere Sicht: Die Kosten des CO2-Ausstoßes trägt bislang zu einem großen Teil die Gesellschaft - etwa durch Klimaschäden, Extremwetter und Anpassungskosten. Der europäische Emissionshandel soll diese Kosten stärker in die Preise einrechnen und Unternehmen dazu bringen, weniger fossile Brennstoffe einzusetzen.

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Viele deutsche Wirtschaftsverbände begrüßten die Lockerungen des Emissionshandels. Doch Green-Tech-Unternehmen befürchten, nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein, so Frank Berthmann.

17.07.2026 | 1:41 min

Beim Emissionshandel müssen Unternehmen in bestimmten Bereichen für den CO2-Ausstoß Zertifikate kaufen. Energieintensive Branchen wie Stahl oder Chemie bekommen einen Teil dieser Zertifikate bislang kostenlos. Jahr für Jahr werden insgesamt weniger Zertifikate ausgegeben. Sie werden knapper - und damit teurer.

Die Reform soll den Übergang strecken bis maximal 2040: Kostenlose Zertifikate würden länger ausgegeben und stärker daran geknüpft, dass Unternehmen in klimafreundliche Technologien investieren.


Hamburger Energienetze: Ohne Druck kein Wasserstoffmarkt

Die Hamburger Energienetze bauen an der Alternative zu fossilen Brennstoffen: Ab Ende 2027 soll hier grüner Wasserstoff produziert und geliefert werden. Dafür braucht es Pipelines und Unternehmen, die bereit sind, ihre Produktion umzustellen. Klebestreifenhersteller Tesa ist der erste sichere Kunde. Andere zögern jetzt.

Wird der Druck zu stark abgefedert, könnte der Umstieg langsamer kommen, fürchtet Peter Wolffram von den Hamburger Energienetzen:

Für uns wäre natürlich ganz wichtig, dass der europäische Emissionshandel die Wasserstoffwirtschaft weiter vorantreibt, um dann die Strukturen, die wir jetzt aufbauen, auch sinnvoll zu nutzen. Denn dass Wasserstoff kommen muss, ist relativ klar.

Peter Wolffram, Hamburger Energienetze

Emmisionen

Die Industrie soll länger CO₂ ausstoßen dürfen. Die EU-Kommission schlägt vor, den europäischen Emissionhandel anzupassen. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus.

17.07.2026 | 2:33 min

Druck durch Krisen und Energiepreise

Grischa Perino, Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Ökologische Ökonomie an der Universität Hamburg, ordnet den Kostendruck ein: Viele Unternehmen stünden derzeit auch wegen Krieg, Krisen und Energiepreisen unter Druck. Der Emissionshandel sei zwar nicht der größte Kostenfaktor. Aber, sagt Perino: "Es ist eben ein Punkt, wo man durch Lobbyarbeit möglicherweise was erreichen kann."

Deswegen kann sich nun im EU-Parlament und Rat an der Reform noch einiges ändern. Einige osteuropäische Regierungen meinen, Klimapolitik sei eher Last als Notwendigkeit. Etwa auch der tschechische Premier Andrej Babis, der einst den Konzern gründete, dem das Werk in Piesteritz gehört.

"Mit der neuen tschechischen Regierung kommt mehr Realitätssinn in die politischen Linien rein", meint SKWP-Sprecher Profitlich.

Insofern ist unsere Hoffnung natürlich, dass die Wirtschaft Rahmenbedingungen bekommt, mit denen sie auch in Europa noch weiter bleiben kann.

Christopher Profitlich, SKWP-Sprecher

So viele Brände in Europa wie noch nie aber Klimapolitik fehlt

Noch nie hat Europa so früh so sehr geglüht wie in diesem Jahr. Deutschland ist auf diese neue Art von Hitze kaum vorbereitet. Die Bundesregierung tut bislang wenig.

02.08.2026 | 3:01 min

Experte: Vertrauen in Klimaziele nötig

Auch Emissionsexperte Perino meint, mit Blick auf den Weltmarkt sei eine Weiterentwicklung nötig, aber eher in Richtung globaler Emissionshandel. Denn die sozialen Kosten betrügen fast 300 Euro pro Tonne CO2, so eine Studie der Universität Hamburg. Und wichtig sei nun Verlässlichkeit beim Ziel - auch für Unternehmen.

Der entscheidende Punkt ist tatsächlich, ob die Unternehmen Vertrauen darin haben, dass man die eigenen Klimaziele ernst nimmt und Infrastrukturen schafft, die es braucht, damit das funktioniert.

Grischa Perino, Emissionsexperte

Die Hamburger Energienetze setzen genau darauf und bauen weiter am Wasserstoff-Netz. Irgendwann wird es sehr gefragt sein, meint Peter Wolffram - "lieber früher als später."

Britta Hilpert leitet das ZDF-Studio in Hamburg.

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Über dieses Thema berichtete WISO am 03.08.2026 ab 19:25 Uhr.

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