Überraschung von der Esa:Deutschland löst Ticket Richtung Mond
von Paul Manger, Bremen
Ein deutscher Astronaut wird bei einer Mondmission dabei sein. Das erklärte die Esa-Ministerratskonferenz. Nach der Überraschung ist vor dem Flug, doch einige Fragen bleiben offen.
Ein deutscher Astronaut darf bald zum Mond fliegen. Die ESA hat entschieden, dass im Rahmen des Artemis-Programms ab 2028 ein Europäer losgeschickt wird.
27.11.2025 | 1:47 minZukunftsentscheidend für die europäische Raumfahrt sollte sie werden, die Esa-Ministerratskonferenz in Bremen. Zwischen hohen Geldsummen sorgten Forschungs-, Technologie- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär und Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher für eine unerwartete Überraschung.
Sie kündigten einen Flug zum Mond an, mit an Bord: ein deutscher Astronaut. Insgesamt drei Tickets soll es für Europa geben, davon eins für Deutschland. Wer sich von den beiden bekanntesten deutschen Astronauten, Alexander Gerst oder Matthias Maurer, Hoffnungen machen darf, ist noch nicht verkündet.
Dorothee Bär (m.), mit den Astronautinnen und Astronauten Alexander Gerst, Amelie Schoenenwald, Samantha Cristoforetti und Matthias Maurer.
Quelle: dpaEuropa will nicht auf dem Mond landen
Europa wolle nicht auf dem Mond landen, sondern nur bis dorthin fliegen, stellt Raumfahrtministerin Bär klar.
Das ist ein ganz großer Tag für Europa, aber auch für Deutschland.
Dorothee Bär (CSU) Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Der deutsche Astronaut werde der erste Europäer sein, der die Erdumlaufbahn verlassen wird, erläutert Bär. Im Vorfeld der Entscheidung schwärmte Esa-Astronaut Maurer schon von einem Flug zum Mond.
Jeder Astronaut hat den Traum einmal Richtung Mond zu fliegen.
Matthias Maurer, Esa-Astronaut
Maurer hoffe, dass das für ihn noch zur Realität werde, sagte er gegenüber ZDFheute. Jetzt scheint sein Traum zum Greifen nahe. Ab der Artemis 4-Mission habe Deutschland die Möglichkeit Richtung Mond zu fliegen, so Bär gegenüber ZDFheute.
- Ein erster, unbemannter Testflug rund um den Erdtrabanten ist mit "Artemis 1" bereits erfolgt.
- 2026 sollen vier US-Astronauten bei der rund zehntägigen Mission "Artemis 2" den Mond umrunden.
- 2027 könnten bei "Artemis 3" nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf dem Mond landen.
- Für 2028 ist "Artemis 4" anvisiert, Experten rechnen aber bereits mit Verschiebungen - erst hier könnte ein Deutscher mit dabei sein.
- Die Raumfahrtbehörden wollen auch eine Mondstation bauen: "Gateway" soll den Mond umkreisen, ähnlich wie die ISS die Erde.
Quelle: dpa
Der geplante Flug sei ein Beweis dafür, was Deutschland und Europa erreicht habe und noch erreichen könne, sagt Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.
Dieser Schritt ist sensationell und historisch, er unterstreicht, welche Rolle Deutschland spielt.
Marie-Christine von Hahn, Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie
Auf der Tagung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa wird über Milliardeninvestitionen beraten. Das Ziel: Die europäische Raumfahrt von China und den USA unabhängiger zu machen.
26.11.2025 | 2:58 minUSA: Partner und Konkurrent zugleich
Artemis ist eine Kooperation zwischen Nasa und Esa, also den USA und Europa. Der Flug zum Mond sei ein wichtiger Schritt für Deutschland und vor allem Europa, ordnet Chiara Manfletti von der TU München ein.
Es fliegt ein europäischer Astronaut mit deutschem Pass. […] Die Raumfahrt ist ein Symbol von Menschheit und einem gemeinsamen Europa.
Chiara Manfletti, Professorin für Raumfahrt der TU München
Jetzt bleibe nur die Frage offen, welchen genauen Zweck die Mission verfolge, so die Professorin. Raumfahrt sorge für Begeisterung, die astronautische Exploration solle aber etwas Langfristiges aufbauen und müsse Innovation und Geopolitik dienen, so Manfletti gegenüber ZDFheute.
Für diesen Aufbau helfen rund 22 Milliarden Euro. Diese Summe möchte die Esa in den nächsten drei Jahren investieren. Davon kommen rund fünf Milliarden von Deutschland.
Raumfahrtministerin Bär hebt die Bedeutung eines "souveräneren und selbständigeren" Handelns der europäischen Weltraumorganisation Esa im Vergleich zur US-Behörde Nasa hervor.
27.11.2025 | 3:25 minWas Deutschland bekommt
Die Besonderheit der Esa: Das sogenannte "Geo-Return-Prinzip". Jeder Euro, der von einem Esa-Mitgliedstaat - wie etwa Deutschland - in die Raumfahrt investiert wird, erhält das Land in Form von Aufträgen zurück.
Das dürfte vermutlich auch den Bremer Raumfahrtunternehmen Airbus und Ariane, sowie dem Satellitenhersteller OHB zugutekommen. In den letzten drei Jahren investierte Deutschland rund 1,5 Milliarden weniger, rund 3,5 Milliarden Euro.
Was auf den ersten Blick nach viel Geld klingen mag, ist im Vergleich zum Konkurrenten und Partner aus Übersee verhältnismäßig wenig. Die USA investiert pro Jahr rund 22 Milliarden Euro, die gleiche Summe, die Europa künftig über einen Zeitraum von drei Jahren investiert.
Man könne mit vergleichsweise weniger Geld auch viel erreichen, wenn man es schlau anstelle, so Manfletti. Jetzt sei wichtig, die Raumfahrt mehr zu industrialisieren und Prozesse schneller und günstiger zu machen, erklärt die Wissenschaftlerin.
Europa scheint umzuschalten und will unabhängiger und eigenständiger werden. Ein erster Schritt sind die erhöhten Investitionen. Über all dem schwebt die Mond-Mission gemeinsam mit den USA. Der Traum von einem Flug zum Erdtrabanten mit deutschem Astronauten soll Realität werden.
Paul Manger berichtet aus dem ZDF-Studio in Bremen.
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