Bundestagsabgeordnete diskutieren über ihr Gehalt: Darum geht es

Diätenerhöhung soll ausgesetzt werden:Bundestagsabgeordnete diskutieren ihr Gehalt: Darum geht es

Jan Henrich

von Jan Henrich

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Turnusgemäß sollten die Bezüge für Bundestagsabgeordnete zum 1. Juli steigen. Die Erhöhung scheint in diesem Jahr vom Tisch, doch die Diskussion um Abgeordnetenbezüge bleibt.

Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Steffen Bilger, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprechen gemeinsam am 21.04.2026 im Deutschen Bundestag in Berlin.

Unionsfraktionschef Jens Spahn hat sich dafür ausgesprochen, die Diätenerhöhung auszusetzen. Die monatlichen Bezüge würden eigentlich von rund 11.833 Euro auf etwa 12.330 Euro steigen.

18.05.2026 | 1:03 min

Viel Interpretationsspielraum lässt die Regelung im Abgeordnetengesetz nicht. Die Entschädigung für Bundestagsabgeordnete soll "jährlich zum 1. Juli angepasst" werden und zwar auf Grundlage des "ermittelten Nominallohnindex".

Der wurde in diesem Jahr bereits vom Statistischen Bundesamt ausgewertet und an den Bundestag übermittelt. Um 4,2 Prozent sollen laut Behörde die Löhne in Deutschland gestiegen sein. Auf die Abgeordnetendiäten umgerechnet, entspricht das einer Erhöhung um 497 auf rund 12.330 Euro im Monat. Ein Automatismus, der bewusst gewählt wurde, um aufgeheizte Debatten über die Bezüge der Parlamentarier zu vermeiden. Doch die Kritik an der Erhöhung scheint in diesem Jahr die Oberhand gewonnen zu haben.

Entschädigung für Bundestagsabgeordnete: Fraktionen weitgehend einig

Nicht nur aus der Opposition, auch aus den Koalitionsfraktionen wurden die Stimmen gegen die Erhöhung von Abgeordnetendiäten zuletzt lauter. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf machte vor einigen Wochen deutlich, dass man nicht gleichzeitig schmerzhafte Sparpakete schnüren könne, während die eigenen Diäten steigen.

Die Grünen hatten sich ebenfalls für eine Aussetzung der Erhöhung in diesem Jahr ausgesprochen. AfD und Linke wollen den Automatismus am liebsten ganz abschaffen oder grundlegend verändern. Zum Aussetzen der Erhöhung müsste der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabschieden.

Auf einer Arbeitsplattform werden ein Bagger und ein eingeklappter Kran auf der Spree von einer Baustelle am Schiffbauerdamm in Richtung Reichstag weggefahren.

Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU) und ihr Vize Nouripour (Grüne) wollen ein 600 Millionen Euro teures Bauprojekt stoppen. Kostspielige Projekte müssten angesichts leerer Kassen überdacht werden.

09.05.2026 | 0:24 min

Auch Spahn mittlerweile für Verzicht auf Diätenerhöhung

Nur CDU/CSU hatten bislang dagegen gehalten. Diese Woche dann die Kehrtwende von Unionsfraktions-Chef Jens Spahn. Er könne sich vorstellen, im zeitlichen Zusammenhang mit der Entscheidung über die Reform der gesetzlichen Krankenkassen auch die Diätenerhöhungen auszusetzen.

Spahn machte allerdings auch deutlich, dass er grundsätzlich an dem Automatismus festhalten will und dieser im kommenden Jahr wieder greifen soll. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, verteidigte laut Medienberichten den Mechanismus. Es sei wichtig, dass Politiker ordentlich bezahlt würden, um Unabhängigkeit zu gewährleisten. Die Unionsfraktion wird diese Woche noch über das Thema diskutieren.

Bundestagsabgeordnete erhalten seit dem 1. Juli 2025 monatlich 11.833,47 Euro. Die "Abgeordnetenentschädigung" ist einkommensteuerpflichtig. Zusätzlich erhalten die Abgeordneten eine steuerfreie Aufwandspauschale als Teil der sogenannten Amtsausstattung. Sie liegt derzeit bei 5.467,27 Euro monatlich. Davon müssen die Abgeordneten alles bezahlen, was sie zur Ausübung ihres Mandats benötigen - etwa den zweiten Wohnsitz in Berlin oder das Wahlkreisbüro.

Quelle: Bundestag


Bezahlung der Abgeordneten: Automatismus 2014 beschlossen

Wie Abgeordnete bezahlt werden, ist immer wieder Streitthema im Bundestag. Eine schwarz-rote Koalition hatte 2014 deshalb den Automatismus ins Gesetz aufgenommen. Für diesen hatte sich zuvor auch eine unabhängige Expertenkommission ausgesprochen. Mit der Kopplung an die Nominallöhne sollte der Eindruck von Selbstbedienung im Politikbetrieb entkräftet werden, hieß es damals bei der Begründung der Regelung.

Ganz aus der Hand geben kann die Politik die Entscheidung aber nicht. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte 1975 im "Diäten-Urteil" entschieden, dass die Abgeordneten grundsätzlich selbst und "vor den Augen der Öffentlichkeit" über die Höhe ihrer Entschädigung entscheiden sollen. Die ständig wiederkehrenden Diskussionen darüber scheinen damit auch bewusst Teil eines transparenten Staates zu sein.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "Aussetzung der Diätenerhöhung: Spahn dafür" am 18.05.2026 um 13:54 Uhr.

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